header_neu

Donnerstag, 13. September 2007

facebook

PS: Facebook rockt. Da geht's echt ab. Dagegen ist studivz noch Web 0.2. Aber eigentlich zählen ja eh nur die Gruppen. Der Rest ist mehr oder weniger uninteressant.

Nachtrag vom 13.09.07: Facebook hat einen entschiedenen Mangel: Man kann nicht ohne weiteres fremde Profile aufrufen. Was für einen Sinn haben denn bitte solche Netzwerke, als das Stöbernkönnen in fremden Profilen? (editiert am 14.09.07, man sollte einfach nicht bloggen, während man sich noch aufregt)

Nachtrag vom 15.09.07: Theodore vom facebook-Userservice schrieb mir auf Nachfrage per Mail:

However, our strong privacy settings are an important part of the site's ethic, and help to reinforce the intent to create an online community that reflects one's real world relationships.

So wirklich verstehe ich aber nicht, wie das Nicht-Abrufen-Dürfen von fremden Profilen helfen soll, die Gemeinschaft zu stärken. Ist es nicht gerade der Vorteil des Internets, Menschen leichter und ungezwungener "kennenlernen" zu können? Sind nicht deshalb Communitys so interessant, weil man sich über jemanden informieren kann, bevor man ihn anspricht bzw. anschreibt?

Montag, 10. September 2007

Ugnagnugrrrrr

Verdammte, blöde scheiße, jetzt habe ich gerade so einen gut formulierten Gedanken in ein Studivz-Forum geschrieben. Und jetzt löscht mit dieses beschissenen gottverdammte Dreckssystem den Text. Und ich bekomme ihn auch nicht mehr so hochtrabend, literarisch, wichtig-klingend zusammen. Ich brauche ein Ventil. Ungnugngn. Ich sollte mir einen Stapel Holzbretter besorgen. Welche wie wir sie beim Taekwondo für die Bruchtests benutzen. Und immer, wenn ich vorm PC abdrehe, schlage ich ein paar von den Scheißdingern durch. Also die Bretter jetzt, oder halt doch den PC.

Armer DJV

Ich glaube, es wäre nicht doof, sich mal langsam wieder verdi oder dem Deutschen Journalisten-Verband anzuschließen. Bei verdi findet man alle Infos sofort auf der Website. Online-Anmeldeformular, die Höhe der Beträge: alles in wenigen Klicks ersichtlich. Beim djv findet man gar nichts. Schon ziemlich arm.

Sonntag, 9. September 2007

Darmstadt und die kreative Klasse

Vorhin bin ich los, um noch ein paar Arbeiten im Café zu erledigen. Ich finde, dort lässt es sich am besten arbeiten. Man ist einfach nicht so abgelenkt wie zu Hause. Wie dem auch sei musste ich leider feststellen, dass das Café, in welches in gehen wollte, umgebaut wurde und mir nicht mehr gefiel. Ziemlich schnell wurde mir bewusst, dass Darmstadt kein einziges Café mit besonderem Flair hat (bezogen auf literarisch, schöngeistig geprägte Menschen wie mich). Okay, hinterher fiel mir noch das Café Chaos ein. Aber die Offenbarung ist das auch nicht. Eigentlich bietet Darmstadt der kreativen Klasse nicht sehr viel. Kein einziges wirklich gutes Café, ein äußerst mittelmäßiges Theater (die kleinen No-Name-Bühnen mal außen vor) und auch ansonsten pulsiert hier recht wenig. Lediglich ein Bierchen trinken kann man abends halbwegs passabel, aber natürlich immer in den gleichen zwei, drei Läden.

Freitag, 7. September 2007

Liszt

Habe heute mal angefangen ein Stück von Liszt zu lernen. Franz Liszt. Liebestraum No. 3. Ein total schönes Stück. Aber leider bzw. zum Glück ist es bearbeitet, heißt vereinfacht, denn Liszt hat die komplexesten, ja wahnwitzigsten Stücke überhaupt geschrieben. Kein Wunder, wenn man Paganini als Vorbild hat. Schaut euch ruhig mal dieses Video hier an, von dem Typen, der die Originalversion vom Liebestraum spielt. Ab der Hälfte wird es echt hart. Naja, ich bin froh, den vereinfachten Anfang geschafft zu haben.









Übrigens: Ich kann nur die Wiki-Biografie von Liszt empfehlen. Biografien sind sowieso immer das Spannendste.

PS: Ich habe die letzten Tage einige Portraitbilder geschossen. Werft ruhig mal einen Blick auf meine Flickr-Seite. Aber nicht erschrecken *g.

Mittwoch, 5. September 2007

Gute Nacht Nietzsche

Knapp vier Tage war ich zu Hause bei meinen Eltern gewesen. Und mal wieder merkte ich, dass es keinen schöneren Ort auf der Welt geben kann, als das Dorf meiner Kindheit. Nietzsche würde es die antiquarische Historie nennen, welche einem Wurzeln und ein Zugehörigkeitsgefühl und somit Glück und Zufriedenheit gibt. Doch trotzallem, würde ich wohl nicht mehr in diesem Ort längere Zeit leben wollen. Dafür gibt es dann doch noch zu viel spannendes Leben außerhalb. Aber es ist einfach eine schöne Heimat; ein schöner Ort, um nach Hause zu kommen - quasi die heile Welt eines Auenlandes.

Vier Tage war ich dort und die Zeit reichte nicht. Vier Wochen hätte ich benötigt, um einmal richtig auszuspannen. Vier Wochen, wie ich sie nach dem Diplom erst einmal zum Erholen eingeplant hatte. Doch die Last des eigenen Geldverdienens hatte mich dann doch zu schnell eingeholt. Vier Wochen, das wäre in jeglicher erdenklichen Hinsicht schön und sehr nötig gewesen. Vier Wochen wären gut gewesen. Aber leider sind sie mittlerweile vollends unrealistisch geworden, denn wie soll ich es mir leisten, ein volles Monatsgehalt Schulden zu machen? Die Kosten laufen ja weiter. Und dann verschweige ich lieber auch, dass ich gerne nach vier Wochen der Entspannung ein viertel Jahr auf Reisen gehen würde.

Well. Vier Tage war ich bei meinen Eltern. Die Hinfahrt war schon super, weil mich ein Punker-Pärchen in seinem Bulli mitgenommen hat - Mitfahrgelegenheit, nicht trampen - diesesmal. War sehr lustig. Doch noch besser war meine heutige Mitfahrgelegenheit: Ein junger Typ, 29, in einem alten Mercedes Transit?, in dem er auch wohnt. Ja richtig, der gute lebt in dem Ding. Bett, Küche, alles drin. Geiler Typ. Ist Krankenpfleger, hatte vor einem halben Jahr seinen Job gekündigt und ist er mal mit seiner Freundin durch die Ukraine und so gereist und schwärmt nun sehr von der Gastfreundschaft der Menschen dort. Auf jeden Fall war Lemmy, wie er hieß, ein cooler Typ, ein Mensch vor dem man einfach nur viel Respekt haben kann oder gar muss, weil er so selbstbestimmt sein Leben in die Hand nimmt und sich nicht von den Konventionen und Lebensentwürfen dominieren lässt, wie sie einem die Gesellschaft vorbetet.

Was bietet einem auch schon das handelsübliche Angestelltenleben? Zumeist, wenn man keine großen Hobbys außerhalb hat. Was? Arbeit und ab und zu mal mit den immer gleichen Bekannten bei einem Bier über immer die gleichen belanglosen Themen zu reden? Nun, dem Thema werde ich mich nicht jetzt widmen. Jetzt bin ich einach nur hundsmüde und werde pennen gehen. Werde mich in das Bett legen, welches mir so freundlich angeboten wurde - hier in Freiburg, der Stadt, in welcher in zum ersten Mal bin, um die drei geisteswissenschaftlichen Studenten zu treffen, die ich auch der Documenta getroffen habe, um heute mit ihnen ein erstes Lesezirkeltreffen abzuhalten. Den ganzen Abend haben wir bei Wein über Nietzsches "Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben" gesprochen. Es war sehr interessant. Aber vielleicht auch dazu später mehr. Gut' Nacht.

Freitag, 31. August 2007

Halten sie an, ich muss mit!

Mitfahrgelegenheiten sind lustig. Sagt mir doch eben ein Mädel, ich würde ein bisschen spät anrufen. Dabei sind es doch noch zwei Stunden bis zur Abfahrt. Tz. Viel lustiger ist es dann doch, jemanden anzurufen, der bereits von weiter her aufgebrochen ist, um ihn kurzerhand zu einem kleinen Zwischenstopp zu bitten, damit man einsteigen kann. Ich liebe Spontanität.

Mittwoch, 29. August 2007

Über die Arbeit und die Achtung vor sich selbst

Auf ZDF läuft gerade 37°, die Reportagesendung. Thema: "Willkommen in der Wirklichkeit - Der erste richtige Job:
Vom Einstieg ins Berufsleben".

Merkwürdig zu sehen, wie andere Leute - ein Assistenzarzt, eine Hotelfachfrau und eine PR-Volontärin - in den Beruf starten. Jeder möchte sich wahrscheinlich selbst verwirklichen und der Beruf gehört dazu - egal in welcher Form man ihn ausübt und wie man Arbeit definiert. Aber, ich weiß nach wie vor nicht, was ich von diesem "Jetzt-gehörst-du-zur-Firma" halten soll. Dieses Anpassen und Einfügen. Seltsam. Eigentlich sollte der Mensch sich so entfalten wie er ist und sich nicht in eine Rolle einfügen. Das Wort sagt es ja schon: eine Rolle. Es ist wohl die Kunst, es hinzubekommen, dass diese Rolle identisch mit dem eigenen Charakter ist, was natürlich nicht heißen kann, den Charakter anzupassen.

Ich hatte bei meinem Berufseinstieg wirklich Glück. Alleine schon, weil ich gar nicht von Berufseinstieg reden möchte. Ich sehe es eher als Job. Im Sinne von Nebenjob. Nagut, ich bin ja auch "nur" freier Angestellter, freier Redakteur und natürlich kann ich auch noch für andere Redaktionen arbeiten oder ganz andere Jobs machen. Aber es hat die Sache sehr vereinfacht, dass ich so reingerutscht bin, reingerutscht wurde. Ich hatte nie das Bewusstsein, dass DAS ist jetzt meiner ster Job, mein erster richtiger Tag im Berufsleben ist, und es war verdammt gut. Es war ein bisschen so, wie wenn man in der Schule eine Hausarbeit abgibt und der Lehrer hinterher sagt, das sei die Klassenarbeit gewesen und man hätte bestanden. Whatever. Meine Botschaft ist: Definiert euch nicht über euren Job, und schon gar nicht über euren Arbeitgeber. Schön, wenn man das kann, schön, wenn alles Spaß macht. Aber im Kern, ist immer das eigene Ich, die eigenen Persönlichkeit das Entscheidende, das große Ganze. Es ist ein Deal zwischen Mensch und Arbeitgeber - ein Deal auf Augenhöhe, immer.

Ach lauschen wir lieber ein wenig Jack Kerouac. Obwohl ich finde, dass er ein wenig unglücklich in dem Clip aussieht. Ich glaube, diese Fernsehöffentlichkeit hat ihm gar nicht behagt. Man schaue sich im Vergleich an, wie entspannt und sympathisch er auf diesem Bild (unten links) - geschossen von einem Fotografen der legendären Fotoagentur Magnum - aussieht.

Dienstag, 28. August 2007

Moscow, St. Petersburg, Helsinki

Ihr denkt, ich bin mutig, nur weil ich einmal getrampt bin? Ha! Da zitiere ich nur die Kopfzeile des Blogs von zwei Freunden von mir, die sich gerade auf einem Tramp-, Couchsurf-, und kostenlos Ryanair-Trip durch ganz Europa befinden. Ich kann euch wirklich nur ihren Blog empfehlen (auch, wenn noch nicht soviel drin steht) sowie Toms und Semfiras flickr-Seite (Reisebilder bisher nur bei Tom).

Follow the movements of the brave and fearless reporters Semfira and Tom as they wend their way through Europe's most dangerous cities! On the agenda: St. Petersburg, Moscow, Helsinki, Barcelona, Venice, Milan, Verona, Paris, London. All will be revealed in authentic colors, moods, sounds and smells!
St. Petersburg
Gulf of Finland, St. Petersburg / Foto: Tom & Semfira

Montag, 27. August 2007

Couchsurfingtripp durch Frankreich?

Oh mein Gott. Ich hätte wohl nicht schon wieder auf couchsurfing.com stöbern sollen. Es gibt sooo unglaublich viele interessante Menschen. In jeder verdammten Stadt. Wie ich vorhin bereits schrieb, möchte ich ja mal nach Frankreich reisen - trampen, couchsurfen, whatever. Dachte mir eben, es wäre cooler, gleich eine Städtereise draus zu machen. Vier, fünf Städte bis Paris, die grob auf dem Weg liegen. Jetzt habe ich nur mal geschaut, wer alles so in Besancon eine Couch hat. Irre. Ich könnte glatt ne Woche dort bleiben. Mann, eignetlich bräuchte ich mindestens ein paar Monate zum Reisen - plus ein wenig Geld. Ich finde es eh in jeglicher Hinsicht lächerlich, wie wenig Urlaub, der durchschnittliche Arbeitnehmer in Anspruch nehmen kann. Einfach nur lächerlich. Bei mir wird das anders laufen müssen.

PS: Wer nicht weiß, was Couchsurfing ist, höre hier:









Der Beitrag ist vom SWR. Mehr dazu hier.

Sonntag, 26. August 2007

Das erste Mal Trampen

Regel: Man trampt nicht, um Geld zu sparen oder unter Garantie zu einem festbestimmten Ziel zu kommen, sondern um Freiheit zu erfahren, neue Orte und interessante Menschen kennenzulernen.

Wie sieht sowas aus? Ein Beispiel:

Letzte Woche war ich trampen. Ich habe darüber schon geschrieben, aber mehr über das drumherum, weniger das Trampen selbst. Das soll jetzt erfolgen.

Samstag morgen vor einer Woche bin ich auf aufgewacht und wusste: Heute ist es soweit. Ich wollte trampen. Getarnt habe ich es unter dem Vorwand, zu meinen Eltern reisen zu wollen, denn es gibt ja Sicherheit, wenn man ein festes Ziel hat und schon ein Bett auf einen wartet. Eigentlich wollte ich trampen. Das habe ich auch gemacht. Zum ersten Mal in meinem Leben.

Ich habe mir ein Pappschild gegriffen und in großen Lettern "Hannover" draufgepinselt und mich vor's Maritim in Darmstadt gestellt. Das ist nämlich die letzte Möglichkeit, wo Autos halten können, wenn sie auf die Autobahn wollen. Eine gute Freundin sagte mir, es sei immer am Schwersten aus einer Stadt hinauszukommen, am besten man fragt einen jungen Menschen an einer Tankstelle, ob dieser einen zur nächsten Autobahntankstelle mitnimmt. Das war mir aber zu blöd. Also stand ich da.

Es war 15 Uhr, heiß, die Sonne brannte. Ich trug, ein weißes kurzärmliges Hemd, Armeeshorts und Flip Flops - und mein Schild. Heißt: ich stellte, es neben mich vor meine Tasche. Dann setze ich mich hin und las im Spiegel. Ich war aber so aufgeregt, dass ich den ersten Satz 150 Mal las. Nach zehn Minuten hielt ein Auto. Ein Polo glaube ich. Junge Leute drin. Ich ging hin, aber es schien, als hätten sie nicht wegen mir angehalten. Hatten sie auch nicht. Aber auf Nachfrage nahmen sie mich trotzdem mit. Eigentlich wollte der Fahrer (Student) nur auf seine Schwester warten und mit einem Kumpel (auch Student) zu einer Hochzeit. Nette Typen. Bis auf die Schwerster. Die drehte sich später um und sagte: "Pass ja auf, wir sind zu dritt!", oder so etwas in der Art. Ich hätte fast gelacht.

Ich verließ Darmstadt. Juhu. Kurz vor Friedberg ließen sie mich auf einem Parkplatz raus, denn sie mussten die nächste Abfahrt runter. Toll. Da stand ich also - vielleicht 60 Kilometer weit gekommen - an einem kleinen Parkplatz, wo es außer einem Toilettenhäuschen nix gab. Ich ahnte Böses.

Nach fünfzehn Minuten hielt das nächste Auto. Ein netter Typ um die 40 nahm mich mit. Bis Melsungen wollte er. Das waren sicher 160 km (Alle Angaben vage geschätzt). Der Kerl war katholischer Pfarrer. Wir unterhielten uns super über französische Literatur und er erzählte mir von seinem Reisen nach Syrien sowie über Übersetzungsschwierigkeiten von alten und neue Sprachen.

An einem großen Autohof war er mich dann raus. Von da aus, sollte ich keine Schwierigkeiten haben, ein Auto zu finden, dachte ich mir, holte mir einen Imbiss und stellte mein Schild an den Straßenrand. Kein Auto hielt. Es dauerte eine Stunde. Es dauerte eineinhalb Stunden. Es dauerte zwei Stunden. Alles nur Familien mit Kindern in Bonzenkarren. Die nehmen einen natürlich nicht mit. Ich fühlte mich leicht aussätzig. Es wurde 19 Uhr.

Dann hielt endlich jemand. Ein junger Burscher. Jünger als ich. Servicemonteur für Eisenbahnen und so. Reist in der ganzen Welt herum für seinen Job. Indien, Paris, London. Menschen, die was von der Welt gesehen haben, Menschen, die ein bisschen Ahnung von der Welt da draußen haben und nicht nur 20 Jahre in ihrem Bürostuhl festkleben und glauben sie wüssten, wie das Leben läuft, nehmen einen immer mit. Reisende erkennen sich untereinander. Leider kam ich nur bis zum nächsten Rasthof. Kassel. Da musste er runter. Ich war optimistisch, sollte aber Unrecht behalten. Ich wartete wieder eineinhalb Stunden und irgendwann war es halbzehn und dunkel. Ich ging auf die Toilette und zog meine langen Klamotten an. Ich wartete weiter, aber es hielt kein Auto.

Nun ja, dann muss ich halt irgendwie nach Kassel rein - 10 km entfernt. Oder auf einer Wiese in der Nähe des Rasthofes pennen - ohne Schlafsack. Ich ging erst mal rein in die Tanke und fragte, wie ich nach Kassel kommen würde. Drinnen war ein Bursche und eine Frau um die 40. Sie sagte, sie würde Feierabend machen und ich könnte mit ihr mitkommen. Sie würde zum Bus gehen. Also gingen wir los. Zehn Minuten über dunkle Wege und einer Straße ohne Fußweg - hinein ins Industriegebiet. Die Frau war auch früher getrampt. Mit Freunden. Bis nach Korsika. Dann kam der Bus. Sie musste in die andere Richtung. Ich stieg ein und setzte mich neben drei Inder. Die arbeiteten auf dem Autohof neben der Tankstelle - seit 20 Jahren! Und sie waren gut gelaunt. Ich wusste nicht, ob ich Respekt oder Mitleid haben sollte.

Schließlich kam der Bus in Kassel an. Ich stieg in die Straßenbahn und fuhr zum Bahnhof Wilhelmshöhe, wo die Fernzüge fahren. Es war 23 Uhr und der Bahnhof war tot. Sorry, kein Zug mehr nach Hannover. Ich war in Kassel gestrandet.

Na und? Ich rief einen Kumpel an, er möge doch bitte für mich Couchsurfer in Kassel anschreiben, damit die sich bei mir melden. Aber da mir klar war, dass das eine gewagte Sache war, so spontan, laberte ich ein Mädel an, bei der ich ein gutes Gefühl hatte. "Hey, du kannst mir sicher helfen. Ich wollte nach Hannover trampen und bin hier gestrandet. Ich suche ne billige Absteige und ne Bar, wo ich feten kann." Sie konnte mir helfen. Schließlich landete ich da!.

Der Abend war recht lustig (siehe die letzten Unterwegs-Einträge). Am nächsten Morgen wollte ich dann aber per Mitfahrzentrale weiter, schloss mich aber spontan drei Typen aus Freiburg an, war mit ihnen auf der Documenta und schließlich haben sie mich für sieben Euro nach Hause gebracht, weil sie in meine Richtung fuhren. Spannende Menschen. Ebenfalls wie ich Literaturfreunde. Übernächste Woche besuche ich sie wohl mal in Freiburg. Da ist ihr nächstes literarisches Treffen. Thema: Nietzsches Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben.

Mein nächstes Ziel ist Wien (wobei ich die nächsten Fahrten wohl nicht trampen werde, da die Zeit zu eng ist und ich zu einer festen Zeit da sein möchte). In Wien habe ich (übers studivz) coole Typen aus einem Literaturzirkel kennengelernt. Und dann irgendwann möchte ich noch mal nach Frankreich trampen - Paris wahscheinlich. Und schließlich wird es Zeit, dass ich das erste Mal couchsurfe. Aber Paris wird schon ein großes Ding. Alleine, weil ich die Sprache nicht spreche und kaum ein Franzose Englisch. Es dürfte spannend werden.

Der Geist der Beatniks

Ich bin derzeit verrückt nach dem Geist der Beatgeneration. Auch unabhängig davon, dass jetzt Jack Kerouacs legendäres Manifest "On the road" 50 Jahre alt geworden ist. Aber wenn ich ehrlich bin: So wild ist das Buch nicht. Eigentlich ist das Buch copy und paste-Wahnsinn. Eigentlich kann man auch alle Kapitel rausreißen und neu anordnen. Okay, Kerouacs Kollege Burroughs hat das ja sogar bisweilen gemacht, wobei dieser sogar einzelne Seiten zerschnitten und zufällig neu angeordnet hat. Aber Kerouacs Buch ist auch so. Eigentlich ist es ein einziger Wahn. Keine Story, kein roter Faden und völlig irrsinnige Monologe. Man muss das Buch auch extrem schnell lesen, denn das Buch wirkt nur, wenn man in das Tempo des Buches eintaucht und sich an den Assoziationen berauscht. Die Sätze selber ergeben meist wenig Sinn.

Trotz allem: Das Lesen bringt es nicht!

Ich bin süchtig nach dem Geist der Beatniks, nicht nach ihren Werken. Spannender sind schon ihre Biografien, ihre Lebensläufe. Aber wahrhaft in diesen Geist eintauchen kann man nur, wenn man selber auf der Straße unterwegs ist. Wenn man selber alles auf sich zukommen lässt. On the road. Oder wie schrieb Kerouac doch selbst in "On the road":

Alle meine derzeitigen Freunde waren „Intellektuelle“ – Chad, der Nietzscheaner und Anthropologe, Carlo Marx mit seinen bekloppten surrealistischen, leisen, ernsten, irren Reden, Old Bull Lee und seine kritische Motzerei gegen alles und jedes -, oder sie waren heimliche Kriminelle wie Elmer Hassel mit seinem gelangweilten höhnischen Grinsen; genauso Jane Lee, die sich auf dem Orientteppich auf ihrer Couch wälzte und über den New Yorker die Nase rümpfte. Aber Deans Intelligenz war in jeder Hinsicht genauso geschult, brilliant und umfassend, nur ohne die öde Intellktualität. Und sein "Kriminalität" hatte nichts Schmollendes oder Spöttisches; sie war ein unbändiger, bejahender Ausbruch amerikanischer Lebenfreude; sie war der Westen selbst, der Westwind, eine Ode aus der Prärie, etwas Neues, lange Vorhergesagtes und lange Ersehntes (er knackte Autos nur zum Spaß für Spritztouren). Außerdem vertraten Alle meine New Yorker Freunde den negativen, alptraumhaften Standpunkt, das die Gesellschaft abzulehnen sei, und lieferten ihre müden, bücherschlauen oder politischen Gründe dafür, während Dean nur so durch die Gesellschaft raste, gierig nach Brot und nach Liebe; ihm war es egal, ob so oder anders, "solange ich nur an das nette Mädchen mit ihrem süßen Ding zwischen den Beinen rankomme, Mensch" und "solange wir was zu 'essen' haben, Mann, verstehst du mich? Ich bin 'hungrig', ich 'verhungere', lass uns 'sofort was essen'!" - und schon stürzten wir los und 'aßen', wie es, so spricht der Weise Salomo, "dein Teil ist unter der Sonne".

Ein westlicher Verwandter der Sonne - das war Dean. Obwohl meine Tante mich warnte, er würde mich in Schwierigkeiten bringen, hörter ich einen neuen Ruf und sah einen neuen Horizont und glaubte daran, jung wie ich war; und ein paar kleine Schwierigkeiten oder auch, dass Dean mich als Kumpel zurückstieß, mich hängenließ, wie er es später tun sollte, verhungernd am Straßenrand und auf dem Krankenbett - was machte das schon? Ich war ein junger Schriftsteller und wollte abheben. Irgendwo unterwegs, das wusste ich, gab es Mädchen, Visionen, alles; irgendwo auf dem Weg würde mir die Perle überreicht werden.


Neuester Kommentar

Danke
Vielen Dank für diese Sätze: "Es sollte eine sehr gute...
Johanna (Gast) - 2013-12-05 10:34
Gut analysiert. Nur bei...
Gut analysiert. Nur bei der politischen Ausrichtung...
7an - 2013-10-10 15:08
Kein Interesse
Nur eine kurze Anmerkung. Journalisten denken von ihrem...
Otto Hildebrandt (Gast) - 2013-10-10 14:08

Suche

 



arbeitsprozesse
das schreiben
der autor
der journalismus
digitale welt
diplomtagebuch
freie presse
fundsachen
gedanken
journalismus-studium
medienbeobachtungen
meinung
panorama
persönliches
poeten
reisenotizen
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren