Ein Kumpel und ehemaliger Kommilitone von mir hat sich in seiner Diplomarbeit mit dem Format der Audio-Bildergalerie beschäftigt und im praktikschen Teil der Arbeit auch selber eine solche Slideshow erstellt.
In Berlin besuchte er dafür Mario Röllig, einen ehemaligen Gefangenen der Stasi, der 19 war, als er auf der Flucht nach Westdeutschland abgefangen und inhaftiert wird - ohne Anklage, ohne zu Wissen, wo er sich befindet und ohne zu Wissen, was mit ihm geschehen wird. Schaut es euch an! Mein Kumpel hat die Audio-Bildergalerie jetzt bei Spiegel Online untergebracht (Der Film unten links innerhalb Artikels über Grenzsoldaten).
Ich schaue gerade auf die Uhr und merke, dass ich schon wieder alles überhaupt nicht schaffe. Soll ich mal versuchen, den Sekundenzeiger anzuhalten?
Moment!
*mitverzerrtem Gesicht auf Wecker starr*
UNNNGGMMNNNNNNNNNNNNNNNNNNNNN
Hm. Ich muss wohl noch üben, bis ich mit
Super-Hiro gleichziehen kann.
Energie beziehen wir nicht aus Ruhe, sondern aus Taten, aus erfrischenden Erlebnissen.

Es hat sich etwas anderes ergeben. Als ich morgens im
Bürgerstolz und Stadtfrieden aufgestanden bin, habe ich ein paar lässige Typen getroffen, die zur Documenta wollten - und danach zurück nach Freiburg, ergo vorbei an Darmstadt. Sie hatten auch noch einen Platz frei. Kurzerhand habe ich meine Pläne umgeschmissen und mich ihnen angeschlossen. Meine Gefährten haben sich dann als sehr geistreiche Literaturliebhaber entpuppt. Der Tag hat wirklich Spaß gemacht. Die Documenta war sehr anregend. Das größte Kunstwerk waren allerdings die Frauen. Ich habe noch nie so viele hübsche, aufgeschlossen-intelligent aussehende Frauen gesehen. Ich hätte sie alle lieben wollen - was eine gesammelte Anmut. Aber was soll man tun, als mit wenigen etwas Smalltalk zu führen? Jede hatte ein Gedicht verdient.
- Hier gehts zu meinen Documenta-Bildern
Bin heute morgen aufgewacht und dachte mir, ich müsste zu meinen Eltern fahren. Und zwar als Tramper - zum ersten Mal. Was soll ich sagen? Es war nicht schwer. Davon abgesehen, dass ich nicht angekommen bin. Bis Kassel bin ich gekommen. Geplant war Darmstadt-Hannover. Whatever. Bin dann von der Autobahntanke nach Kassel rein - was auch schon wieder ne Story für sich war - und wollte mit der Bahn weiter - fuhr aber nicht mehr. Habe dann einen Kumpel gebeten mir einen Couchsurfing-Kontakt zu vermitteln. Hat nicht geklappt. Jetzt bin ich durch Zufall im Temporary House - eine Einrichtung zur Dokumenta, wo man auch pennen kann. Sehr kuscheliges Gruppenschlafzimmer für 25 Euro inklusive Freikarte für alle Clubs nebenan. Aus so einem blogge ich auch gerade. Habe eben - wenn man dem Glauben schenken darf und ich es noch richtig im Kopf habe - den Neffen von Wim Wenders getroffen:
Oliver Herders, ein Filmproduzent, lässiger Typ, pennt neben mir. Dann habe ich Bekanntschaft mit zwei netten Journalistinnen gemacht und jetzt ist gerade der Maler Wolle an meiner Seite, der mir auch prompt nen Bier ausgegeben hat. Morgen gehts weiter nach Hannover - per Mitfahrzentrale, wenn es klappt, ansonsten wird sich eben irgend etwas anderes ergeben.
Mein Handy nervt, der Speicher wäre fast voll. Super. Hab ich also das Kabel an anschlossen und Handy und PC verbunden. Das Kabel musste ich natürlich extra kaufen. So. Und jetzt ist diese scheiß Software (vom Kabel, denn natürlich kann das Handy nicht einfach als Laufwerk erkannt werden) nicht einmal in der Lage - nachdem sie schon zweimal meinen Rechner aufgehängt hat - meine ganzen alten SMS zu löschen.
Freunde der Technik, wir glauben wir wären die Allergrößten. Internet, High-Tech, Supercomputer, what the fuck up, und wir können zum Mond fliegen, toll. Aber ich glaube, es ist alles vorn Arsch. Wir sollten den ganzen Scheiß einfach sein lassen. Back to the roots. Ab in den Wald und so.
Eigentlich krass, das jedes Bier in so einer kunstvollen Glasflasche abgefüllt wird.
Wen interessieren in der Presse Texte über irgend welche verdammten Trainings-, Entspannungs oder was weiß ich was für Methoden, die ihnen in ihrem dämlichen Job helfen sollen? MICH NICHT!
Vor etlichen Wochen hatte ich mich um einen studentischen beziehungsweise Aushilfs-Job bei einer nicht unbekannten öffentlich-rechtlichen Online-Redaktion beworben. Es wurde nichts draus. Das erfuhr ich aber auch erst, nachdem ich über drei Wochen hinweg mehrmals angerufen hatte. Sei's drum. Eben flattert eine Mail in mein Postfach. Es ist der Benachrichtigungshinweis, dass meine Bewerbungs-Mail nicht gelesen wurde.
Nicht das erste kuriose Erlebnis mit einer öffentlich-rechtlichen Online-Redaktion. Vor einem Jahr wurden einige Leute aus meinem Semester zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen - nur um später zu erfahren, dass zu diesem Zeitpunkt die Stellen bereits vergeben waren und man nur auf Nummer Sicher gehen wollte, falls die neuen Kräfte abgesprungen wären.
Kennt zufällig jemand Seiten im Netz - von YouTube mal abgesehen - auf denen man sich gute englischsprachige Videos und Filme ansehen kann? Vorzugsweise in britischem Englisch und am besten Dokus.
Kennt ihr das auch? Alles war super, bis jemand diesen Spruch gemacht hat. Diesen Spruch! Denjenigen, den du noch nie leiden konntest. Und man fragt sich, wie sich so ein Phrasenmüll in den Köpfen der Leute einbrennen kann.
Mein persönlicher No-Go-Spruch:
Da musst du jetzt durch!
Punkt ist: Man muss nirgends durch - zu keiner Zeit. Letztlich entscheidet man immer selbst und hat immer eine Alternative. Die Frage ist nur, wie dramatisch diese aussieht. Die Redewendung erlaubt keine Zweifel, sie unterdrückt die Differenziertheit der menschlichen Wünsche und Sehnsüchte, schneidet alles weg bis auf ein: "Du musst!" Eine Alternative ist nicht vorgesehen. Der Satz ist komprimierte Unfreiheit und der Tod des unangepassten Geistes.
Auch nicht schön ist:
Appetitt holen ist erlaubt, gegessen wird zu Hause.
(Im Sinne von Sex haben)
Wobei letzterer Spruch vom Sinn her natürlich okay ist und Untreue keine feine Sache ist, aber Wortwahl und die Metapher lassen den Satz urspießig erscheinen. Zum einen klingt es nach Authorität, die einem vorschreibt, wie man seine Sexualität ausleben soll und zum anderen mutet dem "zu Hause essen" etwas zutiefst bürgerliches an. Küchenschürze, die "Mamma am Herd". Absolut unerotisch. Diese Redewendung nimmt der Möglichkeit des Tabubruchs - eine Kernkomponente der Sexualität - seine Faszination.
Was sind eure No-Go-Redewendungen?
Über Besserwisserei in der deutschen Sprache
In gewissen Abständen lese ich "Sinn machen" oder "Sinn haben". In beiden Fällen muss ich krampfhaft daran denken, dass es "Sinn machen" ja im deutschen gar nicht gibt bzw. dieses falsch aus dem Englischen (make sense) übernommen wurde.
Aber mal ehrlich: es ist mir sowas von scheiß egal. Und wenn irgendwas schlimmer ist, als irgend eine Form, die es eigentlich gar nicht gibt, dann ist es dieses ewige Gequängel und Bessergewisse. Außerdem gibt es "Sinn machen" sehr wohl im Deutschen, ob man will oder nicht. Es hat sich nämlich in der deutschen Sprache durchgesetzt. Fakt. Punkt. Und es wird auch noch die nächsten 500 Jahre benutzt werden. Also wo ich das Problem?
Es gibt wirklich einige Wörter und Begriffe, die nicht schön sein mögen, sich aber leider eingenistet haben. Ich finde es auch nicht schlimm. Schlimm ist nur, wenn man immer daran denken muss, dass diese Wörter nicht "okay" sind, obwohl man nichts gegen sie hat. Dieser kleine Mann im Kopf pisst mich richtig an. Gebt mti ein Messer und ich ... nein, lieber nicht.
"Kriegen" ist übrigens auch so ein Wort. Mein Deutschlehrer sagte früher immer: "Kriegen" sei schlechtes Deutsch, es heiße "bekommen". Jahrelang habe ich mich aufgeregt, wenn ich irgendwo "kriegen" gelesen habe. Mittlerweile nervt mich nur noch, dass ich darauf anspringe. Verdammt, selbst die ZEIT benutzt "kriegen".
Auch schön sind die Bücher von Bastian Sick, diesem gottverdammten Besserwisser, der von sich sagt, er möchte nicht belehren, es aber trotzdem tut. Wenn man ihn einmal gelesen hat, ist er wie ein Virus, das sich im Kopf eingenistet hat. In manchen Fällen hat er Recht, da geht es dann aber um grammatische Regeln, die eh jeder kennt, der halbwegs des Deutschen mächtig ist. Was nervt sind Anmerkungen wie, Wörter die auf "-bar" enden würden, gingen gar nicht. "Erklärbar, reparierbar - Überall Barbaren", schrieb er in seinem einen Buch. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich immer, wenn ich ein Wort lese, das auf "-bar" endet, an Sick denken muss.
Fuck you! Verdammte Besserwisser, ich hasse euch alle. Ihr nervt!
„Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher.“
George Orwell: Die Farm der Tiere