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Mittwoch, 25. Februar 2009

Der unbeliebte Kritiker

Wenn man mit dem Finger auf etwas Ungelungenes oder auf einen Missstand zeigt, läuft man schnell Gefahr, verprügelt zu werden. Menschen, die die Wohlfühl-Temperatur stören, sind sehr unbeliebte Gäste. Egal wo, egal wann. Gleichzeitig heißt es aber: Unser Fernsehen ist zu schlecht. Auf dem Buchmarkt ist zuviel Mist. Nur reden will selten jemand darüber. Immer schön die Augen zu machen. Nur nichts riskieren. Immer mitspielen im ewigen System der guten Laune, im System der Gleichschaltung.

Samstag, 21. Februar 2009

Der neue Newsroom der Frankfurter Rundschau

Newsroom Frankfurter Rundschau

Das neue Verlagsgebäude der Frankfurter Rundschau, seit einer Woche mein neuer Arbeitsplatz, ist sehr beeindruckend. Ich habe schon ein paar Verlagshäuser gesehen, darunter das der ZEIT und das alte der Süddeutschen Zeitung, aber das neue Quartier der FR stellt alles in den Schatten. Aber es ist auch nicht irgend ein Quartier, sondern eines, dessen Herz der größte Newsroom Deutschlands und angeblich sogar der modernste Europas ist. Vorbild war der Newsroom des Daily Telegraphs in London.

Bei der FR in Frankfurt gibt es jetzt eine Brücke, englisch: the hub, das Drehkreuz (hier ein Bild). In der Mitte des Raumes, oder besser der Halle, steht dieses Schreibtisch-Rad, an dem alle Ressortleiter sitzen. Sie schauen nach außen und haben ihr Ressort im Blick. Die Ressorttische breiten sich wie Sonnenstrahlen von diesem Drehkreuz aus. Oben an den Säulen hängen Flachbildfernseher, die stumm Nachrichten zeigen. Zur linken fällt Tageslicht durch große Fenster und zur rechten hängen Leinwände an der Wand, auf denen diverse Nachrichten-Webseiten zu sehen sind.

Entgegen aller Befürchtungen ist es sehr leise in dem Raum, in dem an die 100 Menschen arbeiten. Alle Wände und die gesamte Decke wurden mit schalldämmenden Verkleidungen versehen. Holzplatten mit kleinen viereckigen Löchern. Klingt simpel, funktioniert aber.

Für diejenigen, die das nicht wissen: Die Architektur von Zeitungsräumen ist eine Wissenschaft und wirkt sich ganz direkt auf die Arbeit der Redakteure und somit auf das journalistische Produkt aus. Ich sage nur, es fühlt sich gut an. Gemütlich, ruhig, aber hochkonzentriert. Es ist eine Atmosphäre, wie man sie sich in großen amerikanischen Zeitungshäusern vorstellt.

Mehr zum neuen Quartier gibt es in einer Beilage der heutigen FR oder auf der Website. Ich empfehle besonders den Artikel vom Chefredakteur Uwe Vorkötter (inklusive etlicher Grafiken des Gebäudes). Ansonsten finden sich ein paar ausgewählte Bilder des FR-Hauses in meinem flickr-Account. Unbedingt empfehlen muss ich das folgende sehr amüsante Video, das die Stimmung der FR-Mitarbeiter nach dem Umzug eingefangen hat.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Virus Suchmaschinen-Optimierung

Es ist erschreckend, wie schnell sich gestandene Print-Redakteure seriöser Tageszeitungen für Themen wie Suchmaschinen- Optimierung vereinnahmen lassen und nicht sehen, wie schnell dieses die journalistische Integrität unterwandern kann.

Samstag, 7. Februar 2009

Kriegsheimkehrer und Zivilcourage



"Es mangelt an der Zivilcourage, sich zu einem militärischen Engagement (im deutschen Sinne, 7an) zu bekennen, das man durchaus begründen kann und begründen muss." Diesen sehr wichtigen Satz schrieb Michael Hanfeld in seiner Rezension zu "Willkommen zu Hause", einem ARD-Spielfilm über einen deutschen Soldaten, der im Afghanistan-Einsatz einen Kameraden und Freund verloren hat und es nicht schafft, zurück in sein altes Leben zu finden.

„Ich will deinen verdammten Krieg nicht in meinem Haus, ich will meinen Frieden“, bringt es die Mutter des Mannes auf den Punkt. Der Film setzt den Zuschauer einer deutschen Reihenhaus-Bürgerlichkeit aus, die man schon als Nicht-Soldat nur schwer ertragen. Es ist dieser unbedingte Wille, den Heile-Welt-Motor um jeden Preis am laufen zu halten, der so sehr verstört. Es ist das sich Nichteinlassen mit der Thematik. "Wie war denn das Essen in Afghanistan?" fragt die Freundin des Soldaten. Mit den Problemen, unter denen Kriegsheimkehrer (und im Übrigen Mitarbeiter humanitärer Organisationen ebenso) leiden können, hat sie sich nicht beschäftigt. Ebenso wenig wie seine Eltern.

Und der Soldat, hervorragend gespielt von Ken Duken, weiß selber nicht so Recht um seine Probleme. Er weiß nur, dass er brechen muss, sobald er gegrilltes Fleisch riecht, dass er ausflippt, wenn er klirrendes Glas hört - um nur ein paar Reaktionen zu nennen.

Der Film ist zwar fiktiv, basiert aber auf realen Erlebnissen etlicher deutscher Soldaten und könnte dokumentarisch-nacherzählter nicht sein. Mehr noch als der Baader-Meinhof-Komplex, der den RAF-Terror früherer Jahrzehnte behandelt, ist "Willkommen zu Hause" ein Pflichtfilm für jeden Bundesbürger. Und darüber hinaus auch für jeden, der auch nur irgend einen Bezug zu Afghanistan, dem Terrorismus oder der muslimischen Welt hat. Gewissermaßen ist das Ansehen dieses Films ein Mindestbeitrag an Zivilcourage.

Bei Youtube kann man sich den Film in voller Länge ansehen.

Montag, 19. Januar 2009

Schläge für die Rebellen

Die Drehbuchautoren von dem ZDF-Dreiteiler "Die Rebellin", namentlich Christian Jeltsch und Monika Peetz gehören wirklich verprügelt. Soviele vollkommen gekünstelte Drama-Spitzen habe ich mein Leben lang noch nicht gesehen.

Die Filme sind eigentlich wirklich gut. Aber spätestens im dritten Teil bekommt man alle fünf Minuten einen Schreikrampf, weil mit der Brechstange ein Drama herbeigebogen wird. Da können auch schon mal die Darsteller so handeln, wie es nicht zum Charakter der Figuren passt. Von völlig absurden Zufällen ganz abgesehen.

Donnerstag, 8. Januar 2009

Niemand erreicht selbst etwas

Die Elite redet immer so, als ob sie es selber geschafft hätte. Leistung ist ihr Zauberwort. Minderleister werden all die genannt, die es nicht so weit gebracht haben. Dass der Backwarenverkäufer am Bahnhof, der sechs Tage die Woche von 5 Uhr bis 14 Uhr im Akkord für einen Hungerlohn schuftet, viel mehr leistet als jeder Manager (die würden nämlich nach einer Woche kotzend um Gnade winseln) verstehen sie nicht.

Die Elite oder anders: Alle, die außerordentlich viel erreicht haben, alle Vorstände, alle Superstars der klassischen Musik usw. haben natürlich zweifelsohne Außerdentliches geleistet ... aber: Sie hätten einen Scheiß erreicht, hätten ihre Eltern nicht ihre Ausbildung finanziert und sie schon in jüngsten Jahren gefördert. Das Wunderkind oder den Konzernlenker aus sozial schwierigen Verhältnissen, das mit 18 aus dem Haus gejagt wird, um arbeiten gehen zu müssen, und dem selbst das Gymnasium verboten wurde, dieses Wunderkind möchte ich sehen.

Buchempfehlung: Julia Friedrichs: Gestatten: Elite. Das beste Sachbuch, das ich bisher gelesen habe!

Die Welt der Rockerclubs

Wenn die „echten“ Rocker, die Vollmitglieder, feierten, mussten die Hang Arounds Essen kochen, Getränke ausschenken und die Autos vorfahren. Wer seine Freundin dabei hatte, musste sie als „Ficke“ jedem „Member“ überlassen. Manchmal gab es was auf die Schnauze. Einfach so. Mit 17, 18 habe oft mit Rockern abgehangen*. Der Vater meines damaligen besten Freundes war Vize-Präsi eines Motorcycle Clubs - kurz MC, und wer sich so nennt bzw. das in der Szene beantragt, muss die Regeln der Rockerwelt akzeptieren.

Es war ein kleiner Verein auf dem Dorf. Es waren einfache, ehrliche Männer, manche waren verheiratet. Bürgerliches Leben. Trotzdem war es aufregend.

Ich war in der Zeit bei einigen Rockerfeiern mit dabei gewesen. Besäufnisse und Striptease-Tänzerinnen gefallen einem in dem Alter meist besonders. Und natürlich habe ich auch den Respekt bewundert, den die Kuttenträger bekommen haben. Der Präsident, ein kleiner aber kräftiger Typ mit Vollbart und langen Haaren, hat einmal ein gewaltiges Messer auf einer Feier bei einem befreundeten Club gezogen und damit rumgefuchtelt, nur weil einer seine Freundin angerempelt hatte. Blut floss nicht. Die Jungs hatten auch keine Lust auf große Gewalt. Einer arbeitete sogar beim Bundesgrenzschutz.

Irgendwann gab es jedenfalls Ärger mit einem anderen Club - einem größeren, gewaltbereiteren. Überfälle folgten. Ein paar von den Leuten, mit denen ich abgehangen habe, sollen einmal in einem Auto angegriffen worden sein, während die anderen Rocker mit Baseballschlägern die Scheiben eingeschlagen haben.

Ich erinnere mich auch an eine Situation, die wirklich gefährlich hätte werden können. Es war eine Riesenparty auf einer Wiese neben einem Segelflugplatz. Zelte, Grillbuden, leichtbekleidete Frauen, das ganze Programm. Es war nachts, die Feier war so gut wie gelaufen, da erschienen Motorräder. Dutzende. Alle reihten sich vor uns auf - eine lange breite Front. Dunkle Gestalten, die an ihren Gashähnen drehten. Die Rocker, mit denen ich da war, zogen ihre Metallschlagstöcke. Ich und mein Kumpel sollten im Zelt verschwinden. Wir blieben stehen. Nach ein paar Minuten der Einschüchterung zog die andere Gang ab.

Einige Zeit später löste sich "mein" MC auf. Niemand wollte sich in diese Spirale der Gewalt begeben. Niemand wollte auf ewig in Furcht leben.

* Nicht zu verwechseln mit Hang Around

Warnung vor den Schattenvögeln

Ich sehe gerade, dass die Theater Compagnie Schattenvögel immer noch in der Krone in Darmstadt auftritt. Immer noch mit dem Stück "Vieux Carré". (Bild 1 und 2)

In einem baufälligen Saal sollen die Gäste in "subtropischem Klima von New Orleans" eine "Welt zwischen Bluesbars und Vodoo-Kult" erleben. Vergesst es, es funktioniert nicht. Nicht einmal das Klavier ist echt. Die Laiendarsteller agieren im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten. Der Plot, Tennessee Williams hin oder her, wirkt sehr bemüht und zieht sich wahnsinnig. Und dafür darf man bis zu sechszehn Euro bezahlen und zwei Stunden auf harten Stühlen sitzen. Viel Spaß.

Dienstag, 23. Dezember 2008

Helmut Schmidt zum 90.

Helmut Schmidt, Bundeskanzler a. D. und ein großes demokratisches Vorbild, ist heute 90 Jahre alt geworden. Alles Gute!

Anbei Teil 1 des grandiosen Portraits von Sandra Maischberger und Jan Kerhart über Schmidt. Weitere Teile hier oder als DVD.

Sonntag, 7. Dezember 2008

Zu gut für diesen Job

Ein hervorragender Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von vorigem Wochenende: Überqualifikation: Zu gut für diesen Job

Samstag, 22. November 2008

Jack London stirbt

londonVor genau 92 Jahren, am 22. November 1916, geht der Lebenskampf eines Weltliteraten zu Ende. Jack London stirbt.

Der große Klondike-Abenteurer hat seit längerem ein Nierenleiden. Mit Morphium versucht er seine Schmerzen zu lindern. Es ist unklar, ob er an seinem letzten Abend, bewusst oder unbewusst, eine Überdosis genommen hat.

Seine Frau Charmian und die Bediensteten finden ihn am Morgen mit blau angelaufenem Gesicht. Neben ihm zwei leere Phiolen.

"Sie flößen ihm Kaffee ein, massieren ihn, aber er wacht nicht auf. Sie bringen ihn in Charmians Glasveranda, legen ihn dort auf ihr Bett. Vier Ärzte eilen herbei, versuchen stundenlang, ihn ins Leben zurückzuholen. Einer brüllt: 'Der Damm ist gebrochen!'

Einmal noch krümmen sich Jacks Finger, als wollte er eine Faust bilden, und die Hand schlägt schwach auf die Matratze. 'Der Tod ist süß', hatte Jack einmal zu Charmian gesagt. 'Der Tod ist Ruhe. Denk nur! - für immer zu ruhen! Ich verspreche dir, wann und wo auch immer der Tod mich holen kommt, werde ich ihn mit einem Lächeln begrüßen.'

Auf seinem fahlen Gesicht liegt nun, so wird es seine Frau erzählen, tatsächlich ein Lächeln.

Draußen versinkt die Beauty Ranch in der Nacht. Um 19.45 Uhr hört sein Herz auf zu schlagen. Der unbesiegbare Jack London, den keine Welle, kein Frost, kein Hieb kleinkriegen konnte, er ist tot." *

* Aus dem Buch: Wilde Dichter: Die größten Abenteurer der Weltliteratur

Was Axl Rose braucht

Wenn Illusionen wahr werden, verlieren sie ihren Mythos und ihren Zauber. Genau das ist jetzt passiert: Nach 17 Jahren ist das neue Album von Guns N'Roses erschienen. "Chinese Democracy".

Das Album ist miserabel. Die Stücke klingen bestenfalls beliebig, Axl Rose ist nur noch ein musikalisch verwahrloster Sänger. Selbst von seiner ehemals verrucht-wehklagenden Stimme bleibt nur noch ein stumpfer bisweilen gar weinerlicher Rest.

Klaus Raab schreibt in der taz Guns N'Roses klinge wie ihre eigene Coverband. Zudem hätten sie damals eine andere Zeit besungen. "Jetzt aber, plötzlich, ist die Band wieder da, mit ihrem - das ist das einzig richtige Wort - ganzen alten Scheiß".

Der Scheiß, das ist für Raab der Glaube "an die Männlichkeit, Strapse, Whiskey, Heroin, an Gitarren natürlich, an die eigene Bedeutung, an die Themen Tod, Krieg und Liebe und daran, dass alle drei zusammengehören. Sie glaubten an lange Haare und das Musikvideo. An dieses Bündel von Dingen glaubt heute kein Mensch mehr."

Axl Rose hat ein kleines Leben musikalisch an sich vorbei ziehen lassen. Ungenutzt. Verschenkt. Gewissermaßen ist er wirklich gestoben, so wie es auf dem Grabstein im Musikvideo zu "Don't Cry" steht: W. Axl Rose 1962 - 1990.

Er wollte den ganz großen Wurf. Das große Comeback. Vielleicht wird sich sein neues Album sogar ganz passabel verkaufen lassen. Doch musikalisch hat Rose versagt. Dabei sind die alten Zeiten nicht tot. Sie gehen vorbei, aber sie sterben nicht. Gerade in unser heutigen Zeit gibt es "die" große Musikrichtung nicht mehr. Sie hat sich wie die Jugendkultur aufgelöst. Wer also 80er/90er-Jahre-Musik machen möchte - warum nicht? Siehe das neue Album von Metallica. Aber "Chinese Democracy" hat seine Wurzeln verloren und hat sich auch nicht erneuert.

Was Axl Rose braucht, ist eine Katharsis (und er braucht wieder eine "singende" Lead-Gitarre wie Slash). Es gibt wohl nur einen Menschen auf der Welt, der ihm dabei helfen kann: Rick Rubin.

Vergessen wir also "Chinese Democracy" und hören uns lieber die alten Songs an. "Don't Cry" zum Beispiel.


Universal möchte anscheinend nicht, dass man ihre Videos einbettet, daher die Attrappe zu You-Tube

Sonntag, 9. November 2008

Hessen - die große Depression

Hessen wählt neu und Ypsilanti schmeißt hin. Neuer Spitzenkandidat ist Thorsten Schäfer-Gümbel, Mr. Nobody.

Ich hätte sie wieder gewählt. Ich stehe hinter dem Programm von Ypsilanti. Und ich mag sie als politische Persönlichkeit. Doch wen soll ich jetzt wählen?

Nicht zu wählen ist keine Option. Ich möchte keine Regierung in Hessen an der Macht sehen, wo die SPD nur in der Opposition ist. Ypsilanti wollte Koch, wollte die komplette CDU abwählen. Es war ein großes Risiko, aber sie hat den Kampf (fast) bis zum Ende gefochten. Das muss man ihr anrechnen. Ihre Spitzenkandidatur hätte sie jedoch nicht aufgeben dürfen.

Sie hätte es in hemingwayscher Manier ertragen sollen. Sie hätte erneut aufs Meer hinausfahren sollen, obwohl klar ist, dass ihr der große Fisch von den Haien zerrissen werden wird. Wahre Größe liegt vor allem darin, im eigenen Niedergang noch Würde zu bewahren und weiterzumachen.

Das gilt auch für die Wähler. Wer jetzt statt SPD die CDU wählt, ist ein Windei. Schäfer-Gümbel zieht jede Koalitionsmöglichkeit in Betracht. Das ist gut so. Denn das mindeste, auf das alle, die für den neuen Kurs von Ypsilanti standen und weiterhin stehen, hoffen sollten, ist eine Regierungsbeteiligung der SPD. Notfalls in einer Koalition mit der CDU. Denn nur wer auch bereit ist, Macht zu teilen, ist der Demokratie würdig.

Das ZDF, die Deutschen und das Web

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Die Öffentlich-Rechtlichen lösen regelmäßig bei der privaten Presse Angst aus, wenn es um den Journalismus im Internet geht. Die Staatlichen spielen nicht fair, heißt es. Wegen der Steuergelder, die sie erhalten. Die Privaten fürchten, an den Rand gedrängt zu werden.

In dem neuen Rundfunkänderungsstaatsvertrag gibt es einen Kompromiss: Die Öffentlich-Rechtlichen dürfen soviel Geld ins Internet stecken wie sie wollen, aber nicht für jedes Thema. Fernsehsendungen in der der Mediathek dürfen nur ein paar Tage im Netz stehen - außer sie haben kulturhistorische Bedeutung.

Ein Beispiel für so etwas gibt es nun mit der ZDF-Geschichtsserie "Die Deutschen". In zehn Folgen von König Otto I. bis zu Kaiser Wilhelm II. skizziert der Sender Wurzeln und Entstehung des deutschen Volkes. Claudius Seidl von der FAZ kritisiert zwar, dass dadurch die Bedeutung derjenigen deutschen Gruppen, die sich nicht auf urdeutsche Vorfahren berufen können, verschwiegen wird, das ist aber eine andere Geschichte.

Wirklich eindrucksvoll hingegen ist, wie das ZDF die Serie im Internet präsentiert. Die multimediale Vielfalt überwältigt, die grafische Umsetzung setzt Akzente. Alleine die Navigation ist wegweisend - zumindest im Verhältnis zum gängigen Alltag im deutschen Internet-Journalismus. Der hat nämlich seinen Namen nach wir vor kaum verdient. Auf den großen Nachrichtenseiten im herrscht immer noch der blanke Copy-and-Paste-Wahn von nachrichtlichen Texten. Eine derartige Grundversorgung ist zwar wichtig, allerdings fängt der Journalismus dort erst an und hört dort nicht auf - wie momentan weitgehend üblich.

Wie dem auch sei, das ZDF belegt auf ganzer Stärke, was das Medium Internet leisten kann - vor allem, wenn es nicht um schnelle Klicks und reine Kosten-Ertrags-Rechnungen geht. Dafür verdient der Sender Lob.


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Danke
Vielen Dank für diese Sätze: "Es sollte eine sehr gute...
Johanna (Gast) - 2013-12-05 10:34
Gut analysiert. Nur bei...
Gut analysiert. Nur bei der politischen Ausrichtung...
7an - 2013-10-10 15:08
Kein Interesse
Nur eine kurze Anmerkung. Journalisten denken von ihrem...
Otto Hildebrandt (Gast) - 2013-10-10 14:08

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