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Dienstag, 22. April 2008

Der eigentliche Journalismus

Journalismus, das ist eigentlich vor allem das, was man vor dem unmittelbaren Schreiben macht. Post lesen und beantworten, Kaffee trinken, sich über die Nachbarn wundern, Gewinnspiele ausfüllen, nachdenken, was zum Teufel man aufschreiben soll, neuen Kaffee kochen, überlegen, mit wem man am Abend einen trinken gehen möchte, abwaschen, chatten, telefonieren, die Vögel vor dem Fenster beobachten, in die Luft schauen.

Montag, 7. April 2008

Milano, mein Milano

Copyrights: Amodiovalerio Verde
Foto: Amodiovalerio Verde

Jeder Mensch hat eine bestimmte Vorstellung von einer Stadt. Doch wie lebt es sich wirklich dort? Zum Auftakt einer Serie eine Betrachtung über das Leben in Mailand.

Ein Gastbeitrag von Barbara Cunietti

Endlich bin ich wieder zu Hause. Abgetrennt von dieser entseelten Stadt. Geschützt, umarmt von geliebten Dingen, die mir gehören, weil mir in dieser Stadt nichts gehört, und ich gehöre ihr nicht. Die graustechende Luft schleicht sich in mich ein und ich fühle die Krankheit dieses Ortes.

Ein Ort der Verfremdung, wo die Kultur entfremdet wird, weil nur die Banken, die Firmen und die Mode etwas bedeuten. Das Aussehen beherrscht souverän den Geist der unzähligen Spießbürger - wenn man denn glaubt, dass sie einen Geist besitzen.

Ich frage mich, ob ich mich irgendwann in dieser Stadt eingliedern könnte. Aber ich fürchte diese Eingliederung. Ich will nicht, dass meine Gefühle durch den lockeren Takt und den unendlichen Lärm abgestumpft werden. Schon wundere ich mich, wenn ich rasant auf die Straße gehe und mich ärgere, wenn jemand meinen Schritt verlangsamt. Wohin renne ich? Es gibt keine Eile. In diesen Fällen fühle ich mich von dem Rhythmus des Lebens in Milano angesteckt.

Und der Lärm! Milano schweigt nie, sie schreit, klirrt, hupt, bellt, aber niemals kann man die Stille genießen. Die Stadt kann nicht schweigen, es gibt zu viele Leute hier und sie plaudern und plaudern und plaudern, immer mit dem Handy am Ohr, auch so früh am Vormittag. Dann möchte ich verschwinden und auf einen Berg fliehen - oder diese Leute erschlagen.

Dieser Wirrwarr widert mich an und plötzlich verstehe ich, wohin ich laufe. Ich will so bald wie möglich meinen Ort der Linderung erreichen: Meine geliebte Universität. Dort finde ich Menschen - nicht leere Behälter. Menschen, die notwendig für mich sind. Weil es ohne Freunde unmöglich ist, Milano zu überleben.

Daran denkend betrachte ich die Dämmerung aus dem Fenster. Ein Schachbrett von Dächern und vergilbte Autos, die ordentlich in Reihen wie Soldaten geparkt sind und nur darauf warten, am nächsten Tag in die Staus zu rutschen.

Die barmherzige Nacht wickelt die Stadt ein, Ruhe schenkend. Der geschändete Himmel nimmt Abschied von seinen Henkern. Bis zum nächsten Tag. Ein verzaubertes Tuch verwandelt die Stadt, die mit der Nacht bekleidet, ihr schöneres Antlitz für eine ungenügende Handvoll an Stunden offenbart.


Barbara Cunietti studiert Germanistik in Mailand.

Donnerstag, 3. April 2008

Eine neue Geschichte

Meine dritte Kurzgeschichte, eigenlich die sechste, aber die ersten drei zählen nicht, also meine dritte Kurzgeschichte ist fertig. Sie ist schön geworden. Ich werde sie eine Woche liegen lassen, dann noch einmal überarbeiten und dann könnt ihr sie hier lesen. Sechseinhalb Seiten. Eine halbe Flasche Wein dazu kann nicht schaden. Eine gute Nacht!

Mittwoch, 2. April 2008

Die Zeit vor dem Schreiben

Ich schreibe von neun bis eins, das heißt, ich ziehe es in die Länge, bis ich mich hasse und mich umbringen möchte. Dann gehe ich ins Kino."

- David Sedaris.


Das Zitat fand ich in "Wasserwelt" von Paulina Schulz. Ein Buch mit 32 erotischen Short-Stories über Sex, Schweigen, Wasser, Whisky und Free Jazz. Bei mir ist es allerdings anders mit dem Schreiben, ich vertrödele den ganzen Tag, mache so dies und das und irgendwann, wenn ich eigentlich ins Bett gehen müsste, weil ich am nächsten Morgen um 5:40 austehen muss, dann setze ich mich an den Schreibtisch, trinke noch einen Kaffee, weil mir das beim Einschlafen so gut hilft und fange an.

Ich weiß nicht warum, aber zu keinem Zeitpunkt des Tages schreibt es sich leichter als nachts, vor allem, wenn man am nächsten Morgen sehr früh raus muss, vielleicht auch weil, die Worte über den Tag erst noch an Gewicht gewinnen müssen und morgens schlicht zu leicht und unbedeutend sind, vielleicht aber auch einfach nur, weil ich den Zeitdruck brauche, weil ich Zeitdruck mit Spannung und Adrenalin verwechsele, vielleicht ist das überhaupt der Grund, warum ich immer alles spät mache, weil das Zu-Spät-Sein, immer Adrenalin und Spannung mit sich bringt, Spannung für Arme, wenn man sonst nichts hat im Leben.

Montag, 31. März 2008

Alte Sätze, neue Nächte

Eben habe ich die ersten drei Kurzgeschichten wiederentdeckt, die ich geschrieben habe. Ende 2002 war das. Vor rund fünfeinhalb Jahren - für einen Wettbewerb bei der Dark Society - eine Seite, die mittlerweile leider ganz vom Netz ist (hier die Startseite im Internet Archive).

Ich werde mir die Geschichten morgen mal ausdrucken und durchlesen. Es wird furchtbar werden, aber ich bin gespannt. Drei Geschichten à zehn Seiten. Beachtlicher Umfang. Es ist eh erstaunlich, wie angriffslustig man in die Tasten haut, wenn man keine Schreiberfahrung hat. Und jetzt sitze ich schon seit über einer Woche, oder sind es schon über zwei? - an meiner neuen Geschichte. Vier Seiten habe ich geschrieben. Eine oder zwei werden es noch.

Wieso möchte man als Anfänger immer gleich einen Roman schreiben. Man kommt eh nur ein paar Seiten weit und hört dann auf. Als Anfänger und selbst als Fortgeschrittener Schreiber sollte man seine Geschichten so kurz wie möglich anlegen. Und wenn es nur zwei Seiten sind. Das ist genug Arbeit. An den vier Seiten sitze ich jetzt auch schon sicherlich vier Arbeitstage netto. Morgen schaffe ich hoffentlich den Schluss. Dann die Geschichte eine Woche liegen lassen und überarbeiten. Wer mag, kann sie dann hier lesen. Den Titel verrate ich schon: "Die Nacht in mir".

Sonntag, 30. März 2008

Heute mal Spießer

Jetzt sitzen diese beiden Kinder direkt vor meinem Balkon im Auto. Man darf da überhaupt nicht stehen. Das ist nur ein größerer Fußweg. Ein Wendekreis zum Ausladen von Einkäufen. Aber das ist nicht der Punkt. Da ist dieses Pärchen. Ich höre nur das Mädchengegacker, das durch das offene Schiebdach dringt.

Er bringt sie nach Hause in seinem dicken BMW. Und dann steht er eine Stunde vor meinem Balkon, so dass ich mich nicht draußen hinsetzen kann, weil es mich nervt, wenn mich Leute anschauen können, während ich da sitze. Ich kann mich nicht einmal drinnen konzentrieren.

Der Bereich vor meinem Balkon ist quasi mein erweiterter persönlicher Raum. Alles, was dort passiert, bekomme ich mit - selbst wenn Tür und Fenster geschlossen sind, hört man alles, weil das Glas so dünn ist. Wenn sich Omas sonntagmorgens ne halbe Stunde unterhalten, wache ich auf. Es reicht aber auch, wie jetzt eben, wenn einfach nur jemand in seinem Auto sitzt.

Und weil das nicht reicht, hat eben mein Drucker gezickt. Er zickt immer noch. Sagt nach drei Seiten: "Papierstau", obwohl da überhaupt kein Stau ist. Danach zieht er 500 Blätter durch. Entweder nur so oder er druckt ne kryprische Zeile auf jeden Bogen. Eben war ich kurz davor, das Scheißding vom Balkon auf die Scheiß-Straße zu schmeißen - beziehungsweise in den Scheiß-BMW. Zwei Probleme weniger. Zumindest für einen winzig kleinen Augenblick.

Update: Und so hätte es in der Zeitung gestanden: siehe Kommentare.

Die Ruhe des Sommers



Räume haben im Sommer eine andere Seele als zu anderen Jahreszeiten. Und Sommer muss hier als der gefühlte Sommer verstanden werden.

Sommer, das ist für mich, wenn daheim im Haus meiner Eltern mein Zimmerfenster so weit offen steht, dass der Apfelbaum schon halb im Raum liegt. Sommer ist, wenn man nichts anderes zu tun hat, als die Ruhe zu beobachten. Die Ruhe, die auf den Straßen und auf den Wiesen liegt. Die Ruhe, mit der die Vögel im Baum sitzen und die Ruhe, mit der der Wind durch die Viertel schlendert.

Die Sommerruhe ist fern jeder Zeit. Wir haben sie schon als Kinder bestaunt, wenn die Tage lang und unentdeckt vor uns lagen - damals, als unsere Zeit noch so groß war, dass uns drei Wochen, wie ein halbes Leben vorkamen.

Auch mein jetziges Zimmer ist ein gutes Sommerzimmer. Seit heute ist Sommerzeit. Das Thermometer ist auf über 20 Grad geklettert und die Zapfen auf der großen, hellen Tanne vor meinem Balkon knacken den ganzen Tag die Winterkälte aus ihrem Holz.

Es fängt an. Das Licht wird milder und der Wind sanfter. Mir scheint, dieses Jahr, wird das Gehenlassen und das Treibenlassen, die Ruhe und die Gelassenheit besonders groß sein. Ich jedenfalls wünsche euch einen schönen Sommer!

Mittwoch, 26. März 2008

Die Rückkehr des Gandalf



Wie der Guardian berichtet, sind zwei Filme zu Tolkiens "Der Hobbit" geplant. Sir Ian McKellen wird aller Voraussicht nach wieder den Gandalf spielen. Er sagt zumindest, er freue sich, dass sich Peter Jackson und Fran Walsh den Film nicht ohne ihn vorstellen können. Offiziell ist es noch nicht, aber McKellen hält sich "seinen Terminkalender für 2009 frei".

Sonntag, 23. März 2008

Die Funktion der Kritik am Beispiel des Films "Die Welle"

Update: Neue Kommentare und Filmempfehlungen

Und mal wieder habe ich bemerkt, wie wichtig eine gute Kritik ist und wie diese aussehen kann. Es geht um "Die Welle", den neuen Film mit Jürgen Vogel. Er, der Lehrer, möchte vor Faschismus warnen und ruft dafür eine gleichgeschaltete Bewegung ins Leben, die wirklich faschistische Züge bekommt. Alles läuft aus dem Ruder.

Zuerst habe ich bei Spiegel Online von dem Film gehört. Dort gab es ein Inteview mit Vogel und einer anderen Hauptdarstellerin. Zuerst sah ich mir den eingebundenen Trailer an - und war hochbegeistert. Das Interview las ich danach. Und war noch mehr begeistert.

Und jetzt muss ich stopp rufen. Oder hätte es rufen müssen. Trailer und Interviews mit Akteuren taugen wenig bis gar nicht, um etwas einzuordnen und zu reflektieren. Ich hatte sogar spontan überlegt, den Film groß in meinem Blog zu bewerben, habe es aber aus einem Gefühl heraus doch unterlassen.

Jetzt habe ich eben in der Süddeutschen Zeitung, die Kritik zum Film von Tobias Kniebe gelesen (ich muss wirklich sagen, einer, wenn nicht der beste deutsche Filmkritiker, den ich kenne - seine Texte haben mich schon oft umgehauen).

Kniebe zeigt mit seinem Text genau, welche Funktion ein Kritiker haben muss: Er soll nicht über den Film labern, er soll ihn einordnen, ihn reflektieren und bewerten. Das soll nicht heißen, dass er sagen soll, ob der Film gut oder schlecht ist. Das ist ja der Grund, weshalb sich laut einer Studie von Media Perspektiven (siehe: Filmkritiker und Publikum) Kinogänger verunsichert fühlen und Kritiken selten mögen: Sie wollen nicht gesagt bekommen, wie sie den Film finden sollen, daher reichen ihnen Filmbeschreibungen und Trailer.

Doch genau da hakt es. Kritiken sollen helfen, ein Verständnis über ein Werk zu geben, sie sollen kein gut oder schlecht vorgeben - auch wenn der Grad oft ziemlich schmal ist.

Kniebe jedenfalls schreibt in seiner Kritik:

[Der Film sagt:] Es kommt gar nicht darauf an, wofür man sich zusammenschließt (im Film steht die "Welle" zunächst für gar nichts), allein das Gefühl der Gemeinsamkeit ist schon gefährlich und muss die schlimmsten Kräfte entfesseln. Wer aber ausgerechnet damit vor dem Faschismus warnen will, dass er ihn aller Inhalte beraubt; wer die Gefahr ganz unhistorisch und undifferenziert in Nirgendwo verortet; und wer dann auch noch vorgibt, rettende Wachsamkeit zu verbreiten - der ist doch eher ein Teil des Problems als ein Teil der Lösung.
Spiegel Online hat derweil einen Tag später auch noch eine Kritik nachgelegt. Und auch, wenn diese den Film nicht unkritisch behandelt, so zeigt sich doch die Diskrepanz zu Kniebes Kritik, wenn man folgende Spiegel-Zeilen liest:

Der Film über eine Schulklasse, die sich freudestrahlend in Faschisten verwandelt, ist Aufklärung im schnell geschnittenen MTV-Gewand - ohne dabei peinlich zu sein.
(Die Kritik an der Marktwirtschaft am Ende des Textes scheint mir obendrein am Thema des Films vorbeigeschrieben zu sein.)

Dieses Phänomen habe ich schon öfters beobachtet. Spiegel Online (und sogar auch nicht zu selten der gedruckte Spiegel) präsentieren sehr schnell (SpOn) sehr gekonnt appetitliche Inhalte, kratzen aber oft nur an der Oberflächte. Die journalistische Funktion des Informierens wird damit gewährleistet, das des Erklärens und Einordnens nicht.

Ursprünglich veröffentlicht am 12. März 2008

Samstag, 22. März 2008

Update

Und noch einer.

Freitag, 21. März 2008

Update

Neuer persönlicher Eintrag


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Vielen Dank für diese Sätze: "Es sollte eine sehr gute...
Johanna (Gast) - 2013-12-05 10:34
Gut analysiert. Nur bei...
Gut analysiert. Nur bei der politischen Ausrichtung...
7an - 2013-10-10 15:08
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Nur eine kurze Anmerkung. Journalisten denken von ihrem...
Otto Hildebrandt (Gast) - 2013-10-10 14:08

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