Der ehemalige Guardian-Redakteur Tim Radford hat 25 Gebote, ja sie heißen wirklich so, über das journalistische Schreiben formuliert. Leider sind es nur Selbstverständlichkeiten, die ein bisschen besserwisserisch rüberkommen. Wollte das gerade als Kommentar schreiben, aber die Kommentarfunktion ist geschlossen. Passt nicht so richtig zu solch einem Text. Naja, dann zitiere ich noch mal Radford: "And here is another thing to remember every time you sit down at the keyboard: a little sign that says 'Nobody has to read this crap.'"
Die Billigmodekette kik kennt fast jeder, wenige jedoch die Menschen, welche die unfassbar günstige Kleidung nähen. Frauen in Bangladesh, die unter gefängnisähnlichen Bedingungen arbeiten und so wenig verdienen, dass sie nicht einmal einen Arzt für todkranke Verwandte bezahlen können.
Doch auch die deutschen Verkäuferinnen arbeiten, nach deutschen Maßstäben, zu unwürdigen Bedingungen. Da wird schon einmal sechs Winter lang die Heizung nicht repariert oder eine ganze Belegschaft gefeuert, weil sie eine Gewerkschaft gründen will.
Wie rechts oben in der Seitenleiste zu sehen ist, habe ich nun auch eine berufliche Facebook-Seite erstellt. Sie ist allerdings kein Abbild dieses Blogs, sondern eine eigenständige Seite. Oft blogge ich nicht über etwas, weil ich nicht die Zeit für einen Blogeintrag habe, der, so finde ich, immer fundiert und ausformuliert sein muss. Die Facebook-Seite ermöglicht es mir nun, auch mal schnell etwas mitzuteilen - ohne jedoch die Zeichenbeschränkung von Twitter. Und wer schaut schon (ständig) auf Twitter? Das Gleiche gilt auch für Blogs, wie ich finde. Deshalb die Seite, auf der ich obendrein meine journalistische Arbeit dokumentieren möchte.
Wie ich soeben erfahren habe, hat mein damaliger Kommilitone und Kumpel Fabian Schweyher ebenfalls kürzlich eine berufliche Facebook-Seite errichtet. Wer sich für Multimedia-Journalismus interessiert, dem sei die Seite sehr empfohlen.
AFP meldet: Larbi Nasra, der Eigentümer eines der größten privaten Fernsehsender in Tunesien, sei festgenommen worden. Über diesen solle er versucht haben, die Rückkehr des geflohenen Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali zu ermöglichen. Der Sender sei abgeschaltet worden.
Soviel zur neuen Pressefreiheit in Tunesien. Auch wenn ich die Lage nur schwer beurteilen kann, so scheint es doch, als wenn die Revolution aufpassen müsste, nicht selber zur Diktatur zu werden.
Heute Abend um 21.45 Uhr läuft auf ARD eine halbstündige Doku darüber, wie Carsten Maschmeyer als Gründer des Finanzdienstleisters AWD sein Vermögen mit dem Betrug von Kleinanlegern gemacht haben soll. Maschmeyers Anwalt hat über Monate hinweg versucht, den Beitrag zu verhindern.
ARD: Programmbeschreibung: Er kennt sie alle - die Großen und Mächtigen in diesem Land. Bundespräsident Christian Wulff macht Urlaub in seiner Villa auf Mallorca, Altbundeskanzler Gerhard Schröder nennt ihn einen "Freund" und Familienministerin Köhler lässt sich von seinem Unternehmen beraten: Dass ausgerechnet der Gründer des umstrittenen Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer, ein enger Freund der Spitzen unserer Gesellschaft ist, macht seine Opfer fassungslos.
Der AWD hatte vielen Kleinanlegern, die ihren Lebensabend finanziell absichern wollten, so genannte Schrottimmobilien und Geschlossene Fonds verkauft, die längst nicht das brachten, was versprochen worden war. So klagen ungezählte Anleger über den Verlust ihrer gesamten Ersparnisse. Der Reporter Christoph Lütgert von der Redaktion Panorama hat die AWD-Opfer besucht.
Lütgert versuchte herauszufinden, warum ein Mensch wie Carsten Maschmeyer eine solch hohe Anziehungskraft auf Politiker ausübt, die sogenannte "Hannover-Clique" ist bereits zum feststehenden Begriff geworden. Mehrere Politiker bzw. Ex-Politiker äußern sich zu ihrem Verhältnis zu Maschmeyer - nur der AWD-Gründer selber weigert sich monatelang, ein Interview zu geben. Dann begegnet Panorama-Reporter Lütgert dem AWD-Gründer Carsten Maschmeyer in Frankfurt auf einer Finanzmesse.
Ein Film der Panorama-Redaktion über Freund- bzw. Seilschaften - und mögliche Interessenskonflikte von Kristopher Sell, Johannes Edelhoff und Sabine Puls.
Wieso läuft dieser Amoklauf in den USA mit sechs Toten eigentlich so prominent? Weil er in den USA passierte? Weil der Täter einer Kongressabgeordneten in den Kopf schoss? Spiegel Online zeigt übergroß die Fratze des Täters. Wie ein Denkmal. Ruhm und Ehre für den Täter. Negativ aber umfassend. Auch andere Onlineseiten fahren das Thema groß. Gab es nicht mal die Kritik, dass mediale "Huldigung" von Tätern potentielle neue Täter anregt? Vor allem wenn sie so gewaltig ausfällt. Bringt es überhaupt noch etwas über die Motive von Amokläufern in den Medien nachzudenken? Es würde reichen, nur der Opfer zu gedenken und die Täter mit ein paar Sätzen abzuhandeln.
Nicht nur Weihnachten kommt immer völlig überraschend. Wer findet den Fehler auf der Titelseite der Weihnachtsausgabe der Eßlinger Zeitung? Ich jedenfalls wünsche meinen Leser ganz klassisch ein fröhliches Weihnachten und einen guten Rutsch!
"Erst nachdem das Licht ausging, ein einzelner Spot auf Larry Kings Mikrofon verweilte, sah man den Moderator im Schatten die Hand über die Augen legen." Eine Ära ist zu Ende. Larry King ist weg. [mehr auf FR-online.de ...]
Auf der Seite des Reporterforums oder direkt auf Vimeo gibt es eine wirklich schöne Audioslideshow über den Deutschen Reporterpreis 2010. Einbinden lässt sie sich hier leider nicht, weil twoday immer noch kein iframe unterstützt.
Die SZ überrascht erneut mit einem Reise-Aufmacher. Großes Foto über die ganze obere Seitenhälfte, ein Taxi in der New Yorker Nacht. Kann man sich als Poster aufhängen. Titel: "Freunde der Nacht - Acht Städte im Taxi: Wer einen fremden Ort erleben will, muss nur einsteigen. Und einen guten Fahrer haben." Es folgen kurze Texte aus Shanghai, Kalkutta, Hamburg, Bratislava, Cairns, Caracas, Jinka, Damaskus. Schöne Idee.
Eigentlich erwarte ich im Reise-Teil einer Zeitung keine guten Texte. Kein Wunder, wo doch kaum noch eine Tageszeitung eine eigene Reise-Redaktion hat. Alles outgesourct oder zumindest kaputtgespart. Insofern bin ich immer wieder überrascht, doch Mal einen richtig schönen Text in der Reise, oder eben auch im Auto-Ressort, zu lesen. Auch als Journalist bekomme ich in solchen Momenten durchaus Lust, doch mal einen Text für ein Reise-Ressort zu schreiben.
Nach dem Unfall von Samuel Koch bei "Wetten, dass ...?" wird viel über die Zukunft der Sendung geredet. Immer hört man aber, es müsse erst alles geprüft und untersucht werden, bevor man irgendwas entscheiden könne. Das erinnert mich an die Loveparade. Bei vielen Unfällen sagen die Verantwortlichen erstmal, man müsse alles prüfen. Damit ersparen sie sich ein Schuldeingeständnis beziehungsweise ein Abstreiten aller Schuld.
Auch Thomas Gottschalk sowie der ZDF-Intendant Markus Schächter und der ZDF-Programmchef Thomas Bellut sagen, es müsste erst mal alles geprüft werden.
Muss es das? Führen wir uns den Stunt noch mal vor Augen. Ein junger Student mit Nebenberuf Stuntman läuft mit Sprungfedern auf ein auf ein ihn zufahrendes Auto zu. Mit einem Vorwärtssalto will er über das Auto springen. Bei manchen, aber nicht allen "Wetten, dass ...?"-Wetten gibt es Risiken. Bei einem Stunt immer. Samuels Kochs Wette zeichnet sich dadurch aus, dass das Risiko seiner Wette zugleich die eigentliche Herausforderung ist. Koch musste es schaffen über die immer größer werdenden Autos zu springen, ohne beim Salto mit dem Hinterkopf von dem Auto erfasst zu werden. Der Unfall war also nicht nur ein Unfall, sondern das einzuplanende Scheitern. Samuel Koch musste seinen Unfall einkalkulieren. Um das zu Verstehen, muss man kein Stuntman sein.
Thomas Gottschalk sagt nun gegenüber dem Spiegel: "Wenn ich gedanklich alle 'Wetten, dass..?'-Sendungen durchgehe, die ich in 23 Jahren moderiert habe, bestand womöglich in mehr Fällen Lebensgefahr, als es mir aus heutiger Sicht lieb sein kann." Soviel zu seiner Selbstkritik. Dann sagt Gottschalk: "Jedes Ski- oder Formel-1-Rennen halte ich für tausendmal gefährlicher als das, was bislang bei uns zu sehen war. Für mich ist jeder Snowboard-Sprung ein potentieller Suizidversuch."
Das sagt viel über Gottschalk aus. Jeder Snowboard-Sprung ein potentieller Suizidversuch? Das ist wirklich lächerlich. Und der Formel-1-Vergleich? Vor Jahrzehnten war die Formel-1 außer Frage lebensgefährlich. Jede Fahrt. Heute prallen die Autos mit 200 Stundenkilometern in einen Reifenstapel, doch die Fahrer steigen unverletzt aus ihren Monocoque-Cockpits.
Gottschalks Vergleich soll die Wette von Samuel Koch und Wetten, die ähnlich gefährlich sind, entschuldigen, ja legitimieren. Thomas Gottschalk ist also entweder egal, wenn Menschen ihre Gesundheit in seiner Show ernsthaft riskieren oder er nimmt es zugunsten der Show in Kauf. Wenn die anderen Verantwortlichen beim ZDF auch so denken, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis Gottschalk wieder fragen wird: "Weh getan?"