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Montag, 8. November 2010

Russland verteidigt Ruf als Unterdrücker der Pressefreiheit nur mäßig

Es war zu lange ruhig in Russland. Immerhin haben sie dort ihren Ruf als engagierte Unterdrücker der Pressefreiheit zu verteidigen. Zuletzt wurde gar in Griechenland ein Journalist ermordet. Russland musste also mal wieder etwas tun. Aber man blieb bescheiden. Es wurde kein Journalist ermordet, einem kritischen Politikredakteur von Kommersant wurden nur beide Beine, mehrere Finger und der Kiefer gebrochen. Wird Russland demokratisch?

Samstag, 6. November 2010

Schwäbische Zeitung gibt nach

Der Geschäftsführer des Schwäbischen Verlags, Kurt Sabathil, hat Ulrich Mäule wieder als Regionalchef für Ulm-Biberach eingesetzt.

Die Schwäbische Zeitung hatte Mäule freigestellt, weil dieser einen kritischen Artikel veröffentlicht hatte, in dem es darum geht, wie ein Bürgermeister einen bestätigten Fall von Kindesmissbrauchs medial vertuschen wollte. Nicht das erste Mal, dass die Schwäbische Zeitung, kritischen Journalismus bestrafte, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Der Deutsche Journalisten-Verband forderte die sofortige Aufklärung der Geschehnisse.

Nach der Rehabilitierung Mäules will die "Schwäbische Zeitung" nun ihre ethischen Leitlinien für die Berichterstattung überarbeiten, um in Zukunft für vergleichbare Fälle besser gerüstet zu sein.

Wie die RTL-Geschäftsführerin mit Rotwein und Journalisten nette Fernsehabende verbringt

RTL hat offenbar eine erfolgreiche PR-Abteilung. Sie wissen oder glauben dort, dass Journalisten gerne etwas Außergewöhnliches machen. Deshalb bieten sie Pressetermine an, bei denen Journalisten mit der RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt in einem Hotel gemeinsam Fernsehen schauen können. Klingt ja irgendwie originell.

Wenn nun allerdings die Süddeutsche Zeitung heute ohne jeglichen Aufhänger oder Grund über so einen Fernsehabend berichtet, nachdem vor knapp zwei Jahren Die Zeit exakt das Gleiche gemacht hat, dann ist das schon verwunderlich. Sowohl Lars Albaum (SZ) als auch Anna Marohn (Zeit) fanden den Termin aber anscheinend nett. Vielleicht wegen des Alkohols. Am Ende des Zeit-Textes: "Der Wein ist fast ausgetrunken." SZ: "Die Weinflasche ist leer." (27.10.10)

Nachtrag vom 6. November 2010: Anna Marohn sagt dazu: "Die RTL-PR-Abteilung hat das damals nicht angeboten, die Idee mit dem Fernsehabend kam allein von uns."

Freitag, 5. November 2010

Am Ende der Subway

Gestern ist schon wieder ein sehr schöner Reise-Artikel in der SZ erschienen: "Übers Ziel hinaus". Ein Reise zu fünf U-Bahn-Endstationen in New York. Klingt banal, ist aber zauberhaft geschrieben. Das liest sich zum Beispiel so:

Mit der SIR bis Tottenville, Staten Island

Dass man hier verdammt weit weg ist von jenem New York, das man gut zu kennen glaubt - das merkt man spätestens beim Verlassen der Station in Tottenville: Es gibt kein Drehkreuz. In den 468 anderen Subway-Stationen müssen Passagiere ihre Fahrkarte durch einen Schlitz ziehen, bevor sie gehen dürfen; hier fehlt das. Es fehlt sogar die Tür. Was damit zu tun hat, dass auch die Passagiere fehlen: Im Zug eben war niemand mehr. Außer dem Schaffner. Der geht jetzt hinüber zum Meer, einen Beutel trockener Brotreste hat er dabei, damit füttert er die Möwen ...

Mittwoch, 3. November 2010

Gericht stärkt Urheberrecht von Reporter

Der langjährige freie GEO-Reporter Christian Jungblut hat GEO verklagt, weil das Blatt einen Text von ihm so stark veränderte, dass Jungblut seinen Text nicht wiedererkannte und ihn nicht mehr veröffentlicht sehen wollte. GEO veröffentlichte den Text dennoch - ohne Namen des Autors.

Das Landgericht Hamburg entschied jetzt: Der Konzern Gruner + Jahr, zu dem GEO gehört, darf den entsprechenden Artikel „Plan B” aus Heft 12/2009 nicht weiter verbreiten. Der Verlag habe sein Bearbeitungsrecht überschritten. Ohne Zustimmung des Autoren hätte GEO diese Bearbeitung nicht veröffentlichen dürfen.

Der Fall wird im Blog vom Medienjournalisten Stefan Niggemeier debattiert - inklusive Stellungnahmen des GEO-Chefredakteurs Peter-Matthias Gaede.

Moderator adé

Ein Vergewaltigungsvorwurf hat schon so manche öffentliche Karriere vernichtet. Auch die von Jörg Kachelmann. Gegenüber bild.de sagt er: "Ich werde nach all dem keine Wettersendungen mehr moderieren können. Nachdem Staatsanwaltschaft und Medien mein angebliches Privatleben gewaltsam öffentlich gemacht haben, wärs mit dem Blumenkohlwolken-Onkel wohl schwierig." Künftig wolle er nur noch als Redakteur bei seiner Firma Meteomedia AG arbeiten.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Dilma wer?

Wahnsinn. Da wird in Brasilien zum ersten mal eine Frau zur Präsidentin gewählt und was passiert auf vielen deutschen Online-Nachrichten-Seiten an diesem Sonntag kurz vor Mitternacht? Gar nichts! heute.de, tagesschau.de, stern.de, focus.de, faz.net, taz.de, ftd.de, zeit.de: nichts. Immerhin spiegel.de, sueddeutsche.de und handelsblatt.de haben die Meldung, als Aufmacher natürlich. fr-online.de hat die Meldung auch, bin ja noch im Dienst.

Freitag, 29. Oktober 2010

Di Lorenzo erklärt die Zeit per Video

Bereits seit Februar bietet die ZEIT einen besonderen Service für Abonnenten. Die Themen der kommenden Ausgabe werden nicht nur per Newsletter angekündigt, sondern auch auf zeit.de von Chefredakteur Giovanni di Lorenzo in einem Video persönlich. Man fühlt sich sofort in eine Redaktionskonferenz versetzt, wo die Themen vorgestellt werden. Wirklich eine schöne Idee.

Die Videos können von jedem online gesehen werden, sind aber eigentlich nicht zu finden, wenn man die URL nicht kennt. Dabei ist diese Vorstellung der neuen Ausgabe gerade für Nicht-Abonnenten besonders interessant.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Gericht verurteilt Bild-Redakteur

Ottfried Fischer wurde von einem Redakteur der Bild-Zeitung zu einem peinlichen Interview erpresst. Das Amtsgericht München verklagte nun den Journalisten wegen Nötigung und "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen" zu 14.400 Euro Geldstrafe (180 Tagessätze à 80 Euro). Der Journalist wäre damit vorbestraft, geht aber in Berufung.

Der Axel-Springer-Verlag sieht nun gleich die Pressefreiheit in Gefahr. Das Münchener Urteil sei falsch und setze jede journalistische Recherche der Gefahr aus, kriminalisiert zu werden, sagt der Verlag.

Auf das, was die Bild-Zeitung und andere Boulevard-Blätter Pressefreiheit nennen, kann die Menschheit aber gut verzichten. Die Pressefreiheit ist kein Spaßgesetz, sich auf sie zu berufen, setzt journalistische und moralische Integrität voraus. Wenn also Verlage wie Springer nach Pressefreiheit rufen, nachdem ihre Mitarbeiter dafür verurteilt worden sind, dass sie die Würde von Menschen mit Füßen treten, dann schaden diese Verlage damit der Pressefreiheit, nach der sie rufen. Anstatt sich so intensiv mit der Pressefreiheit zu beschäftigen, sollten Bild-Redakteure und andere Boulevard-Journalisten lieber gründlicher den Pressekodex lesen.

Freitag, 22. Oktober 2010

Bertelsmann vor Rekordjahr

Berlin (dpa). Der Vorstandschef des Medienkonzerns Bertelsmann, Hartmut Ostrowski, sieht eine glänzende Zukunft der Branche. "Die Medienunternehmen sind so gut durch die Krise gekommen wie kaum eine andere Branche", sagte Ostrowski am Donnerstagabend beim 28. Mediengipfel in Berlin. Er sei selten so optimistisch gewesen wie jetzt. Bertelsmann stehe vor einem Rekordjahr. "Wir sind guter Hoffnung, dass es klappen wird."
Na, dann können doch gleich wieder die entlassenen Redakteure bei der Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr eingestellt werden.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Verkaufsplattform für Artikel

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Eine nette Plattform über die man (zumindest) zeitlose Texte verkaufen kann, die man in der Schublade liegen hat.

Montag, 11. Oktober 2010

Reporter - eine Art Beruf

lindlau Vor vier Jahren stand ich am Hauptbahnhof Frankfurt und wusste nicht so recht, wie es mir ging. Ich hatte gerade mein erstes Bewerbungsgespräch für einen PR-Job hinter mich gebracht, genauer gesagt einen Werkstudentenjob. Es war ein schöner Herbsttag, recht warm, sehr sonnig, es war gut gelaufen in der Agentur, einem ansehnlichen Unternehmen mit 3300 Angestellten in 53 Büros überall auf der Welt, es hätte der Beginn einer Karriere in der Public Relations sein können. Doch ich hatte Zweifel.

Ich brauchte aber auch einen Nebenjob. Im Sommer hatte ich einen Werkstudentenjob im Online-Marketing nach ein paar Wochen für eine Hospitanz in der Redaktion von sueddeutsche.de abgebrochen. Ich brauchte Geld, aber alle Redaktionen, die mir in den Sinn kamen, brauchten niemanden. Und als freier Lokalreporter konnte ich nur ein Butterbrot verdienen.

Ein paar Jahre früher hatte ich noch große Aversionen gegen Marketing, PR und den ganzen Kram gehabt, gegen Boulevard-Journalismus sowieso, aber nach einer Hospitanz bei Zeit online war ich toleranter und weniger radikal geworden, habe die Welt weniger schwarz-weiß gesehen. Trotz allem wollte ich Journalist werden. Die glattgebügelte Businesswelt lag mir nicht. Aber hier ging es nur um einen kleinen Nebenjob, vorübergehend, und er war gut bezahlt.

Ich ging in eine Bahnhofsbuchhandlung und da sah ich ihn, zum ersten Mal: Dagobert Lindlau, eine deutsche Reporterlegende. Er stand da auf seinem Buchcover und hatte so etwas Authentisches, so etwas Ehrliches, Prinzipientreues, er hatte Haltung. "Reporter - eine Art Beruf" stand auf dem Cover. Ich kaufte das Buch. Fünf Tage später zog ich meine Bewerbung für den Job zurück.

Alles Gute zum 80. Geburtstag, Dagobert Lindlau!

Leben im Auto-Ressort

Das Auto-Ressort ist genau wie auch das Reise-Ressort bei den meisten Zeitungen längst outgesourct worden. Wirklich lesen kann man die sehr günstig eingekauften Texte meist nicht mehr. Sie sind einfach zu belanglos. Selbst die Testberichte sind keine wirklichen Testberichte mehr, sondern eher Werbetexte.

Dass das alles nicht sein muss, dass man ein tolles Auto-Ressort mit guten Artikeln machen kann, zeigt heute mal wieder die Süddeutsche Zeitung mit einem Aufmacher im "Mobilen Leben" von SZ-Volontär Johannes Boie, der gerade als Arthur F. Burns-Stipendiat Gastjournalist bei der Los Angeles Times ist (wo er unter anderem eine interessante Recherche über Gangs macht) und ein tolles Portrait über einen, wenn nicht den erfolgreichsten Custom-Bike-Schöpfer der USA geschrieben hat. Leider nur im Print und im kostenpflichtigen Archiv zu lesen.


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Danke
Vielen Dank für diese Sätze: "Es sollte eine sehr gute...
Johanna (Gast) - 2013-12-05 10:34
Gut analysiert. Nur bei...
Gut analysiert. Nur bei der politischen Ausrichtung...
7an - 2013-10-10 15:08
Kein Interesse
Nur eine kurze Anmerkung. Journalisten denken von ihrem...
Otto Hildebrandt (Gast) - 2013-10-10 14:08

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