Jeder vierte Bankberater hat Schlafprobleme. Fast jede vierte Banker-Führungskraft gibt an, Gesundheitsrisiken in Kauf zu nehmen, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Ziele, die jeder zweite Banker für unrealistisch hält. Ziele, die oftmals Betrug am Kunden sind.
Die Süddeutsche Zeitung hat heute auf ihrer Seite 3 noch einmal dargestellt, wie es in der Bank-Branche zugeht. Leider (oder zum Glück) ist die Seite 3 nie online, sondern immer Print-Exklusiv.
Die SZ zitiert die weitergereichte Mail eines Chefs von einer Großbank:
"Schon wieder fangen einige von Ihnen an, den Geldmarktfond [7an: Fonds sollte es heißen] wie geschnitten Brot zu verkaufen.
1. Der bringt Ihnen nichts im Ertrag.
2. Der bringt nicht mehr die Rendite.
3. Dieser fond ist nicht im Gespräch vorgesehen.
4. Wir haben das trainiert!"
Ein weiteres Zitat dieses Bankers:
"Die Terminquote für die nächste Woche lässt noch nichts Gutes ahnen!!!! Denken sie daran, morgen ist Feiertag, dieser Tag fehlt Ihnen zum einen in der Produktion, zum anderen in der Termingenerierung für die nächste Woche. Entsprechend müssen sie heute vor, - bzw. Freitag die Quote für morgen nachholen!!!!! Sonst fahren sie nächste Woche ihre Filliale an die Wand."
"Leitende Journalisten mit eigenem Kopf und Profil sind mittlerweile Mangelware",
schreibt der Branchendienst Meedia in Bezug auf die SZ-Chefredakteursnachfolge von Hans Werner Kilz. Aber die Aussage gilt auch für sich betrachtet. Es gibt zwar Zigtausende Journalisten (Wikipedia nennt alleine 40.000 freiberufliche), doch oben wird die Luft dünn. Fragt man zum Beispiel Textchefs von namhaften Magazinen, so sagen die, es gebe gar nicht so viele Journalisten, die Texte einer hohen Qualität pünktlich abliefern könnten.
Gegen den Wetter-Moderator Jörg Kachelmann wird ermittelt, weil seine Ex-Freundin ihn beschuldigt, sie nach einem Streit vergewaltigt zu haben.
Ganz unabhängig davon, ob Kachelmann schuldig oder unschuldig ist, so tut sich die Frage auf, wie die Medien überhaupt davon erfahren konnten. Denn wenn die Medien erst einmal von so einer Sache Wind bekommen, dann gibt es kein zurück mehr. Kachelmanns Ruf ist bereits ruiniert. Sollten die Anschuldigungen unwahr sein, wäre das ein Desaster.
Der ehemalige Moderator Andreas Türck hat erfahren, was das heißt. 2004 wurde er beschuldigt, eine Frau vergewaltigt zu haben. 2005 wurde er freigesprochen, aber seine Karriere als Fernseh-Moderator konnte er trotzdem an den Nagel hängen.
Die Berichterstattung der Medien schadet den Beschuldigten in jedem Fall - auch, wenn sich später ihre Unschuld herausstellt. Man kann aber die Medien nicht dafür verurteilen, über solche Vorwürfe zu berichten. Man kann bestenfalls die erste Zeitung, die berichtet und die Kette in Gang setzt, verurteilen.
Die Schuldigen sind also, von der Schuld der Anklagten einmal abgesehen, diejenigen, die zu allererst die Presse (in der Regel die Bild-Zeitung) informieren. Sei es aus Häme, sei es für ein Schmiergeld, wer weiß. Bisweilen sind sogar Beamte die Informanten, wie im Fall Käßmann vermutet wird. Im Fall Nadja Benaissa (No Angels) hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt persönlich die Medien informiert. Ein unfassbarer Affront gegen den Grundsatz, dass der Angeklagte bis zu seiner Verurteilung unschuldig ist. Denn in dem Moment, in dem die Medien informiert werden, fällt der Urteils-Hammer der Öffentlichkeit. Die Schuldfrage spielt dann kaum noch keine Rolle.
Die Frankfurter Agentur WBCO Public Relations & Business Communications sucht dynamische Media Manager. Zum Aufgabengebiet gehört unter anderem das "Erstellen von journalistischen Texten" sowie ihre "Platzierung".
Irgendwie wie arm, dass PR-Agenturen sich immer selbst diskreditieren müssen. Es ist und bleibt unseriös PR-Artikel in der Presse unterzubringen, die nicht als Werbung gekennzeichnet sind. Und sowieso sind die Leser ja auch nicht blöd. Am Ende nehmen alle Schaden: die Agentur, die Zeitung und der Leser in seinem Vertrauen.

30 Grad unter blauem Himmel war es in Italien. 15 Grad und Regen in Deutschland. Auch, wenn die italienische Hitze manchem am Ende zu schaffen machte, so sehnte sich doch niemand nach der Kälte hinter den Alpen. Am wenigsten unser VW-Bus. Auf einer schweizer Autobahn gab er auf. Platten.
Eine Woche waren meine Mitschüler der Zeitenspiegel-Reportageschule Günter Dahl und ich im Juni in der Toskana unterwegs gewesen. Recherchereise für unser erstes großes Projekt. Ein eigenes Reportagemagazin.

Meine Geschichte "Depot der vergessenen Dampfrösser", eine Reportage über eine der ersten Gebirgseisenbahnen Europas, wurde nun auch
auf Spiegel Online veröffentlicht. Mehr zu dem Heft auf
reporterreisen.com oder bei
Amazon.
Der italienische Premier Silvio Berlusconi wurde am Sonntagabend nach einer Veranstaltung seiner Partei, Popolo della Libertà, auf dem Mailänder Domplatz von einem psyisch kranken Mann angegriffen. Er schleuderte ihm eine Miniatur des Doms ins Gesicht. Die Oberlippe des 73-Jährigen Premiers wurde gespalten, zwei Zähne sind gesplittert und die Nasenscheidewand ist gerissen.
Wenn ein Regierungschef angegriffen wird, ruft das in der Regel Bestürzung hevor. In Italien scheinen sich große Teile der Bevölkerung über die Tat zu freuen. Alleine eine einzige Facebook-Gruppe namens
"Statuetta in miniatura del Duomo di Milano" wuchs in weniger als 48 Stunden auf bereits mehr als 18.000 Mitglieder an.
Man kann das so verstehen, dass die akademische Jugend in Italien weitgehend über Berlusconis Politik und seine Skandale empört ist. Dass sie sich machlos fühlt. Man kann das als äußerst schlechtes Zeichen für den Premier sehen. Man kann die offene Schadenfreude über den Gewaltakt aber auch als Verachtung und Geringschätzung für das Amt des Premiers sehen - und damit für die Demokratie in Italien.
Habe eben ein paar Minuten in die
Serie "Mad Men" reingeschaut. Erster Gedanke: "Was für eine coole Optik! So müssen die 60er in Amerika ausgesehen haben." Auch die gesellschaftliche Atmosphäre dieser Zeit kommt gut rüber - zum Beispiel die Geringschätzung von Frauen und wie sich sogar selber geringschätzen. Aber dann passiert nichts. Keine Story. Nur schöne Optik.
Die Washtington Post schreibt sehr treffend: "Die Handlung ist trocken, eintönig und zusammenhangslos." Schade.
In unser heutigen Zeit, ist alles reglementiert. Frei nach seinem Mund kann man immer weniger reden. Jeder ist nur darauf bedacht, nichts falsches zu sagen, sich keinen Ärger einzuhandeln. Auch im Journalismus bringt das Probleme mit sich. Vor ein paar Monaten habe ich zum Beispiel einmal einen Bahnschrankenwärter besucht, über den ich ein Portrait schreiben wollte. Ein einfacher Schrankenwärter. Um mit diesem Menschen sprechen zu dürfen, musste ich mir die Erlaubnis der Presseabteilung in der Bahn-Konzernzentrale in Berlin holen. Alleine gehen durfte ich dann aber immer noch nicht. Ein Presssprecher aus Stuttgart war die ganze Zeit bei dem Termin dabei. Der arme Schrankenwärter war verständlicherweise etwas eingeschüchtert und sagte kaum etwas. Den Artikel konnte ich dann vergessen.
Umso mehr freut es mich nun, dass Philipp Lahm jemand ist, der den Mut hat, Unbequemes anzusprechen. Man kann darüber streiten, wie offen jemand seine Vorgesetzten kritisieren darf. Und Lahm treibt es ziemlich weit. Aber mein Gott, er beleidigt doch niemanden. Er sagt einfach mal, was jedem einleuchtet.
Und dafür bekommt er nun ein richtig dickes Bußgeld vom Verein aufgedrückt. Ich hoffe, dass Lahm sich davon nicht allzu sehr beeindrucken lässt.
Wenn Siegried Lenz auf sich aufmerksam macht, dann tut er das mit einem Buch. Das ist für Schriftsteller ja nicht mehr selbstverständlich. Doch ein Mann, der diesem Land mehr als eine Deutschstunde gegeben hat, braucht den Lärm der Literaturbetriebe nicht. Auch dafür wird er geliebt.
Tolle Seite-3-Reportage in der SZ am Samstag.
Thalia versklavt die Buchverlage.
Oder wie die SZ schreibt: "Welche Literatur in den Ladenregalen steht und beworben wird, das liegt immer seltener in der Hand der Verlage. Die Buchwelt klagt zwar stets über das Internet. Doch inzwischen ist klar, dass es zur Zerstörung einer ganzen Branche keiner neuen Medien bedarf: Große Ketten wie Thalia besorgen das auf ihre Weise."
Das Medium Magazin kürt jedes Jahr
30 Nachwuchs-Talente. Oder wie die Redaktion schreibt: "Neue Hoffnungsträger für den Journalismus". Aber braucht der Journalismus überhaupt neue Hoffnungsträger? Es klingt ein bisschen wie: Die aktuellen Journalisten bringen's nicht mehr. Es erinnert an Hoffnugsträger im Fußball, an den Aufstieg und Absturz von Sebastian Deisler
(PS: grandioses Interview dazu in der Zeit). Die Medien erschaffen solche Stars erst. Das Talent und Können bringen sie natürlich mit, aber zum Ruhm helfen die Medien. Aber müssen nun wirklich die Medien auch noch Medienschaffende hypen? Es reicht doch, wenn sich einige Medienschaffende selbst hypen.