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Sonntag, 19. Juli 2009

Deutschlandfunk: Brav und müde

Interview der Woche im Deutschlandfunk (Skript). Zur Antwort steht FDP-Chef Westerwelle. Der Interviewer springt von einem Thema zum nächsten, lässt Westerwelle schön ausreden und alles gemütlich erklären. Der Interviewer hakt nicht nach, bohrt nicht, konfrontiert nicht, spult nur seinen Fragenkatalog ab. Es gibt keine Debatte, kein Streitgespräch, keine Spannung.

Samstag, 18. Juli 2009

Das neue ZDF-Nachrichtenstudio

Das neue ZDF-Nachrichtenstudio finde ich nicht gelungen. Viel zu groß. Vorher wirkte es gemütlicher. Es gibt nun zu viele irritierende Dinge wie die Lichtimpulse, die hinter dem Moderator entlang wandern. Und diese virtuellen Projektonen sind wirklich überflüssig. Überhaupt gibt es zuviel Bewegung. Der Moderator läuft herum, plötzlich sitzt er. Was soll das alles? Immer muss etwas "moderner" gemacht und ständig alles gerelauncht werden. Ich wünsche mir die ruhige Kontinuität der alten Tage. Und ich wünsche mir das alte Studio zurück.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Hemingway: der Tod des alten Mannes

Heute vor 48 Jahren gegen 7 Uhr morgens geht Ernest Hemingway in seinen Lagerraum und lädt eine großkalibrige doppelläufige Schrotflinte, die er sonst zum Tontaubenschießen verwendet. Seine Frau schläft noch.

Hemingway ist 61 Jahre alt, psychisch und körperlich ein Wrack. Er ist stark depressiv, fühlt sich verfolgt, hat Diabetes, Arteriosklerose, eine entzündete Aorta, einen Blutdruck von 250 zu 125 sowie einen Cholesterinwert von 380. Sein Leben als Draufgänger, Flugzeugabstürze, Unfälle und der exzessive Alkoholkonsum haben ihn dazu gemacht.

Hemingway gab sich immer als Draufgänger, wollte immer dahin, wo es knallt, immer an die Kriegsschauplätze, wollte sich immer beweisen. Provozierte man ihn, überrollte er einen. Aber hinter dem Getöse steckte ein verunsicherter Mensch, einer, der ständig damit rechnete, dass ihm das Leben wieder eins auswischte, der nicht untergehen wollte, der von Selbstzweifeln geplagt war. Ein sensibler Mensch auf der Suche nach Bestätigung.

Am 2. Juni 1961 hat er zwei Selbstmordversuche hinter sich, wollte sich aus einem Flugzeug stürzen. Er landet in einem Krankenhaus auf einer Station für Suizidgefährdete. Er hat furchtbare Angst dort zu verrecken. Er, der immer die Oberhand behalten wollte, will auch dem Tod auf Augenhöhe begegnen und schafft es, den Ärzten vorzugaukeln, ihm gehe es besser.

Hemingway geht mit der Waffe in die Diele. Wahrscheinlich steckt er sich das Gewehr in den Mund, wie er es so oft seinen Gästen vorgemacht hat, aber dieses Mal ist es kein Spaß. Er drückt ab.

Montag, 29. Juni 2009

Die CDU mag keinen Weltbürgergeist

"Dass der Staat mich zwingt, meine persische Staatsbürgerschaft aufzugeben, damit vermittelt er den Eindruck, er will hier keine Ausländer haben, sondern nur reine Deutsche", zitiert die Frankfurter Rundschau* einen 13-Jährigen.

Kinder ausländischer Eltern, die nach dem 1. Januar 2000 in Deutschland geboren wurden, haben von Geburt an sowohl die Staatsangehörigkeit der Eltern als auch die deutsche. Im Alter zwischen 18 und 23 müssen sie sich jedoch für oder gegen den deutschen Pass entscheiden. Die CDU/CSU beharrt hartnäckig darauf. Und da die Chancen für die Union gut stehen, die kommende Bundestagswahl zu gewinnen, wird das Staatsangehörigkeitsgesetz wohl auch so bleiben.

Ich denke, wenn es einen Grund gibt, bei der Wahl nicht für die Christdemokraten zu stimmen, dann ist es dieses Gesetz. Ich gebe zu: die SPD überzeugt mich auch nicht vollends. Ich mag Steinmeier, finde ihn aber bei seinen Wahlkampfreden zu grob. Aber er ist ja gar kein grober Mensch. Kurt Kister von der SZ schrieb, Steinmeiers Reden seien wie die Reckaufschwünge von Schülern: sie machen nie einen wirklich guten Eindruck.

Rein gefühlsmäßig finde ich die Union ein Stück weit kompetenter und Merkel keine schlechte Kanzlerin. Hängt vielleicht mit meiner tendenziell eher konservativ-liberalen Erziehung zusammen. Aber mittlerweile bin ich der Auffassung, dass links und rechts, sozial- und christdemokratisch doch nicht so nahe beisammen liegen, wie immer alle sagen. Es gibt zwar nicht mehr die großen Gräben wie noch vor Jahrzehnten, aber grundsätzlich haben beide Parteien einen anderen Geist. Und dieses schöne Beispiel da oben mit den Staatsbürgerschaften beweist es. Die Union will dem Bürger ja immer glauben machen, sie sei genauso sozial wie die SPD. Keine Partei würde sagen, sie sei nicht sozial, genauso wie keine zugeben würde, dass nicht dringend in Bildung investiert werden müsse. Mehrere unionsgeführte Bundesländer waren es aber, die den Weg für die Studiengebühren ebneten und sie schließlich einführten. Es sind Beispiele wie diese, die deutlich den Charakter einer Partei zeigen.

Aber die Menschen scheint das alles nicht zu interessieren. Vielleicht folgen sie diesem trügerischen Bauchgefühl, dass ihnen sagt, die Union ist (zusammen mit der FDP!) kompetenter darin, die Wirtschaftskrise zu meistern. Merkwürdig, dass gerade jetzt die Union auf dem besten Weg ist, die SPD aus der Koalition zu schmeißen, oder? Hat sich nicht gerade Peer Steinbrück, SDP, als besonders fähiger Krisenmanager, der der Finanzwelt die Stirn bieten, bewiesen?

*Siehe auch
Staatsbürgerschaft: Deutsche unter Vorbehalt (FR)

Apple und die Überheblichkeit

Apple macht es sich einfach: "Wir haben neue Nutzungsbedingungen. Wenn Sie iTunes weiterhin nutzen möchten, bestätigen Sie folgenden Text", so das Motto.

Ganz ehrlich: In diesen Roman können sie alles reinschreiben. Niemand bekommt fragwürdige Formulierungen mit. Eine Schweinerei. Wirklicher Kundenservice hieße, kurz und knapp zu erklären, was die Änderungen sind. Aber Apple hatte ja noch nie Interesse daran, mit seinen Kunden wirklich in Kontakt zu treten. Die Kunden dürfen die Produkte vergöttern und ansonsten sollen sie die Schnauze halten.

Mittwoch, 24. Juni 2009

Die Dummheit der Zeitungsmacher

Überall hört und liest man, dass das Internet den Zeitungen das Wasser abgräbt und so ganz falsch ist das ja auch nicht. Genauso endet aber jeder Beitrag mit dem Fazit, die Zeitung habe auch in Zukunft eine Berechtigung, weil sie hintergründer etc. pp. als das Netz sei. Das ist alles sehr schön und richtig, aber leider geht das an der Realität vorbei, denn sehr sehr viele lokale und regionale Zeitungen sind ziemlicher Schrott. Da besteht dann schon einmal der gesamte Mantel aus Agenturmeldungen. Das reine Veröffentlichen dieser ist aber die primäre Aufgabe des Internet-Journalismus. Das einzige, was dann solche Zeitungen noch auszeichnet sind ihre lokalen Geschichten. Da jedoch findet der Leser oftmals nur noch belangloses Stückelwerk von völlig überlasteten Redakteuren, freien Mitarbeitern und Praktikanten zusammengekleistert. Und dann sagen die Verantwortlichen auch noch, dass der Leser von heute, gerade die jungen, keine langen Texte, und das heißt wohl auch, keine anspruchsvollen Texte mehr lesen wollen, dass sie sich nicht mehr konzentrieren können, sprich zu dumm sind für das Kulturgut Zeitung. So, meine lieben Zeitungsmacher, wird es euch und euer Produkt bald wirklich nicht mehr geben. Und Schuld wird nicht das Internet sein.

Nachtrag: Der Text wurde auch als Gastbeitrag auf Onlinejournalismus.de veröffentlicht.

Montag, 22. Juni 2009

Zum Geburtstag Erich Maria Remarques

Auf die Minute genau vor 111 Jahren wurdest Du geboren. Im kleinbürgerlichen Osnabrück in einfachsten Verhältnissen. Du hast Deine Heimat nie abschütteln, nie vergessen können, auch, wenn Du zum Weltbürger gemacht und ins Exil getrieben wurdest, auch, wenn Du das Kleinbürgerliche verachtest hast und Frauen wie Marlene Dietrich an Deiner Seite waren. Deine Wurzeln blieben immer in der deutschen Provinz, im Pappelgraben hinter der Stadtmauer und in der Traumbude des Bohemien Fritz Hörstemeier.

Deine Jugend hast Du im ersten Weltkrieg verloren, auch, wenn Du nur kurz an der Front warst. Du hast die radikale politische Verführung und den Krieg als das begriffen was sie waren: als sinnloses gegenseitiges Aufhetzen und als gegenseitiges Ermorden ängstlicher junger Männer, denen ihr Vorgesetzter ein größerer Feind war als der Fremde im anderen Graben.

Wenige hatten den Mut, Charakter und Verstand, Dich zu loben. Die meisten haben Dich angegriffen, kritisiert und in den Dreck gezogen, dabei hast Du immer nur mit sicherem Zeitgeistgefühl und großem Können das aufgeschrieben, was war - sei es im Roman "Im Westen nichts Neues"* oder in jedem Werk danach. Nie hast Du Dich wichtig gemacht, immer nur mit warmherzigem, sensiblem und humanistischem Ton am Leben festgehalten. Du warst berühmt und vermögend, ein Dandy, aber nie arrogant. Du warst wie die jungen Männer in Deinen Büchern: irgendwie immer einsam und voller existenzieller Selbstzweifel. Wirklich wohl gefühlt hast Du Dich vielleicht nur in alkoholgeschwängerten Nächten mit einfachen Menschen philosophierend. Du bist das Gegenteil von den Möchtegernstars von heute, Du bist wie Dein Werk: unsterblich und immer ein Vorbild. Alles Gute zum Geburtstag, Erich!

*Hier oder hier kann man "Im Westen nichts Neues" lesen oder sich ausdrucken!

Die Qual hinter dem Werk

Alle Leser bewunders die Texte guter Schriftsteller und Journalisten. Was sie aber in der Regel nicht sehen, ist die Qual, die hinter der Arbeit steht. Und müssten die dem Schreiprozess beiwohnen, würden sie sicher auf so manches Werk verzichten.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Reportage schreiben

Vor der VHS in Reutlingen

Vor einem Café sitzen und die Ereignisse der Toskana-Reise aus dem Blog holen. Überlegen, welche Szenen man für die Reportage braucht. Wie will sie komponiert sein? Es ist ein langsamer, tagelanger Weg bis zur fertigen Geschichte. Aber was könnte schöner sein?

PS: Für User, die über den Suchbegriff "Reportage schreiben" hierher gelangt sind, empfehle ich das Buch "Die Reportage" von Michael Haller. Für Fortgeschrittene und Interessierte lohnt sich auch ein Blick in das Audio-Archiv der Seminare des Reporter-Forums. Siehe z. B. hier.

Samstag, 6. Juni 2009

Die entzauberte Welt

Über das Blog eines Bekannten Reisenotizen aus Asien gefunden. Und wieder wird mir vor allem eines deutlich: Asien ist nichts besonderes mehr. Standardurlaub. Jeder Zwanzigjährige Student aus der deutschen Provinz ist dort. Ich sehe Bilder wie dieses. Es könnte auch in Ostdeutschland geschossen worden sein. Gibt es überhaupt einen Unterschied? Dazu Texte wie dieser:

Mittags gings dann gleich hoch zum Wat Doi Suthep, einer Tempelanlage mit City View ueber Chiang Mai. Fantastisch!
Zuruck im Guesthouse wollte ich mich eigentlich aufs Ohr hauen, zum Glueck kam mir ne gemischte Reisegruppe aus Englaendern (Tom, Glyn, Dave) Hollaendern (Bart und Anhang, Sorry muss mich nochmal nach dem Namen erkundigen...) und einer Australierin (Ema) dazwischen, die mich gleich zum Feiern animiert haben. Echt ein geiler Trupp! So much Fun!

Es geht um ein fremdes Land, aber für mich klingt es mehr nach Discopark und Ballermann. Gibt es also überhaupt noch etwas auf dieser Welt zu entdecken? Und wenn ja, was, wo doch selbst der Mount Everest mit Touristengruppen überschüttet wird? Es steht wohl so: Es gibt viel zu entdecken und wird immer etwas zu entdecken geben. Aber der Ort spielt keine Rolle mehr. Das Besondere kann genauso im deutschen Dorf wie in der thailändischen Stadt wie an der australischen Küste liegen. Das Ferne per se hat jegliche Exotik, jeglichen Reiz verloren. Die Terra incognita ist restlos vom weißen Mann erobert.

Sonntag, 24. Mai 2009

Du bist Terrorist

Du bist Terrorist from lexela on Vimeo.

Via http://www.dubistterrorist.de

Dienstag, 19. Mai 2009

Die Elitisierung des Prints

Die Journalisten prügeln sich. Print gegen Online. Es geht um nicht weniger als die Zukunft.

Auf der einen Seite macht das SZ-Magazin ein ganzes Heft über die Frage "Wozu Zeitung?". Den Sidekick gibt Miriam Meckel, Professorin für Kommunikationsmanagement, in einem FAS-Artikel. Die Botschaft von beiden: Qualitätsjournalismus ohne Print geht nicht.

Auf der anderen Seite kämpfen Handelsblatt-Blogger (und Print-Reporter) Thomas Knüwer und Klaus Meier, Professor für Online-Journalimus. Meier wirft SZ-Chefredakteur Hans Werner Kilz, der auch einen Beitrag für das Magazin geschrieben hat, vor allem Schlamperei vor, Knüwer hingegen haut gleich auf alle Printler (zu denen er ja auch immer noch halb gehört) ein und fragt, warum man überhaupt noch Zeitung lesen müsse, wenn am Vortag doch schon alles online steht. Zudem hätten doch innerhalb der Woche bestenfalls noch Top-Manager, Politiker, Rentner und Professoren Zeit für Printlektüre (was ja an sich schon mal eine merkwürdige Aussage ist).

Ein bisschen zwischen den Fronten steht (Print-)Journalist und Blogger Stefan Niggemeier und versucht mit einem 20.000 Zeichen-Beitrag irgendwie die Mitte zu finden.

Aber worüber streiten eigentlich alle wirklich? Um Qualität? Wohl kaum. Darum welches Medium in der nächsten Zukunft das meiste Ansehen haben wird? Auch das wohl nicht, denn der Print wird sein Ansehen noch lange bewahren.

Nein, es geht am Ende mal wieder nur um verletzte Eitelkeiten. Die Print-Redakteure fürchten Macht- und Geldverlust sowie ein erstarkendes Internet und die Netzjournalisten leiden unter ihren üblichen Minderwertigkeitskomplexen.

Aber eigentlich ist doch alles so einfach. Der Online-Journalismus wird immer mehr vom Kuchen haben wollen, wird immer wichtiger werden, wird immer mehr von den klassischen Print-Territorien erobern und obendrein noch als multimedialer Zwitter Charakter entwickeln. Dem Online-Journalismus sind aber auch Grenzen gesetzt. Die Königsdisziplinen wird er nie perfekt beherrschen.

Große Reportagen, sehr lange Interviews, kurz alles, was Zeit und Ruhe braucht und Muße bringt, ist im Internet wirkungsschwach und oft genug verschwendet. Das Netz lebt von seinem Tempo, seiner Bodenlosigkeit, seiner weltverbindenden Möglichkeiten und von seinem Stress.

Die großen und bisweilen extrem zeitaufwändigen journalistischen Genres verweigern sich aber diesem Stress - bei der Recherche, beim Schreiben und beim Lesen. Die alten Königinnen brauchen die würdevolle Ewigkeit bedruckten Papiers. Das Internet spricht viele Sprachen, aber nicht alle. Und natürlich ist es auch eine Frage der Dekadenz.

Selbst wenn es eines Tages das perfekte Online-Lesemedium geben wird, die Superfolie oder was auch immer, so werden besondere Texte und besondere Fotografie auf Hochglanzpapier immer noch mehr hermachen als auf einem Schirm gleich welcher Art. Die Frage ist nur, wie elitär die Käuferschicht sein wird.


Neuester Kommentar

Danke
Vielen Dank für diese Sätze: "Es sollte eine sehr gute...
Johanna (Gast) - 2013-12-05 10:34
Gut analysiert. Nur bei...
Gut analysiert. Nur bei der politischen Ausrichtung...
7an - 2013-10-10 15:08
Kein Interesse
Nur eine kurze Anmerkung. Journalisten denken von ihrem...
Otto Hildebrandt (Gast) - 2013-10-10 14:08

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