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medienbeobachtungen

Donnerstag, 26. März 2015

Warum die Persönlichkeitsrechte des Co-Piloten des Fluges 9525 die Menschen und die Presse spalten

Ich hatte gerade einen Medienbeitrag in meinem privaten Facebook-Profil geteilt. Er zeigte das Foto sowie den vollen Namen des Co-Piloten der abgestürzten Airbus-Maschine. Die Auswertung des Stimmrekorders ergab, dass der Co-Pilot absichtlich den Sinkflug eingeleitet hat, also die Maschine absichtlich hat abstürzen lassen - als der Kapitän kurz das Cockpit verlassen hatte. Der Co-Pilot lies ihn nicht mehr ins Cockpit. Diese Beweislage ist erdrückend.

Folglich gibt es nun ein riesiges berechtiges Interesse an dem verantwortlichen Co-Piloten. Wer war der Mann? Man möchte alles über ihn wissen. Zurecht. Die Gesellschaft und die Hinterbliebenen haben ein Recht zu erfahren, was diesen Menschen angetrieben haben könnte. Der Co-Pilot ist bereits durch die Faktenlage zu einer absoluten Person der Zeitgeschichte geworden (wobei sich hier schon Geister streiten werden). Vielleicht gibt es noch allerletzte Zweifel, aber die Fakten und Schlussfolgerungen sprechen eine ziemlich eindeutige Sprache. Die Presse wird sich also zu Recht mit dem Leben des Co-Piloten auseinander setzen. Die Frage scheint nur noch zu sein: wann?

Nachdem ich den Beitrag geteilt hatte, war ich überrascht, was für eine heftige, harsche Reaktion das erzeugte. Es ging um Persönlichkeitsrechte und die Unschuldsvermutung. Ich habe den Beitrag wieder aus meinem Profil gelöscht. Vorerst.

Ich verstehe die Einwände. Überstürzen wir nichts. Aber machen wir uns gefasst. Gerade lese ich, dass sich N24 auf Twitter entschuldigt hat: "Es tut uns leid, dass wir das Haus des ‪#‎Germanwings‬-Co-Piloten im TV gezeigt haben. Wir werden in Zukunft auf diese Bilder verzichten."

Der mediale Umgang mit dem Co-Piloten wird mit Sicherheit als ein ganz heikler Fall in die Geschichte des Presserechts beziehungsweise der Medienethik eingehen. Weil er so heikel ist. Weil die Faktenlage so erdrückend ist. Weil die Tragödie so groß ist. Die Frage scheint nur zu sein: Wann darf die Presse wie ausführlich über den Co-Piloten, der offenbar der Täter ist, berichten?

Montag, 25. März 2013

Über die Verlogenheit politischer Journalisten

Frank A. Meyer schreibt im Cicero über die Verlogenheit von politischen Journalisten. Und er hat ein wirklich schönes Beispiel zur Hand. Wir erinnern uns noch an Steinbrücks Kritik am zu geringen Kanzlergehalt - und damit vielleicht seinem künftigen Gehalt. Und der Gier, die ihm angekreidet wurde. Meyer erzählt, wie es dazu kam:

Die Journalisten Christiane Hoffmann, Eckart Lohse und Markus Wehner interviewen für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung den Kanzlerkandidaten der SPD. Sie thematisieren die geringen Gehälter der Politiker im Gegensatz zu den bonusfetten Bezügen in der Wirtschaft. Die Frage an Peer Steinbrück lautet: „Verdient die Kanzlerin zu wenig?“ Eine schlichte, eine klare, eine direkte Frage – sollte man meinen. Die Aufforderung zu einer schlichten, einer klaren, einer direkten Antwort – sollte man meinen. Peer Steinbrück ging auch genau so darauf ein – schlicht, klar, direkt: „Eine Bundeskanzlerin oder ein Bundeskanzler verdient in Deutschland zu wenig – gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss, und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt.“ Peer Steinbrück sagte, was er denkt. Zur Zufriedenheit der drei Journalisten – sollte man meinen. Weit gefehlt! In derselben Ausgabe der FAS wird dem Interviewpartner die eingeforderte Aussage sogleich mit voller Wucht um die Ohren gehauen: „Kanzler-Bezüge: Steinbrück und das liebe Geld“, lautet der vorwurfsvolle Titel auf Seite eins. Und der Autor des Aufmachers, Majid Sattar, gibt sich verzweifelt: „Warum will ihm nichts gelingen?“
Ehrliche Sätze würden zum publizistischen Straftatbestand, sagt Meyer und fordert: "Interviewte Politiker müssten von den Journalisten vor der Einvernahme die Belehrung empfangen: 'Alles, was Sie jetzt sagen, kann gegen Sie verwendet werden.'"

Meyer erwähnt dann auch noch Steinbrücks Aussage, er kaufe keinen Pinot Grigio unter fünf Euro. Da war er dann der Luxus-Sozi. Ganz zu schweigen vom damaligen Linke-Chef Klaus Ernst, der sagte, zwölf Euro für einen guten Wein, seien ein Spitzenpreis. Riesenempörung. Dabei weiß jeder, der auch nur einmal im Leben mehr als 1,99 Euro-Wein getrunken hat, dass man im Weinladen quasi keinen Wein unter fünf Euro findet. Und jeder, der auch nur einen Hauch von Interesse an Wein hat, weiß, dass man Fünf-Euro-Weine gut zur Pasta am Mittag nehmen kann, etwas bessere Weine aber erst ab zehn Euro beginnen, wirklich gute ab 15/18 Euro - nach oben offen. Und was für Wein trinken diese Journalisten eigentlich, die Steinbrück und Ernst eine Flasche für zwölf oder gar fünf Euro ankreiden? Lieblichen im 1,5-Liter-Tetrapack?

Viele Journalisten verwechseln eine kritische Haltung mit schlechtem Charakter. Eine kritische Haltung bedeutet nicht, sein Gegenüber in die Pfanne zu hauen. Es bedeutet fair und standhaft zu bleiben, auch unbequeme Fragen zu stellen, offen anzusprechen - selbst, wenn das den Journalisten selbst unter Druck bringt.

Freitag, 22. März 2013

Die Denunziation der Ost-Europäer durch die deutsche Presse

Das Spiel funktioniert: Innenminister Friedrich warnt vor immer mehr Armutsflüchtlingen aus Ost-Europa, deutsche Städte warnen, sie kämen mit diesen Menschen nicht zurecht, die Zahl dieser Einwanderer soll sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt haben. Die Medien: berichten darüber, greifen diese Zitate, Warnungen und Zahlen auf. Aber: Sie stimmen nicht.

Zwei Drittel derjenigen, die nach Deutschland kommen, bleiben nicht, berichtet das NDR-Medienmagazin Zapp. Überhaupt: Es kommen nicht nur Arme, sondern der Bevölkerungsquerschnitt, viele Ärzte und Studenten. Das passt zu einer Beobachtung, die ich kürzlich bei einer Recherche in einem Krankenhaus gemacht habe. Alle jungen Ärztinnen (es waren alles Frauen) kamen aus Ost-Europa. Der Grund: Es fehlen qualifizierte Ärzte bei uns im Land, wohl nicht wenige deutsche Ärzte gehen in Länder, wo sie mehr verdienen und weniger Stress haben. Doch die deutschen Medien von der FAZ über Maischberger bis zum Heute Journal greifen Zahlen und Zitate auf, die Panik und Ablehnung von Menschen aus Ost-Europa schüren. Hinterfragt wird wenig bis nichts. Stattdessen: Vermeintlicher "Zigeuner-Alarm". Wir erinnern uns an die Schweizer Weltwoche mit seiner Schlagzeile "Die Roma kommen." Ist ja noch plakativer, Bürger aus Ost-Europa, die nach Deutschland kommen, pauschal als Sinti und Roma zu bezeichnen und damit diese Gruppe zudem mit Negativem zu verbinden.

Übrigens: Wenn ich in ein anderes Land umziehen würde, würde ich von mir selbst gar nicht als Migrant denken und reden. Ich würde einfach, in einem anderen Land arbeiten. Vielleicht weil der Begriff Migrant selbst schon eine leichte negative Konnotation hat. Aber auch, weil es ich es als normal und mein Recht betrachte, zu leben und zu arbeiten, wo ich möchte. Dieses Recht erkennen wir anderen bisweilen aber ab.

Dienstag, 26. Februar 2013

Der finanzielle Niedergang des Guardian

Kündigt der Guardian betriebsbedingt den ersten Redakteuren mit Wolfgang Blaus Amtsantritt?

Die Guardian Media Group (Guardian plus Sonntagsblatt Observer) verliert jede Woche über eine Million Pfund. Im vergangenen Geschäftsjahr betrug der Verlust 75,6 Millionen Pfund. Alleine das neue, gläserne Bürogebäude in der Nähe des Londoner Bahnhofs King's Cross kostet zwölf Millionen Pfund Miete im Jahr.

Wie wohl kein anderer Chefredakteur hat Alan Rusbridger auf das Digitale gesetzt. Der Guardian ist online eine der weltweit am meisten gelesen Zeitungen. Doch die Online-Erlöse, auf die Rusbridger so setzt, betragen nach wie vor nur ein Viertel der Gesamt-Erlöse. Zugleich ist die gedruckte Auflage von gut 400.000 Exemplaren (2005) auf 200.000 gefallen. Doch von Bezahlmodellen will Rusbridger nichts wissen. Einzig die iPhone und iPad-App sollen angeblich etwas kosten. Schon bei der Android-App ist von einer Bezahlschranke aber keine Spur. Was alles sehr merkwürdig ist, denn wer zahlt für eine App, wenn die Website umsonst ist?

Während die New York Times und die schwedische Tageszeitung Aftonbladed derweil mit ihren Bezahlmodellen mehr Einnahmen online als mit den jeweiligen Print-Ausgaben erzielen, macht der Guardian weiter herbe Verluste.

Im April fängt der Zeit Online-Chefredakteur Wolfgang Blau beim Guardian als Digital Strategy Director an. Es ist nicht zu erwarten, dass er von Rusbridgers Linie abweicht. Auch Zeit Online war bislang sehr konsequent darin, für die Website kein Geld von den Lesern zu verlangen. Das fordert aber nun seinen Preis. Wohl recht zeitgleich mit Blaus Amtsantritt dürften beim Guardian die ersten Redakteure betriebsbedingt gekündigt werden. Bereits im Sommer hatte die Guardian-Gruppe versucht, rund 100 Angestellte loszuwerden.

Quellen: - http://www.zeit.de/2013/06/Guardian-Medien-Internet-Journalismus/komplettansicht
- http://www.taz.de/!108878/
- http://mediahsba.blogspot.de/2012/08/der-erfolg-des-guardian-in-den-neuen.html

Mittwoch, 30. Januar 2013

"Mein Kampf mit Hitler"

haffner

Heute vor 80 Jahren wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt und übernahm die Macht in Deutschland. Das ZDF hat zu dem Thema einen sehr schönen und interessanten dreiviertelstündigen Dokufilm produziert, der Spielfilmszenen mit Archivbildern vermengt.

"Mein Kampf mit Hitler" zeigt die wahre Geschichte des 25-jährigen Rechtsreferendars Sebastian Haffner, der 1933 die Machtübernahme Hitlers in Berlin erlebte. Er wurde Zeuge eines dramatischen Umbruchs, sein bester Freund musste fluchtartig emigrieren, Haffners Liebe zu einer Jüdin zerbrach. Hier kann man sich den Dokufilm ansehen: http://bit.ly/XSokQ6

Freitag, 7. September 2012

G+J ohne Buchholz: Der Kapitän tritt ab

Bernd Buchholz war einer dieser Verlagsmänner, von denen man dachte, sie seien für die Ewigkeit bestimmt. Sie haben diese "Mag die Welt untergehen, ich nicht"-Attitüde. Doch es kam anders. Buchholz wurde vom neuen Bertelsmann-Chef Thomas Rabe abgesägt. Buchholz war offenbar zu charakterstark. Kein Wunder: Er wurde von Gerd Schulte-Hillen zu Gruner+Jahr geholt, den Rupert Murdoch einst als als "fucking cowboy" bezeichnete.

Die Zeit der Cowboys ist aber offenbar vorüber. Und das ist weniger Schade für die Cowboys als für unsere Zeit, denn die Demontage von Buchholz ist auch ein Indiz für die komplette Übernahme Gruner+Jahrs durch Bertelsmann. Bisher wehrte sich Angelika Jahr als Sprecherin der Familie Jahr gegen einen Verkauf. 25,1 Prozent von Gruner+Jahr gehören der Familie. Sie halten eine Sperrminorität, sollen aber einen weiteren Verfall ihrer Aktien fürchten und erwägen, sie gegen weitaus wertstabilere Bertelsmann-Aktien einzutauschen. Der Bertelsmann-Konzern (RTL Group, Random House) könnte dann mit Gruner+Jahr und damit auch mit den Zeitschriften GEO und stern machen, was er will. Die Nachfolge von Buchholz treten nun gleich drei Leute an. Rabe möchte also keine starke Persönlichkeit mit zu viel Macht aufkommen lassen.

Das Gebäude von Gruner+Jahr am Hamburger Hafen ist architektonisch an eine Schiffsform angelehnt. Vor ein paar Jahren, als der Verlag kriselte, ermahnte Buchholz seine Mitarbeiter, "auf dem Sonnendeck" die Liegestühle und Drinks beiseite zu stellen. Er war nie einer, der immer gerecht war und alle seine Journalisten gleich behandelte (zumindest von der Bezahlung her), doch er hatte Haltung und er hielt den Laden beisammen. Nun zieht wirklich ein großer Sturm vor dem Hamburger Baumwall auf. Und der Kapitän ist nicht mehr an Bord.

Freitag, 9. Dezember 2011

taz erfindet Audio-Slideshow neu



Die taz etabliert gerade in Deutschland das Format der Audio-Slideshow. Bisher gab es kaum welche und die wenigen waren oft ein bisschen langweilig. In Kooperation mit 2470media überzeugt die taz nun mit wahnsinnig guten Portraits von Berlinern. Jede Woche eins. 52 Wochen lang. Die "Berlin Folgen".

taz-Redakteure machen die journalistische Arbeit, 2470media Fotos, Videos und Produktion. 2470media hatte zuletzt mit eigenen Audio-Slideshows den Deutschen Reporterpreis (Web) und den Axel-Springerpreis (Web) gewonnen, doch wenn auch technisch brillant, so überzeugen mich die Dramaturgie ihrer eigenen Stücke nie. Man merkt einfach, dass sie Fotografen und Producer sind, aber keine Journalisten. Mit der Arbeit der taz kommt in den "Berlin Folgen" nun auch noch die journalistische Professionalität dazu. Das Ergebnis ist beeindruckend. Man wird förmlich inspiriert.

Mit persönlich haben besonders "Die Countrysängerin" und "Die Cineasten" gefallen. "Der Obdachlose", der für den Deutschen Reporterpreis nominiert war, ist wahnsinnig stark, sogar weitaus stärker als der dazugehörige taz-Artikel von Plutonia Plarre (was selten ist), die die meisten der "Berlin Folgen" redaktionell verantwortet. Alleine die Stimme des Obdachlosen Gero ist eine Wucht. Und dann sagt er Sätze, die von Tom Kummer stammen könnten. Sätze wie: "Assis wie ich haben kein frei." Oder: "Ich stehe nicht auf, ich stürze ins Kotzen." Die taz hat die Audio-Slideshows neu erfunden.

Donnerstag, 10. November 2011

Hi, Franc Tausch hier

Zu spät! Schon wieder nicht aufgepasst.

"HI, FRANC TAUSCH HIER!"

Und dann erzählt der Franc, der früher Frank hieß, dabei wollte ich nur einen Filmtrailer sehen.

Franc Tausch, Schauspieler (zwei Serienfolgen), Synchronsprecher ("Freitag der 13. - Jason lebt" und "Die Todeskralle schlägt wieder zu") anscheinend arbeitsloser Radiomoderator in Los Angeles und selbsternannter Filmkritiker, hat eine perfide Methode entwickelt um sein nichts-ahnendes Publikum zu überrumpeln.

Tausch nimmt einen aktuellen Filmtrailer, bastelt eine überflüssige Paar-Sekunden Zusammenfassung davor und stellt den Clip auf YouTube. Unter dem Namen des Filmes plus "Trailer". So wird der Eindruck erweckt, es handele sich ausschließlich um den offiziellen Trailer. Den kleinen Hinweis "Hochgeladen von FilmKritikTV" übersehe ich regelmäßig. Auch weil Tauschs Trailer oft ganz oben stehen. Vermutlich wegen seiner 112.108 Abonnenten.

Und dann erscheint der Franc/k plötzlich wieder mit diesem leicht grenzwertig freudigem Gesicht und den müden Augen. Er reißt seinen Mund so weit auf wie eine Manga-Figur, als hätte er auf einen Startschuss gewartet, japst er noch mal schnell nach Luft und stößt sein "HI, FRANC TAUSCH HIER von FilmKritikTV" - als fürchte er um jeden Sekundenbruchteil, der ihm genommen werden könnte. (Remix-Kostprobe hier)

15 Minuten Ruhm habe jeder in seinem Leben, sagte Warhol. Tausch hat jetzt 357 Trailer besprochen, mit meist 30 Sekunden Vorwort. Das sind drei Stunden "HI, FRANC TAUSCH HIER". Warhol hätte das nicht lustig gefunden.

Die Kommentare zu diesem Beitrag befinden sich hier.

Sonntag, 6. November 2011

arte: Produktionsabfall fürs Internet

arte produziert aufwändige Dokufilme, doch die Gebühren zahlenden Internet-Nutzer sehen davon nichts - oder nur die Ausschussware.

arte hat diese großartige sechsteilige Serie über den Widerstand im Dritten Reich produziert: „Schattenkampf – Europas Resistance gegen die Nazis“. Leider konnte man sich die Auftaktfolge zum Sendebeginn nicht online ansehen, ich habe sie jedenfalls nicht gefunden. Ich verstand auch nicht, dass in dem Online-Spezial schattenkampf.arte.tv (dass am ersten Tag eh nicht lief) nicht die Dokufilme zu sehen sind, sondern "nur" Dutzende nach Ländern sortierte Videos, in denen ehemalige Widerstandskämpfer ihre Geschichten erzählen.

Normalerweise stehen ausgewählte arte-Beiträge sieben Tage lang online. Ich habe es verpasst, mir während der Zeit die Beiträge anzusehen. Wenn sie überhaupt online standen. Wer weiß. Mit dem Gesetz kann der Sender sich nicht herausreden. Der Rundfunkgebührenstaatsvertrag erlaubt es, solche hochwertigen zeitgeschichtlichen Beiträge dauerhaft online zu stellen, wie es zum Beispiel mit der ZDF-Historien-Reihe „Die Deutschen“ geschehen ist.

arte hingegen möchte lieber Kasse machen. Im eigenen Online-Shop kann drei DVDs mit den sechs Filmen für 40 Euro kaufen, auf Amazon für 32 Euro. Aber, ganz ehrlich, soviel wie vier Kino-Besuche sind mir die Beiträge nicht Wert. Ich würde sei gerne sehen und gerne für sie zahlen, sagen wir 1,50 Euro pro Folge als Online-Stream – wenn arte denn ein Privatsender wäre. Doch arte ist Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Der Sender bekommt Rundfunkgebühren. Ich möchte nicht wissen, wie viele tausend Euro alleine die zwei Webseiten zur Dokoserie gekostet haben, auf denen die Gebührenzahler nicht mal die sechs Haupt-Beiträge sehen können, für die der ganze Zauber veranstaltet wurde.

Stattdessen gibt es das Schattenkampf-Spezial. Auf den ersten Blick macht es Eindruck. 84 Videos. Zeitzeugen, die über den Widerstand erzählen, sortiert nach Ländern. Leider weiß man nicht, wie lang die Beiträge sind. Sechs Minuten oder 60? Eine Zeitleiste wurde vergessen. Davon abgesehen: Wer will sich 84 Videos mit Leuten ansehen, die nur erzählen? Das ist ein bisschen einseitig. Ich möchte einfach die sechs Dokufilme sehen und Punkt. Die aber bleiben den Online-Nutzern vorenthalten. Pech für die, die die Folgen im Fernsehen verpasst haben, kein arte empfangen oder keinen Fernseher haben. Und das ist mal wieder eine typische medienkonservative Online-Strategie: Ins Internet kommt der Ausschuss, der, böse gesagt, Produktionsabfall. Das muss für die Gebühren zahlenden Online-Nutzer reichen.

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Jobs-Nachrufe gedenken nur Erfinder

Steve Jobs ist tot, doch nur wenige Nachrichtenseiten trauern um den Menschen, sondern um den Apple-Chef - mit einer Ausnahme.

Tom Hillenbrand beginnt seinen Nachruf auf Spiegel Online mit dem Satz: "Nun zählen wir noch einmal auf, was er alles geschaffen hat: iMac, iPhone, iPad."

Auf faz.net schreibt Stephan Finsterbusch: "Steve Jobs hat die Art und Weise, wie Menschen mit Computern, mit Technologie und mit Informationen umgehen, von Grund auf geändert."

"'Design – manche denken, es beschreibt, wie etwas aussieht. Es geht aber darum, wie etwas funktioniert', fasste Steve Jobs einst seine Devise zusammen, von der er sich leiten liess, seit er mit Steve Wozniak und Ranald Wayne 1976 Apple gründete", schreibt Henning Steier auf NZZ online.

Fast alle kommen auch noch auf die berühmte Rede Jobs vor Stanford-Studenten 2005 zu sprechen, doch es geht dann wieder nur um den Schöpfungswillen und Arbeitsgeist von Jobs' - oder seine Philosophie. Auch Johannes Kuhn schreibt auf sueddeutsche.de darüber, aber er wird dem Menschen gerecht, bereits im ersten Satz: "Nur selten hat Steve Jobs in der Öffentlichkeit etwas von sich erzählt, von dem Menschen, der hinter den Macs, iPhones, iPads, hinter der Marke Apple steckte."


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Danke
Vielen Dank für diese Sätze: "Es sollte eine...
Johanna (Gast) - 2013-12-05 10:34
Gut analysiert. Nur bei...
Gut analysiert. Nur bei der politischen Ausrichtung...
7an - 2013-10-10 15:08
Kein Interesse
Nur eine kurze Anmerkung. Journalisten denken von ihrem...
Otto Hildebrandt (Gast) - 2013-10-10 14:08

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