StudiVZ: vor die Wand gefahren

In der SZ gibt es heute ein Interview mit dem StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani (das leider zunächst nicht online war). Darin kritisiert er, was Holtzbrinck aus seinem Portal gemacht hat: "Die Zeitungsverkäufer aus Stuttgart haben es geschafft, den innovativen Geist bei StudiVZ abzutöten und aus dem Laden eine Verwaltungseinheit zu machen."
Damit hat Dariani recht. Vor einem Jahr habe ich mich bei Facebook und anderen Portalen abgemeldet (FR-Artikel), weil ich merkte, wie schwierig bis unmöglich das ist und ich die Probe aufs Exempel machen wollte.
Facebook hatte ich bis dahin so gut wie gar nicht genutzt. Es bot nichts besonderes und nur wenige meiner Bekannten und Freunde waren dort angemeldet. Als ich mich jetzt vor ein paar Wochen wieder angemeldet habe, war ich erstaunt. Erstaunt über das Leben, das ich dort fand. Beim StudiVZ bewegt sich hingegen überhaupt nicht mehr.
Bei Facebook ist mittlerweile so ziemlich jeder, den ich kenne vertreten und veröffentlicht ständig Neues aus seinem Alltag – selbst Leute, die sich früher nie sonderlich für soziale Netzwerke interessiert haben. Dadurch erfahre ich weitaus mehr aus meinem Bekanntenkreis als früher. Denn so oft rufe oder maile ich ehemalige Kommilitonen nicht an.
Möglich wird die Aktivität bei Facebook durch eine einfache Technik. Egal was man macht, ob man eine kleine Notiz schreibt, ob man Fotos oder Videos hochlädt oder via Youtube einbindet, ob man Artikel und Links empfiehlt oder ob man einen neuen Wohnort oder Job angibt: Alles wird (außer man deaktiviert diese Funktion) auf seiner eigenen sowie auf der Startseite sämtlicher Freunde sichtbar. Obendrein kann alles kommentiert oder mit einem "Daumen hoch" für gut befunden werden. Der soziale Austausch dadurch ist immens. Erst dadurch ist Facebook ein wirkliches soziales Netzwerk geworden. Ohne diese Funktionen wäre es nur eine Steckbriefsammlung mit Kontaktliste. Also das, was StudiVZ ist. Selbst wenn Holtzbrinck noch die Kurve bekommt: den Anschluss haben sie längst verpasst. Somit ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis sie ihr Portal schließen oder an Facebook oder einen anderen Interessenten verkaufen müssen.
7an - 2009-09-04 11:09


