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Gegen das banale Schreiben

Jetzt habe ich mir diese hübsche Geschichte ausgedacht, kompakt und sehr spannend, gute Dramaturgie, habe die erste halbe Seite geschrieben und jetzt habe ich keine Lust mehr auf diese Geschichte, jetzt ist sie mir plötzlich zu banal zu belanglos. Wozu braucht die Welt eine weitere Durchschnittsgeschichte?
ratatosk - 2008-05-01 19:41

damit ich sie lesen kann
Malte - 2008-05-04 13:26

Das ist die grosse Kunst, Banales zu schreiben. Sex, Crime, Horror - das kann ja jeder.
7an - 2008-05-04 13:50

ja, übrigens, falls es jemanden interessiert. soweit habe ich diese story geschrieben, bevor ich die lust verlor:

Clemens hing zwei Meter über dem Küchenfenster. Dann ging das Licht an. Es war schon spät, nach zehn. Töpfe schepperten. Es würde länger dauern. Gut, dass er noch nicht runter musste. Sein Ziel war das Fenster im zweiten Stock und langsam bekam er feuchte Hände. Doch er hatte keine Wahl. Er hatte sich blamiert und er musste es wieder gutmachen. Das alte Haus war groß und schlummerte wie ein schlafender Drache in dem Dschungel, der sich Garten nannte. Gute Vorraussetzungen, um in ein Schlafzimmer einzusteigen.

Mit den Füßen stand Clemens noch auf dem Sims über dem Küchenfenster. Die führten rund ums Haus herum. Über und unter den Fenstern. Er setzte an, um sich zum nächsten Sims hochzuziehen. Dann ging das Küchenfenstern auf. Eine tiefe Männerstimme. Der Vater seiner hoffentlich baldigen Freundin. Der Vater hasste ihn. Jetzt sang er. Ein paar Töne einer Oper. Gute Stimme. Es brutzelte aus einer Pfanne. Der Geruch von gebratenen Eiern stieg in Clemens Nase. Er spannte seine Muskeln an. Zog sich hoch. Den Fuß an der Hauswand. 51,5 Zentimeter über dem Küchenfenster. Er war leise. Er versuchte es. Es gab nur diese Kante, keinen Griff. Er musste die Balance halten, bis er sich an den Fresken von dem Fenster im ersten Stock festklammern konnte.
Matthias Gerhards - 2008-05-12 07:41

Die Frage ist immer, wieviele Geschichten man braucht, um die eine zu finden, die wirklich geschrieben werden muss.

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"Wir sind alle von Anfang an verflucht, und auch Du musst erst furchtbar verletzt werden, bevor Du ernsthaft schreiben kannst." - Hemingway an Fitzgerald

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