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blogheaderr

Donnerstag, 26. November 2009

Das Ende der Einzigartigkeit

Der große Trend in der Verlagswelt heißt Sydication, Artikelaustausch unter Zeitungen, die zum selben Verlag gehören. Das ist jedoch Kinderkram im Vergleich zum noch größeren Trend: Ressortzusammenlegungen.

Es lässt sich viel Geld sparen, wenn das Ressort einer Zeitung die entsprechenden Ressort-Seiten aller Zeitungen des Verlages produziert. Es mag sogar sein, dass durch die größere Vielfalt an Autoren und Texten die Qualität gesteigert werden kann. Aber leider verlieren dadurch auch alle Blätter einen Teil ihrer Identität.

Als Leser entscheide ich mich für eine bestimmte Zeitung, weil mir die Sprache gewisser Autoren gefällt, weil ich die Themenauswahl und Heransgehensweise der Redakteure mag. Wenn sich das nun vermischt mit dem Stil von Journalisten anderer Zeitungen, so schwindet die Identifikation, die man als Leser mit einer Zeitung hat. Es schwindet genau das, wofür man Geld ausgibt.

Freitag, 20. November 2009

Journalisten müssen lesen

Wer ein guter Journalist werden oder bleiben will, sollte mehr Geld für Presse-Lektüre ausgeben als für Bier.

Sonntag, 8. November 2009

Es braucht Menschen wie Lahm

In unser heutigen Zeit, ist alles reglementiert. Frei nach seinem Mund kann man immer weniger reden. Jeder ist nur darauf bedacht, nichts falsches zu sagen, sich keinen Ärger einzuhandeln. Auch im Journalismus bringt das Probleme mit sich. Vor ein paar Monaten habe ich zum Beispiel einmal einen Bahnschrankenwärter besucht, über den ich ein Portrait schreiben wollte. Ein einfacher Schrankenwärter. Um mit diesem Menschen sprechen zu dürfen, musste ich mir die Erlaubnis der Presseabteilung in der Bahn-Konzernzentrale in Berlin holen. Alleine gehen durfte ich dann aber immer noch nicht. Ein Presssprecher aus Stuttgart war die ganze Zeit bei dem Termin dabei. Der arme Schrankenwärter war verständlicherweise etwas eingeschüchtert und sagte kaum etwas. Den Artikel konnte ich dann vergessen.

Umso mehr freut es mich nun, dass Philipp Lahm jemand ist, der den Mut hat, Unbequemes anzusprechen. Man kann darüber streiten, wie offen jemand seine Vorgesetzten kritisieren darf. Und Lahm treibt es ziemlich weit. Aber mein Gott, er beleidigt doch niemanden. Er sagt einfach mal, was jedem einleuchtet. Und dafür bekommt er nun ein richtig dickes Bußgeld vom Verein aufgedrückt. Ich hoffe, dass Lahm sich davon nicht allzu sehr beeindrucken lässt.

Freitag, 23. Oktober 2009

Print ist angehaltene Zeit

Das Internet ist ein ewiger Fluss. Ein Print-Produkt aber ist für einen Moment angehaltene Zeit. Und ab und zu sollte jeder mal anhalten, um den Überblick zu behalten.

"Geo"-Chef" Peter Matthias Gaede im Meedia-Interview

Sonntag, 18. Oktober 2009

Lenz: Wer leise redet, wird gehört

Wenn Siegried Lenz auf sich aufmerksam macht, dann tut er das mit einem Buch. Das ist für Schriftsteller ja nicht mehr selbstverständlich. Doch ein Mann, der diesem Land mehr als eine Deutschstunde gegeben hat, braucht den Lärm der Literaturbetriebe nicht. Auch dafür wird er geliebt.
Tolle Seite-3-Reportage in der SZ am Samstag.

Thalia versklavt die Buchverlage

Thalia versklavt die Buchverlage. Oder wie die SZ schreibt: "Welche Literatur in den Ladenregalen steht und beworben wird, das liegt immer seltener in der Hand der Verlage. Die Buchwelt klagt zwar stets über das Internet. Doch inzwischen ist klar, dass es zur Zerstörung einer ganzen Branche keiner neuen Medien bedarf: Große Ketten wie Thalia besorgen das auf ihre Weise."

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Hoffnungsträger des Journalismus?

Das Medium Magazin kürt jedes Jahr 30 Nachwuchs-Talente. Oder wie die Redaktion schreibt: "Neue Hoffnungsträger für den Journalismus". Aber braucht der Journalismus überhaupt neue Hoffnungsträger? Es klingt ein bisschen wie: Die aktuellen Journalisten bringen's nicht mehr. Es erinnert an Hoffnugsträger im Fußball, an den Aufstieg und Absturz von Sebastian Deisler (PS: grandioses Interview dazu in der Zeit). Die Medien erschaffen solche Stars erst. Das Talent und Können bringen sie natürlich mit, aber zum Ruhm helfen die Medien. Aber müssen nun wirklich die Medien auch noch Medienschaffende hypen? Es reicht doch, wenn sich einige Medienschaffende selbst hypen.

Die absurden Mitgliedsbeiträge des Deutschen Journalisten-Verbandes

Alle paar Jahre, wenn ich die Höhe der Beiträge vergessen habe, denke ich mir, ich könnte ja eigentlich mal Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband (djv) werden. Dann aber erfahre ich, dass die Mitgliedschaft zumindest 27 Euro kostet. Super, denke ich mir, das ist ein fairer Jahressatz. Es sind aber 27 Euro im Monat. Selbst Studenten sollen noch zwölf Euro im Monat zahlen. Wer das kann und will, ist mir schleierhaft.

Der djv hat zwar einiges zu bieten, aber was davon benötigt man wirklich? Einen Presseausweis kann man auch über eine Zeitung, für die man schreibt, bekommen. Das Verbands-Magazin "journalist" lässt sich einzeln (zwölf Euro das Heft!) oder im Abo bestellen. Und juristische Hilfe etc. braucht man ja auch nicht wirklich alle Tage.

Vielleicht verlangt der djv soviel, weil er glaubt, Journalisten würden soviel verdienen wie der Verband fordert. In dem Dokument "Übersicht über Honorare Internet 2009" steht zum Beispiel, dass ein freiberuflicher Online-Redakteur zwischen 250 und 500 Euro pro Tag verdient (vor Steuern) Für einen kurzen Artikel, der im Internet erscheint, soll es zwischen 120 und 400 Euro geben. Als angemessenes Honorar pro geschriebenem Zeichen empfiehlt der djv 12 Cent.

Meine Herren. Wo leben die Verantwortlichen des djv eigentlich? 500 Euro Honorar pro Tag? 400 Euro für einen eher kurzen Artikel? Schön wäre das. Dann bräuchte ich nicht einmal eine Woche pro Monat zu arbeiten, um wie ein König zu leben. Zur Not würden auch mal drei Tage reichen.

Die Tagessätze, die ich kenne sehen anders aus. Als junger freiberuflicher Online-Redakteur kann man so zwischen 100 und 170 Euro pro Tag erwarten. Für einen Artikel wird selbst im Print so zwischen 50 Cent und einem Euro pro Zeile bezahlt. Bei den überregionalen Zeitungen. Im Schnitt rechne ich mit 70 Euro für einen Artikel. Größere Artikel, Reportagen etc. können auch ein paar Hundert Euro einbringen, dafür benötigt man aber schnell mehrere Tage bis vielleicht sogar mehrere Wochen für die Recherche. Und zuletzt zu den 12 Cent pro Zeichen. Die Wochenzeitungsredaktion, für die ich zuletzt geschrieben habe, zahlt 1,3 Cent pro Zeichen. Das sind dann rund 40 Euro für eine A4-Seite Text. Von dem Einkommen muss man noch Steuern, Krankenkassenbeiträge, Rentenbeiträge, die private Altersvorsorge und natürlich das übliche wie Versicherungen, Telefon, Strom und Miete bezahlen.

Man kann also als freier Journalist mehr schlecht als recht überleben. Wenn man als freier Redakteur arbeitet, kommt man relativ gut über die Runden, aber selbst dann kann man eigentlich nicht mehrere Hundert Euro für Altervorsoge etc. beiseite legen.

Knapp 30 Euro, die der djv verlangt, entsprechen also bei einem reinen freien Autoren schnell dem Betrag, den er im Schnitt pro Tag verdient. Oder anders gesagt: Zehn Prozent von dem Geld, das ihm zum Leben bleibt.

Natürlich werden manche freien Journalisten auch besser bezahlt, wie es zum Beispiel die neue djv-Studie nahelegt, aber realer ist wohl eher das Schicksal einer Journalistin wie es die "Zeit" beschrieben hat (Schreiben macht arm).

Ich würde mal sagen, mehr als fünf Euro dürfte die djv-Mitgliedschaft nicht kosten. Für Auszubildende, Studenten etc. die Hälfte. Reporter ohne Grenzen und Netzwerk Recherche machen es vor und verlangen 60 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr. Besondere Leistungen - wie auch das Magazin "journalist" - könnte der djv extra in Rechnung stellen, wenn er es ansonsten nicht finanzieren kann.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Fall Westerwelle: Politiker müssen nicht perfekt englisch sprechen

Westerwelle wird belächelt, weil sein englisch nicht perfekt ist. Die SZ verweist heute in einer Meldung auf zwei YouTube-Videos. So hat auf einer Pressekonferenz ein Journalist der BBC Westerwelle eine Frage auf englisch gestellt und bat auch um eine Antwort auf englisch. Westerwelle ging, wie ich finde zurecht, nicht darauf ein. "Wir sind in Deutschland hier", sagte er. Wieso spricht ein Berlin-Korrespondent der BBC, der er vermutlich war, kein deutsch?

Ein anderer Clip zeigt wieder eine Pressekonferenz, auf der er eine Frage auf englisch beantwortet. Er schafft es, muss aber lange nach Worten suchen.

Aber mal ehrlich: Warum muss ein Politiker in Deutschland fragen auf englisch beantworten, ja überhaupt verstehen? Wer bitte schön versteht deutsch in England oder den Staaten? Sicher, englisch ist Weltsprache, aber von einem Politiker erwarte ich, dass er kompetent in politischen Dingen ist, nicht, dass er mehrere Sprachen fließend spricht. Und ist es nicht auch verdammt schön, dass in diesen Zeiten, in denen panische Bildungsbüger-Eltern ihre Kinder schon mit ein, zwei Jahren englisch, russisch und chinesisch beibringen, selbst der Außenminister kein Englisch-Genie ist? Man kann es noch in die höchsten Staatsämter schaffen, auch, wenn man sich nicht dem globalen Bildungsdiktat unterworfen hat, manche würden sagen, obwohl man Schwächen hat. Ich hoffe, dass das noch lange so bleibt.

Mittwoch, 30. September 2009

Abschied von der SPD

Die Seite 3-Reportage der Süddeutschen Zeitung zeigt heute, wie bei der SPD die letzten guten Leute, die die Partei noch hat, fallen gelassen werden (siehe: Wie man einen Mann versenkt).

Wenn einem als heutiger junger Mensch soziale Gerechtigkeit wichtig ist, einem die Grünen und die Linkspartei aber zu extrem und zu wenig massen- und realitätstauglich sind, um sie sich theoretisch als alleinregierende Partei vorzustellen, dann hat man ein Problem.

Schon Schröder hat den Abstieg der SPD besiegelt, als er statt Sozialdemokratie Hatz IV unters Volk brachte. Die SPD hat sich selber abgeschossen. Und irgendwie muss man ihr dafür dankbar sein. Man stelle sich nur vor, sie hätte noch einmal vier Jahre in einer großen Koaltion herumgedümpelt. Oder man stelle sich vor, es hätte bei der Bundestagswahl eine rot-rot-grüne Mehrheit gegeben. Eigentlich hätte ich das gut gefunden. Aber Steinmeier schloss ja ein Bündnis mit den Linken aus. Vermutlich hätte es ein ewiges und ermüdendes Ringen und am Ende ein Debakel wie in Hessen gegeben. Nein Danke! Wenn die SPD glaubt, in einer Demokratie könne sich eine Partei vor unliebsamen Koalitionen drücken, obendrein wenn es sich um eine Koalition mit ähnlicher politischer Richtung handelt, dann hat diese Partei nichts in der Regierung verloren.

Wenn ich ehrlich bin, dann bin ich froh, dass Deutschland eine schwarz-gelbe Regierung bekommen hat. Diese Regierung wird nicht so sehr meine Interessen vertreten, wie ich es mir wünsche, aber sie ist zumindest erfahren, regierungskompetent, nicht zerstritten und handlungsfähig.

Ich habe trotz allem - vielleicht aus Verzweiflung, vielleicht aus absurder Hoffnung heraus - bei dieser Wahl zum ersten mal mit politischem Bewusststein und aus politischer Überzeugung die Sozialdemokraten gewählt (früher habe ich mich nur vom Bauchgefühl und meinem Umfeld leiten lassen). Vielleicht war es für lange Zeit das letzte Mal.

Dienstag, 29. September 2009

Print muss sich nicht abhängen lassen

Eigentlich hätte sich an der dieswöchigen Spiegel-Ausgabe mal wieder gezeigt, warum Print für hochaktuelle Anlässe nicht wirklich geeignet ist.

Der Spiegel erscheint üblicherweise sonntags. Da hätten die Leser aber eine ganze Woche auf die Auswertung der Bundestagswahl warten müssen. Das Hamburger Magazin fand eine elegante Lösung.

Der Spiegel wurde einen Tag vorgezogen und erschien bereits am Samstag und seit Montag liegt ein Sonderheft zur Wahl an den Kiosken. Aktualitätsprobleme der gedruckten Presse sind also nicht zwingend eine Medienfrage, sondern vielmehr eine Flexibilitätsfrage.

Freitag, 25. September 2009

In eigener Sache

Dieses Blog hat vor kurzem eine neue Optik bekommen. Darüber hinaus gibt es ein paar deutliche Änderungen. Die wichtigste: Ich blogge nun unter meinem richtigen Namen und nicht mehr unter meinem Pseudonym. Zugegeben: Wirklich anonym war dieses Blog nie, aber die Inhalte waren oft recht privat.

Die berufliche Visitenkarte jansoefjer.twoday.net habe ich stillgelegt. Die Artikel hier eingebunden. Privatere Dinge veröffentliche ich nun in der Regel auf Facebook. Dieses Blog hingegen soll einem professionelleren Anspruch genügen, weshalb ich mich hier jetzt vor allem mit dem Journalismus, den Medien und am Rande mit dem literarischem Schreiben beschäftigen werde. Ergänzt wird dieses durch kritische Gedanken, Alltagsnotizen und Reflexionen über meine Arbeit und letzte Ausbildung als Reporter.

Im Rahmen der Blogüberarbeitung habe ich vieles aufgeräumt - was bei rund 1000 Seiten A4-Text an Inhalten recht zeitraubend war - und die Rubriken überarbeitet. Hinzugekommen sind unter anderem "digitale welt", "freie presse" und "zukunft der presse". Rechts oben gebündelt sind nun Verweise auf von mir geschriebene und von mir empfohlene Artikel.

PS: Ich habe es gewagt, mich bei Twitter anzumelden. Der erwartete mediale Overkill ist bisher zum Glück ausgeblieben. Mal schauen, wie es sich entwickeln wird. Der Austausch dort ist allerdings bemerkenswert direkt - auch oder vor allem, was den Medienjournalismus betrifft.

Wie gerecht ist Deutschland?

Niedriglohn, Gesundheitssystem, Entlassungen und Generationen-Gerechtigkeit: Wie gerecht ist Deutschland? Von der Zugspitze bis nach Sylt sind die ZDF-Reporter unterwegs.

Die beste und bewegendste TV-Reportage, die ich bisher gesehen habe. [Ansehen ...]

Famoses Boris Becker-Portrait

Jochen Martin-Gutsch hat für den "Spiegel" ein fantastisches Portrait über Boris Becker geschrieben. Ein journalistisches Glanzstück durch und durch.

Junger, alter Mann
Fragt man Becker heute nach seinem Beruf, dann sagt er Geschäftsmann. Vor allem aber ist er ein 41 Jahre altes Denkmal. Er lebt vom Ruhm und Geld vergangener Tage, und manchmal spürt man, dass ihm das bewusst ist. Dann kriecht die Furcht hervor, dass der Höhepunkt bereits vorbei sein könnte. Ein junger, alter Mann. Ein Frührentner. Ein Luxus-Arbeitsloser. [online lesen ...]



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