Mord, KGB-Knast, Flucht: Über ein Treffen mit einer Exil- Journalistin in Litauen

Natalia Radina in Vilnius. Foto: Jan Söfjer
Im Kino machen Journalisten immer eine gute Figur. Sie reisen durch Afrika, recherchieren über korrupte Politiker oder irgend ein anderes heißes Thema. Braucht ein Drehbuchautor einen Protagonisten, der einer großen Sache auf der Spur ist, gibt es quasi nur drei Professionen, die in Frage kommen: Ermittler, Agent oder Reporter. Leider sieht der Arbeitsalltag von allen drei Berufsgruppen in der Realität ganz anders aus. Viele Journalisten sind schon froh, wenn sie mal für zwei Stunden das Büro verlassen dürfen, um auf einen kleinen Termin zu gehen. Andere recherchieren und schreiben erst gar nicht, sondern bearbeiten nur Content. Insofern war es eine große Sache für mich - auch, wenn ich kein Content-Knecht mehr war und das Thema keine Weltverschwörung.
Es begann mit einer Meldung auf der Seite des österreichischen Standard (vermutlich über den Newsroom-Newsletter entdeckt). "Weißrussische Journalistin beantragt Asyl in Litauen" stand da. Die Journalistin sei in den KGB-Knast geworfen worden, weil sie über die Proteste bei Lukaschenkos Wiederwahl berichtet habe. Danach sei sie nach Litauen geflohen, wo schon Kollegen von ihr seien. Eine weißrussische Online-Redaktion im Exil? Das klang interessant. Erst Recht als ich erfuhr, dass der Gründer und Herausgeber des Portals ermordet worden war.
Doch erst einmal passiert nichts, weil ich zuviel um die Ohren habe. Schließlich nehme ich Kontakt mit der Journalistin auf, doch die E-Mail-Kommunikation ist nicht leicht, ihr Englisch nicht gut, wie sie sagt (was eigentlich nicht stimmt). Es dauert Wochen, bis Nachfragen von mir beantwortet werden. Bekannte von mir übersetzen meine Mails daraufhin ins Russische. Die Antworten kommen plötzlich sehr schnell.
Das Medienmagazin journalist zeigt Interesse an der Story und übernimmt den Flug sowie die Kosten für Dolmetscher und Hotel. Fast wäre dann doch noch alles geplatzt, weil meine Protagonistin den Termin absagt, als ich bereits in Vilnius bin und mich auf das Interview vorbereite. Im Kino fürchten die Reporter nie so wirklich, dass ihnen die Redakion den Kopf abreist, wenn sie die Spesen in den Sand setzen, und erst Recht machen sie sich keine Gedanken, wie sie daheim ihre Miete bezahlen sollen, wenn die Story platzt. Doch am Ende erwische ich die Exil-Journalistin. [zum Artikel ...]
7an - 2012-04-11 22:24


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