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Donnerstag, 2. Juli 2009

Hemingway: der Tod des alten Mannes

Heute vor 48 Jahren gegen 7 Uhr morgens geht Ernest Hemingway in seinen Lagerraum und lädt eine großkalibrige doppelläufige Schrotflinte, die er sonst zum Tontaubenschießen verwendet. Seine Frau schläft noch.

Hemingway ist 61 Jahre alt, psychisch und körperlich ein Wrack. Er ist stark depressiv, fühlt sich verfolgt, hat Diabetes, Arteriosklerose, eine entzündete Aorta, einen Blutdruck von 250 zu 125 sowie einen Cholesterinwert von 380. Sein Leben als Draufgänger, Flugzeugabstürze, Unfälle und der exzessive Alkoholkonsum haben ihn dazu gemacht.

Hemingway gab sich immer als Draufgänger, wollte immer dahin, wo es knallt, immer an die Kriegsschauplätze, wollte sich immer beweisen. Provozierte man ihn, überrollte er einen. Aber hinter dem Getöse steckte ein verunsicherter Mensch, einer, der ständig damit rechnete, dass ihm das Leben wieder eins auswischte, der nicht untergehen wollte, der von Selbstzweifeln geplagt war. Ein sensibler Mensch auf der Suche nach Bestätigung.

Am 2. Juni 1961 hat er zwei Selbstmordversuche hinter sich, wollte sich aus einem Flugzeug stürzen. Er landet in einem Krankenhaus auf einer Station für Suizidgefährdete. Er hat furchtbare Angst dort zu verrecken. Er, der immer die Oberhand behalten wollte, will auch dem Tod auf Augenhöhe begegnen und schafft es, den Ärzten vorzugaukeln, ihm gehe es besser.

Hemingway geht mit der Waffe in die Diele. Wahrscheinlich steckt er sich das Gewehr in den Mund, wie er es so oft seinen Gästen vorgemacht hat, aber dieses Mal ist es kein Spaß. Er drückt ab.

Montag, 29. Juni 2009

Das wahre Gesicht der CDU

Dass der Staat mich zwingt, meine persische Staatsbürgerschaft aufzugeben, damit vermittelt er den Eindruck, er will hier keine Ausländer haben, sondern nur reine Deutsche.
- Jubin Husseinifard, 13 Jahre alt*


Kinder ausländischer Eltern, die nach dem 1. Januar 2000 in Deutschland geboren wurden, haben von Geburt an sowohl die Staatsangehörigkeit der Eltern als auch die deutsche. Im Alter zwischen 18 und 23 müssen sie sich jedoch für oder gegen den deutschen Pass entscheiden. Die CDU/CSU beharrt hartnäckig darauf. Und da die Chancen für die Union gut stehen, die kommende Bundestagswahl zu gewinnen, wird das Staatsangehörigkeitsgesetz wohl auch so bleiben.

Ich denke, wenn es einen Grund gibt, bei der Wahl nicht für die Christdemokraten zu stimmen, dann ist es dieses Gesetz. Ich gebe zu: die SPD überzeugt mich auch nicht vollends. Ich mag Steinmeier, finde ihn aber bei seinen Wahlkampfreden zu grob. Aber er ist ja gar kein grober Mensch. Kurt Kister von der SZ schrieb, Steinmeiers Reden seien wie die Reckaufschwünge von Schülern: sie machen nie einen wirklich guten Eindruck.

Rein gefühlsmäßig finde ich die Union ein Stück weit kompetenter und Merkel keine schlechte Kanzlerin. Hängt vielleicht mit meiner tendenziell eher konservativ-liberalen Erziehung zusammen. Aber mittlerweile bin ich der Auffassung, dass links und rechts, sozial- und christdemokratisch doch nicht so nahe beisammen liegen, wie immer alle sagen. Es gibt zwar nicht mehr die großen Gräben wie noch vor Jahrzehnten, aber grundsätzlich haben beide Parteien einen anderen Geist. Und dieses schöne Beispiel da oben mit den Staatsbürgerschaften beweist es. Die Union will dem Bürger ja immer glauben machen, sie sei genauso sozial wie die SPD. Keine Partei würde sagen, sie sei nicht sozial, genauso wie keine zugeben würde, dass nicht dringend in Bildung investiert werden müsse. Mehrere unionsgeführte Bundesländer waren es aber, die den Weg für die Studiengebühren ebneten und sie schließlich einführten. Es sind Beispiele wie diese, die deutlich den Charakter einer Partei zeigen.

Aber die Menschen scheint das alles nicht zu interessieren. Vielleicht folgen sie diesem trügerischen Bauchgefühl, dass ihnen sagt, die Union ist (zusammen mit der FDP!) kompetenter darin, die Wirtschaftskrise zu meistern. Merkwürdig, dass gerade jetzt die Union auf dem besten Weg ist, die SPD aus der Koalition zu schmeißen, oder? Hat sich nicht gerade Peer Steinbrück, SDP, als besonders fähiger Krisenmanager, der der Finanzwelt die Stirn bieten, bewiesen?

*Siehe auch
Staatsbürgerschaft: Deutsche unter Vorbehalt (FR)

Apple und die Überheblichkeit

Apple macht es sich einfach: "Wir haben neue Nutzungsbedingungen. Wenn Sie iTunes weiterhin nutzen möchten, bestätigen Sie folgenden Text", so das Motto.

Ganz ehrlich: In diesen Roman können sie alles reinschreiben. Niemand bekommt fragwürdige Formulierungen mit. Eine Schweinerei. Wirklicher Kundenservice hieße, kurz und knapp zu erklären, was die Änderungen sind. Aber Apple hatte ja noch nie Interesse daran, mit seinen Kunden wirklich in Kontakt zu treten. Die Kunden dürfen die Produkte vergöttern und ansonsten sollen sie die Schnauze halten.

Mittwoch, 24. Juni 2009

Die Dummheit der Zeitungsmacher

Überall hört und liest man, dass das Internet den Zeitungen das Wasser abgräbt und so ganz falsch ist das ja auch nicht. Genauso endet aber jeder Beitrag mit dem Fazit, die Zeitung habe auch in Zukunft eine Berechtigung, weil sie hintergründer etc. pp. als das Netz sei. Das ist alles sehr schön und richtig, aber leider geht das an der Realität vorbei, denn sehr sehr viele lokale und regionale Zeitungen sind ziemlicher Schrott. Da besteht dann schon einmal der gesamte Mantel aus Agenturmeldungen. Das reine Veröffentlichen dieser ist aber die primäre Aufgabe des Internet-Journalismus. Das einzige, was dann solche Zeitungen noch auszeichnet sind ihre lokalen Geschichten. Da jedoch findet der Leser oftmals nur noch belangloses Stückelwerk von völlig überlasteten Redakteuren, freien Mitarbeitern und Praktikanten zusammengekleistert. Und dann sagen die Verantwortlichen auch noch, dass der Leser von heute, gerade die jungen, keine langen Texte, und das heißt wohl auch, keine anspruchsvollen Texte mehr lesen wollen, dass sie sich nicht mehr konzentrieren können, sprich zu dumm sind für das Kulturgut Zeitung. So, meine lieben Zeitungsmacher, wird es euch und euer Produkt bald wirklich nicht mehr geben. Und Schuld wird nicht das Internet sein.

Nachtrag: Der Text wurde auch als Gastbeitrag auf Onlinejournalismus.de veröffentlicht.

Montag, 22. Juni 2009

Zum Geburtstag Erich Maria Remarques

Auf die Minute genau vor 111 Jahren wurdest Du geboren. Im kleinbürgerlichen Osnabrück in einfachsten Verhältnissen. Du hast Deine Heimat nie abschütteln, nie vergessen können, auch, wenn Du zum Weltbürger gemacht und ins Exil getrieben wurdest, auch, wenn Du das Kleinbürgerliche verachtest hast und Frauen wie Marlene Dietrich an Deiner Seite waren. Deine Wurzeln blieben immer in der deutschen Provinz, im Pappelgraben hinter der Stadtmauer und in der Traumbude des Bohemien Fritz Hörstemeier.

Deine Jugend hast Du im ersten Weltkrieg verloren, auch, wenn Du nur kurz an der Front warst. Du hast die radikale politische Verführung und den Krieg als das begriffen was sie waren: als sinnloses gegenseitiges Aufhetzen und als gegenseitiges Ermorden ängstlicher junger Männer, denen ihr Vorgesetzter ein größerer Feind war als der Fremde im anderen Graben.

Wenige hatten den Mut, Charakter und Verstand, Dich zu loben. Die meisten haben Dich angegriffen, kritisiert und in den Dreck gezogen, dabei hast Du immer nur mit sicherem Zeitgeistgefühl und großem Können das aufgeschrieben, was war - sei es im Roman "Im Westen nichts Neues"* oder in jedem Werk danach. Nie hast Du Dich wichtig gemacht, immer nur mit warmherzigem, sensiblem und humanistischem Ton am Leben festgehalten. Du warst berühmt und vermögend, ein Dandy, aber nie arrogant. Du warst wie die jungen Männer in Deinen Büchern: irgendwie immer einsam und voller existenzieller Selbstzweifel. Wirklich wohl gefühlt hast Du Dich vielleicht nur in alkoholgeschwängerten Nächten mit einfachen Menschen philosophierend. Du bist das Gegenteil von den Möchtegernstars von heute, Du bist wie Dein Werk: unsterblich und immer ein Vorbild. Alles Gute zum Geburtstag, Erich!

*Hier oder hier kann man "Im Westen nichts Neues" lesen oder sich ausdrucken!

Die Qual hinter dem Werk

Alle Leser bewunders die Texte guter Schriftsteller und Journalisten. Was sie aber in der Regel nicht sehen, ist die Qual, die hinter der Arbeit steht. Und müssten die dem Schreiprozess beiwohnen, würden sie sicher auf so manches Werk verzichten.

Sonntag, 21. Juni 2009

Tod eines iranischen Mädchens

Es gibt Bilder, die die Kraft haben, die Geschichte zu ändern. Das Bild von dem Mädchen, dass im Vietnamkrieg nackt und Napalm verbrannt flüchtet, ist so eins. Das Bild ging um die Welt und half die Pro-Kriegs-Stimmung im amerikanischen Volk zu kippen.

Jetzt, im Juni 2009, geht wieder ein Bild um die Welt, das Bild, das Video einer sterbenden jungen Frau. Neda heißt sie. Getroffen von einer Regierungskugel stirbt sie zu Füßen ihrer Freunde. Stirbt auf den Bildschirmen der ganzen Welt. Neda ist das Symbol des Widerstandes, eine unfreiwillige Märtyrerin.

Die Echtheit kann natürlich niemand bestätigen, aber wer sollte so etwas fälschen? Vor allem, da wirklich und offiziell bestätigt Menschen bei den Protesten ums Leben kamen.

Ich wurde ehrlich gesagt überrascht von den Demonstrationen, hätte nicht gedacht, dass das iranische Volk sich so auflehnt, dachte, dass alles wieder schnell vorbei ist. Aber es hat sich offensichtlich viel aufgestaut in den Menschen. Sehr viel. Irankenner sagen schon lange, dass die Menschen dort nicht radikal sind, dass sie unter ihrer Regierung leiden. Offenbar wollen sie jetzt einen Schlussstrich ziehen. Und Neda, ihre Heilige, trägt die Botschaft, den Hilferuf in die Welt hinaus.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Reportage schreiben

Vor der VHS in Reutlingen

Vor einem Café sitzen und die Ereignisse der Toskana-Reise aus dem Blog holen. Überlegen, welche Szenen man für die Reportage braucht. Wie will sie komponiert sein? Es ist ein langsamer, tagelanger Weg bis zur fertigen Geschichte. Aber was könnte schöner sein?

Samstag, 6. Juni 2009

Die entzauberte Welt

Über das Blog eines Bekannten Reisenotizen aus Asien gefunden. Und wieder wird mir vor allem eines deutlich: Asien ist nichts besonderes mehr. Standardurlaub. Jeder Zwanzigjährige Student aus der deutschen Provinz ist dort. Ich sehe Bilder wie dieses. Es könnte auch in Ostdeutschland geschossen worden sein. Gibt es überhaupt einen Unterschied? Dazu Texte wie dieser:

Mittags gings dann gleich hoch zum Wat Doi Suthep, einer Tempelanlage mit City View ueber Chiang Mai. Fantastisch!
Zuruck im Guesthouse wollte ich mich eigentlich aufs Ohr hauen, zum Glueck kam mir ne gemischte Reisegruppe aus Englaendern (Tom, Glyn, Dave) Hollaendern (Bart und Anhang, Sorry muss mich nochmal nach dem Namen erkundigen...) und einer Australierin (Ema) dazwischen, die mich gleich zum Feiern animiert haben. Echt ein geiler Trupp! So much Fun!

Es geht um ein fremdes Land, aber für mich klingt es mehr nach Discopark und Ballermann. Gibt es also überhaupt noch etwas auf dieser Welt zu entdecken? Und wenn ja, was, wo doch selbst der Mount Everest mit Touristengruppen überschüttet wird? Es steht wohl so: Es gibt viel zu entdecken und wird immer etwas zu entdecken geben. Aber der Ort spielt keine Rolle mehr. Das Besondere kann genauso im deutschen Dorf wie in der thailändischen Stadt wie an der australischen Küste liegen. Das Ferne per se hat jegliche Exotik, jeglichen Reiz verloren. Die Terra incognita ist restlos vom weißen Mann erobert.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Trinkende Journalisten

Fast 10 Liter Bier oder vier Flaschen Wein trinken Medienmacher laut dem britischen Gesundheitsministerium. Das sei doppelt so viel wie die empfohlene Obergrenze.

Damit liegen die Medienmacher unangefochten an der Spitze, was das Trinkausmaß betrifft und übertreffen die IT-Angestellten bei weitem. An dritter und vierter Stelle folgen der Dienstleistungssektor bzw. der Finanz-, Versicherungs- und Immobilienbereich.

Hendrik Zörner, Pressesprecher des Deutschen Journalisten Verbandes sagt dazu: "Dass Angestellte in Medienbetrieben, insbesondere Journalisten, einen stärkeren Bezug zu alkoholhaltigen Getränken haben als andere Berufsgruppen, ist eine Klischeevorstellung, die pauschal so sicher nicht zutrifft."

Klischee?

Was für eine Verleumdung. Glaubt er ernsthaft, am Journalismus mache nur das Recherchieren und Schreiben Spaß? Vielleicht sollte ich eine Intitiative starten: Für die feste Etablierung des Alkoholkonsums im Berufsbild des Journalisten.

Bei der Gelegenheit möchte ich gleich den Talisker Distillers Edition empfehlen. Habe ihn zu einem Sonderpreis beim Whisky-Store erstanden und anscheinend war ich nicht der einzige, da die Flasche aus dem Sortiment verschwunden ist. Ein Jammer. Es ist der edelste Single-Malt-Scotch, den ich bisher kenne. 14 Jahre gereift. Finish im Sherry-Oloroso-Fass. Er riecht nach dunklen alten Holzfässern, in denen schwerer Portwein lagert, nach weichem Brandy in schwülen Mittelmeernächten, dazu dunkle Schokolade, angegorene Früchte und ein bisschen Rauch. Im Mund kommt der rauhe schottische Charakter wieder durch, den man vom klassischen Talisker so gut kennt, Pfeffer sticht im Gaumen. Der Abgang ist kräftig und lange wärmend (siehe auch die Talisker-Edition sowie die Beschreibung hier)

(Quellen: Pressetext via Turi, Guardian)

Sonntag, 24. Mai 2009

Du bist Terrorist

Du bist Terrorist from lexela on Vimeo.

Via http://www.dubistterrorist.de

Donnerstag, 21. Mai 2009

Terminator am Dreh



Bei den Dreharbeiten zu Terminator Salvation ist ein Kameramann zwei Mal bei einer Szene durch das Bild gelaufen. Es gibt Filme, bei denen die Anspannung der Schauspieler geringer ist, bei denen sie so etwas nicht allzu sehr aufregt. Bei einem Terminator-Dreh regt es die Akteure aber auf - zumindest Christian Bale. Immerhin ist der Mitschnitt ein Beleg dafür, dass er es sich in seiner John Connor-im-Krieg-Rolle perfekt eingerichtet hat. Mehr dazu bei Wikipedia.



PS: Den Filmtrailer unbedingt im Vollbild und in hoher Qualität ansehen.



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