[>>]
blogheaderr

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Recherchereise in der Toskana

Zeitenspiegel-Reportageschüler im Gespräch  mit dem italienischen taz-Korrespondenten Michael Braun. 30 Grad unter blauem Himmel war es in Italien. 15 Grad und Regen in Deutschland. Auch, wenn die italienische Hitze manchem am Ende zu schaffen machte, so sehnte sich doch niemand nach der Kälte hinter den Alpen. Am wenigsten unser VW-Bus. Auf einer schweizer Autobahn gab er auf. Platten.

Eine Woche waren meine Mitschüler der Zeitenspiegel-Reportageschule Günter Dahl und ich im Juni in der Toskana unterwegs gewesen. Recherchereise für unser erstes großes Projekt. Ein eigenes Reportagemagazin.

Mit dem Deutsch-Italienischen-Stammtisch beim Abendessen im Bergdorf Castagno.Meine Geschichte "Depot der vergessenen Dampfrösser", eine Reportage über eine der ersten Gebirgseisenbahnen Europas, wurde nun auch auf Spiegel Online veröffentlicht. Mehr zu dem Heft auf reporterreisen.com oder bei Amazon.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Schadenfreude über Berlusconi-Angriff

Der italienische Premier Silvio Berlusconi wurde am Sonntagabend nach einer Veranstaltung seiner Partei, Popolo della Libertà, auf dem Mailänder Domplatz von einem psyisch kranken Mann angegriffen. Er schleuderte ihm eine Miniatur des Doms ins Gesicht. Die Oberlippe des 73-Jährigen Premiers wurde gespalten, zwei Zähne sind gesplittert und die Nasenscheidewand ist gerissen.

Wenn ein Regierungschef angegriffen wird, ruft das in der Regel Bestürzung hevor. In Italien scheinen sich große Teile der Bevölkerung über die Tat zu freuen. Alleine eine einzige Facebook-Gruppe namens "Statuetta in miniatura del Duomo di Milano" wuchs in weniger als 48 Stunden auf bereits mehr als 18.000 Mitglieder an.

Man kann das so verstehen, dass die akademische Jugend in Italien weitgehend über Berlusconis Politik und seine Skandale empört ist. Dass sie sich machlos fühlt. Man kann das als äußerst schlechtes Zeichen für den Premier sehen. Man kann die offene Schadenfreude über den Gewaltakt aber auch als Verachtung und Geringschätzung für das Amt des Premiers sehen - und damit für die Demokratie in Italien.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Mad Men: Schön aber langweilig



Habe eben ein paar Minuten in die Serie "Mad Men" reingeschaut. Erster Gedanke: "Was für eine coole Optik! So müssen die 60er in Amerika ausgesehen haben." Auch die gesellschaftliche Atmosphäre dieser Zeit kommt gut rüber - zum Beispiel die Geringschätzung von Frauen und wie sich sogar selber geringschätzen. Aber dann passiert nichts. Keine Story. Nur schöne Optik. Die Washtington Post schreibt sehr treffend: "Die Handlung ist trocken, eintönig und zusammenhangslos." Schade.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Unterschichten-Fernsehen

Das Unterschichten-Fernsehen zerlöchtert den Anspruch der Medien wie Holzwürmer einen Dachstuhl. Irgendwann kracht er runter und begräbt die Menschen unter sich.

Donnerstag, 26. November 2009

Das Ende der Einzigartigkeit

Der große Trend in der Verlagswelt heißt Sydication, Artikelaustausch unter Zeitungen, die zum selben Verlag gehören. Das ist jedoch Kinderkram im Vergleich zum noch größeren Trend: Ressortzusammenlegungen.

Es lässt sich viel Geld sparen, wenn das Ressort einer Zeitung die entsprechenden Ressort-Seiten aller Zeitungen des Verlages produziert. Es mag sogar sein, dass durch die größere Vielfalt an Autoren und Texten die Qualität gesteigert werden kann. Aber leider verlieren dadurch auch alle Blätter einen Teil ihrer Identität.

Als Leser entscheide ich mich für eine bestimmte Zeitung, weil mir die Sprache gewisser Autoren gefällt, weil ich die Themenauswahl und Heransgehensweise der Redakteure mag. Wenn sich das nun vermischt mit dem Stil von Journalisten anderer Zeitungen, so schwindet die Identifikation, die man als Leser mit einer Zeitung hat. Es schwindet genau das, wofür man Geld ausgibt.

Freitag, 20. November 2009

Journalisten müssen lesen

Wer ein guter Journalist werden oder bleiben will, sollte mehr Geld für Presse-Lektüre ausgeben als für Bier.

Sonntag, 8. November 2009

Es braucht Menschen wie Lahm

In unser heutigen Zeit, ist alles reglementiert. Frei nach seinem Mund kann man immer weniger reden. Jeder ist nur darauf bedacht, nichts falsches zu sagen, sich keinen Ärger einzuhandeln. Auch im Journalismus bringt das Probleme mit sich. Vor ein paar Monaten habe ich zum Beispiel einmal einen Bahnschrankenwärter besucht, über den ich ein Portrait schreiben wollte. Ein einfacher Schrankenwärter. Um mit diesem Menschen sprechen zu dürfen, musste ich mir die Erlaubnis der Presseabteilung in der Bahn-Konzernzentrale in Berlin holen. Alleine gehen durfte ich dann aber immer noch nicht. Ein Presssprecher aus Stuttgart war die ganze Zeit bei dem Termin dabei. Der arme Schrankenwärter war verständlicherweise etwas eingeschüchtert und sagte kaum etwas. Den Artikel konnte ich dann vergessen.

Umso mehr freut es mich nun, dass Philipp Lahm jemand ist, der den Mut hat, Unbequemes anzusprechen. Man kann darüber streiten, wie offen jemand seine Vorgesetzten kritisieren darf. Und Lahm treibt es ziemlich weit. Aber mein Gott, er beleidigt doch niemanden. Er sagt einfach mal, was jedem einleuchtet. Und dafür bekommt er nun ein richtig dickes Bußgeld vom Verein aufgedrückt. Ich hoffe, dass Lahm sich davon nicht allzu sehr beeindrucken lässt.

Freitag, 23. Oktober 2009

Print ist angehaltene Zeit

Das Internet ist ein ewiger Fluss. Ein Print-Produkt aber ist für einen Moment angehaltene Zeit. Und ab und zu sollte jeder mal anhalten, um den Überblick zu behalten.

"Geo"-Chef" Peter Matthias Gaede im Meedia-Interview

Sonntag, 18. Oktober 2009

Lenz: Wer leise redet, wird gehört

Wenn Siegried Lenz auf sich aufmerksam macht, dann tut er das mit einem Buch. Das ist für Schriftsteller ja nicht mehr selbstverständlich. Doch ein Mann, der diesem Land mehr als eine Deutschstunde gegeben hat, braucht den Lärm der Literaturbetriebe nicht. Auch dafür wird er geliebt.
Tolle Seite-3-Reportage in der SZ am Samstag.

Thalia versklavt die Buchverlage

Thalia versklavt die Buchverlage. Oder wie die SZ schreibt: "Welche Literatur in den Ladenregalen steht und beworben wird, das liegt immer seltener in der Hand der Verlage. Die Buchwelt klagt zwar stets über das Internet. Doch inzwischen ist klar, dass es zur Zerstörung einer ganzen Branche keiner neuen Medien bedarf: Große Ketten wie Thalia besorgen das auf ihre Weise."

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Hoffnungsträger des Journalismus?

Das Medium Magazin kürt jedes Jahr 30 Nachwuchs-Talente. Oder wie die Redaktion schreibt: "Neue Hoffnungsträger für den Journalismus". Aber braucht der Journalismus überhaupt neue Hoffnungsträger? Es klingt ein bisschen wie: Die aktuellen Journalisten bringen's nicht mehr. Es erinnert an Hoffnugsträger im Fußball, an den Aufstieg und Absturz von Sebastian Deisler (PS: grandioses Interview dazu in der Zeit). Die Medien erschaffen solche Stars erst. Das Talent und Können bringen sie natürlich mit, aber zum Ruhm helfen die Medien. Aber müssen nun wirklich die Medien auch noch Medienschaffende hypen? Es reicht doch, wenn sich einige Medienschaffende selbst hypen.

Die absurden Mitgliedsbeiträge des Deutschen Journalisten-Verbandes

Alle paar Jahre, wenn ich die Höhe der Beiträge vergessen habe, denke ich mir, ich könnte ja eigentlich mal Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband (djv) werden. Dann aber erfahre ich, dass die Mitgliedschaft zumindest 27 Euro kostet. Super, denke ich mir, das ist ein fairer Jahressatz. Es sind aber 27 Euro im Monat. Selbst Studenten sollen noch zwölf Euro im Monat zahlen. Wer das kann und will, ist mir schleierhaft.

Der djv hat zwar einiges zu bieten, aber was davon benötigt man wirklich? Einen Presseausweis kann man auch über eine Zeitung, für die man schreibt, bekommen. Das Verbands-Magazin "journalist" lässt sich einzeln (zwölf Euro das Heft!) oder im Abo bestellen. Und juristische Hilfe etc. braucht man ja auch nicht wirklich alle Tage.

Vielleicht verlangt der djv soviel, weil er glaubt, Journalisten würden soviel verdienen wie der Verband fordert. In dem Dokument "Übersicht über Honorare Internet 2009" steht zum Beispiel, dass ein freiberuflicher Online-Redakteur zwischen 250 und 500 Euro pro Tag verdient (vor Steuern) Für einen kurzen Artikel, der im Internet erscheint, soll es zwischen 120 und 400 Euro geben. Als angemessenes Honorar pro geschriebenem Zeichen empfiehlt der djv 12 Cent.

Meine Herren. Wo leben die Verantwortlichen des djv eigentlich? 500 Euro Honorar pro Tag? 400 Euro für einen eher kurzen Artikel? Schön wäre das. Dann bräuchte ich nicht einmal eine Woche pro Monat zu arbeiten, um wie ein König zu leben. Zur Not würden auch mal drei Tage reichen.

Die Tagessätze, die ich kenne sehen anders aus. Als junger freiberuflicher Online-Redakteur kann man so zwischen 100 und 170 Euro pro Tag erwarten. Für einen Artikel wird selbst im Print so zwischen 50 Cent und einem Euro pro Zeile bezahlt. Bei den überregionalen Zeitungen. Im Schnitt rechne ich mit 70 Euro für einen Artikel. Größere Artikel, Reportagen etc. können auch ein paar Hundert Euro einbringen, dafür benötigt man aber schnell mehrere Tage bis vielleicht sogar mehrere Wochen für die Recherche. Und zuletzt zu den 12 Cent pro Zeichen. Die Wochenzeitungsredaktion, für die ich zuletzt geschrieben habe, zahlt 1,3 Cent pro Zeichen. Das sind dann rund 40 Euro für eine A4-Seite Text. Von dem Einkommen muss man noch Steuern, Krankenkassenbeiträge, Rentenbeiträge, die private Altersvorsorge und natürlich das übliche wie Versicherungen, Telefon, Strom und Miete bezahlen.

Man kann also als freier Journalist mehr schlecht als recht überleben. Wenn man als freier Redakteur arbeitet, kommt man relativ gut über die Runden, aber selbst dann kann man eigentlich nicht mehrere Hundert Euro für Altervorsoge etc. beiseite legen.

Knapp 30 Euro, die der djv verlangt, entsprechen also bei einem reinen freien Autoren schnell dem Betrag, den er im Schnitt pro Tag verdient. Oder anders gesagt: Zehn Prozent von dem Geld, das ihm zum Leben bleibt.

Natürlich werden manche freien Journalisten auch besser bezahlt, wie es zum Beispiel die neue djv-Studie nahelegt, aber realer ist wohl eher das Schicksal einer Journalistin wie es die "Zeit" beschrieben hat (Schreiben macht arm).

Ich würde mal sagen, mehr als fünf Euro dürfte die djv-Mitgliedschaft nicht kosten. Für Auszubildende, Studenten etc. die Hälfte. Reporter ohne Grenzen und Netzwerk Recherche machen es vor und verlangen 60 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr. Besondere Leistungen - wie auch das Magazin "journalist" - könnte der djv extra in Rechnung stellen, wenn er es ansonsten nicht finanzieren kann.



Neuester Kommentar

auf der einen seite kann...
auf der einen seite kann ich diese schadenfreude nachvollziehen....
ratatosk - 2009-12-20 09:58
Als Teil der italienischen...
Als Teil der italienischen akademischen Jugend empfinde...
Barbarina - 2009-12-15 19:44
danke
danke
7an - 2009-12-11 15:03

Suche

 


Geschossen

www.flickr.com