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Gedanken

Sonntag, 30. März 2008

Die Ruhe des Sommers



Räume haben im Sommer eine andere Seele als zu anderen Jahreszeiten. Und Sommer muss hier als der gefühlte Sommer verstanden werden.

Sommer, das ist für mich, wenn daheim im Haus meiner Eltern mein Zimmerfenster so weit offen steht, dass der Apfelbaum schon halb im Raum liegt. Sommer ist, wenn man nichts anderes zu tun hat, als die Ruhe zu beobachten. Die Ruhe, die auf den Straßen und auf den Wiesen liegt. Die Ruhe, mit der die Vögel im Baum sitzen und die Ruhe, mit der der Wind durch die Viertel schlendert.

Die Sommerruhe ist fern jeder Zeit. Wir haben sie schon als Kinder bestaunt, wenn die Tage lang und unentdeckt vor uns lagen - damals, als unsere Zeit noch so groß war, dass uns drei Wochen, wie ein halbes Leben vorkamen.

Auch mein jetziges Zimmer ist ein gutes Sommerzimmer. Seit heute ist Sommerzeit. Das Thermometer ist auf über 20 Grad geklettert und die Zapfen auf der großen, hellen Tanne vor meinem Balkon knacken den ganzen Tag die Winterkälte aus ihrem Holz.

Es fängt an. Das Licht wird milder und der Wind sanfter. Mir scheint, dieses Jahr, wird das Gehenlassen und das Treibenlassen, die Ruhe und die Gelassenheit besonders groß sein. Ich jedenfalls wünsche euch einen schönen Sommer!

Samstag, 9. Februar 2008

Über den Wahnsinn der Freiheit und den Hunger des Wissens und der Möglichkeiten

Warum nicht arbeiten? Was soll man sonst machen? Man hängt ja eh nur rum und verdamelt Zeit. Und wenn die Arbeit nicht zu stressig ist - was sie leider fast immer ist, Betonung liegt auf "zu", es fehlt die Muße, die Zeit, sich einmal wirklich einem Thema widmen zu können, anstatt wie ein Teppichhändler ständig Waren anzupreisen, die man eigentlich gar nicht kennt - also, wenn die Arbeit nicht zu stressig ist, ist ja auch alles toll. Kann und möchte nicht klagen. Bin froh mit allem. Aber ich sprach über Arbeit und Freizeit. Also dann hat man einmal frei, und man könnte sich fragen: Ach, wozu die Freizeit? Ich weiß doch mit mir gar nichts anzufangen. Denke ich bisweilen sogar selber. Denke ich. Bis es dann soweit ist, und die Zeit da ist.

Mein Gott, was für ein Stress, diese Freizeit. Ich komme um. Ich platze. Es zerreißt mich von allen Seiten. Trinke nur Kaffee, nur vor dem Rechner, Kekse und Kaffee, völlig verspannt, jage irrsinnig durch das Netz. Nicht dem Netz wegen. NEIN! Dem Leben wegen, das ich dort finde. Dem Wissen, der reinen Inspiration. Oh weh, ich könnte zehn Leben haben, voller Zeit für mich ganz alleine und es wäre zu eng bemessen.

Alleine heute. Ebend. Soviel neues endtdeckt. Einen neuen Philosophen, den wir lesen wollen in Freiburg. Ein Gott dieser Mann. Simmel. Und das Buch erst: Die Großstädte und das Geistesleben. Wenn ich jetzt noch in Worte fassen soll, was mich daran fasziniert, kollabiere ich. Dann müsste ich mir nochmal alles durchlesen, natürlich wieder in dieser hektischen, überhitzten Geschwindigkeit, weil ich immer alles gleich und sofort wissen will, eigentlich schon immer gewusst haben will, weil ich merke, wieviel es da draußen noch gibt, das ich wissen muss, das mir noch fehlt, oh, wie konnte ich nur solange die Augen vor der welt verschließen? Soviel, soviel, soviel. Und alles schöner als das Vorherige. Manchmal fühle ich mich wie ein gewaltiger Teilchenbeschleuniger, ein Katalysator meiner selbst und meines Wissenshungers.

Und ständig kommt mir dieser Film in den Sinn. Into the wild! Schaut ihn euch an. Der größte Film des Jahres. Sean Penn hat ihn gedreht. Was für ein großer, stiller, andächtiger Mensch dieser Penn sein muss. Wie sensibel er gearbeitet hat. Schaut ihn euch an.

Zuerst den Trailer.

Alleine dieses Zitat ist den Film wert:

I read somewhere how important it is in life not necessarily to be strong but to feel strong - to measure yourself at least once.


Das ganze Leben ist Entelechie.

In der Philosophie versteht man unter Entelechie (entelecheia) die Eigenschaft von etwas, sein Ziel (Telos) in sich selbst zu haben.

Media vita in morte sumus. Alles Vanitas. Voller Wahnsinn Leben.

Dienstag, 27. November 2007

Unsere Zukunft

Entscheidungen

Szene aus "Von Löwen und Lämmern" / "Lions for Lambs"

Mut

Szene aus "Club der toten Dichter / Dead Poets Society"

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Und alles zieht nach unten

Frustriert, weil die Zeit durch ein Loch gefallen ist. Immer diese Zeit. Heute Morgen schon das Gleiche. Immer dieses Loch. Plötzlich ist es da und zwei Stunden sind weg. Eben wieder. Eine Lesung im Literaturhaus Darmstadt. Aber vorher war das Loch. Soll ich noch um halb elf hingehen, obwohl um acht Beginn war? Vor fünf Minuten war noch acht Uhr. Vor drei Minuten war neun Uhr. Überall Löcher.

Es wäre um Gegenwartslyrik gegangen. Finde ich eigentlich ziemlich schlimm. Doch was tun? Schlimmstenfalls wäre es so schlecht gewesen, dass ich ein Gedicht drüber schreiben hätte können. Ein weiteres belangloses Mittelmäßiges. Aber was ist mit den Gedichten von diesen mit Preisen überhäuften unbekannten Gegenwartslyrikern? Allesamt verschachtelt, elegante Verse. Meist wenig Sinn. Oder gar keiner. Doch mit netter Atmosphäre. Reicht es, wenn man kunstvoll klingt? Elegant, einfach und inhaltlich klar und reichhaltig ist wohl zu viel verlangt. Kann nicht jeder Rilke heißen. Überhaupt? Was ist das für eine Literarur-Burschen- und Schwesternschaft? Wie geht das überhaupt? Preis hier, Stipendium da. Ein Stipendium fürs Dichten? Irgendwie bekloppt. Sind doch alles nur Mechanismen. Ein Räderwerk für Eingeweihte. Und wenn man mit all dem nichts zu tun haben möchte, aber trotzdem etwas großes schaffen will, ohne dem je nahe gekommen zu sein?

Alles so drückend, erdrückend. Ausgespuckt von der Welt, nur weil man nicht das selbe Lächeln teilt. Und dazwischen Zeitgenossen, die einen in eigenen Kreisen wähnen, man sich selbst aber vor der Belanglosigkeit zu retten versucht, aber nicht auch noch dem Letzten vor den Kopf stoßen möchte.

Und zwischen den Tönen und Klagen die Gedanken an die Frauen dieser Welt, an die Jahre, die man lieber, leider lieber?, mit Denken verbracht hat. Doch auch sie, die Frauen, von denen sich so verheißungsvoll träumen lässt, liegen dann nur da, reden nichts, doch bewegen den Mund, wollen Zeit, nehmen Zeit und schon wieder fühlt man sich im Zwang - während draußen das goldenen Leben tobt - oder das, was man dafür hält. Verstandverlust in kleinen Teilen.

Unterbürger

Wir Europäer und Amerikaner werden gelockt vom Zauber, vom desolaten Charme Indiens, Afrikas und wie sie alle heißen mögen, diese Wunderländer. Dort finden wir innen Frieden. Geprägt vom Farbenreichtum der Welt spannen wir unsere Seele und werden zu Weltbürgern. Die Bewohner der von uns bereisten Länder werden gelockt vom Zauber, vom Reichtum und den Chancen der alten und neuen Welt. Dort finden sie den Zauber eines Fast-Food-Grills, hinter dem sie 12 Stunden am Tag stehen dürfen und werden zu Unterbürgern.

Dienstag, 16. Oktober 2007

Grupe 47

Gerade läuft auf 3Sat ein Beitrag über die Gruppe 47. Waren ziemlich wenig junge Leute dabei, wie es scheint. Und war das nun die literarische Nachkriegselite der Literatur? Manche Schriftsteller, die den Ritterschlag einer Einladung erhalten haben, sollen nicht hingefahren sein, weil sie den Verriss fürchteten. Natürlich ist Kritik wichtig, aber man darf doch nicht gleich sein Manuskript zerreißen, nur weil ein paar Daddys es nicht mögen. Man bedenke nur, wie viele bedeutende Werke von Literaten und Dichtern von der Literaturelite ihrer Zeit für minderwertig erachtet wurde. Paul Celan, der auch von der Gruppe eingeladen (und verrissen) wurde, ist ein gutes Indiz für die Selbstherrlichkeit dieser Gruppe. Gerade Celan, einer der großen Poeten im 20. Jahrhundert.

Die Gruppe 47 machte ihre bloße Existenz zum Mittelpunkt. Eine Burschenschaft, die sich selbst feierte, so scheint mir. Und doch ist Austausch und gegenseitige Inspiration wichtig. Auch, wenn es dazu keiner großen Gruppe bedarf. Zwei Menschen reichen schon - vielleicht noch mit ein bisschen Gefolge, siehe Byron in Shelley in Genf und Pisa. Aber wo zum Teufel sind heute die jungen Dichter, sieht man einmal von diesen Poeten der neuen Nüchternheit ab?

Expertenblogs

Tut man sich nun mit einem Blog als Eperte hervor, wenn man nur nette Fundstücke aus dem Netz sammelt und kommentiert oder sollten doch besser eigene Arbeiten und Produktionen im Fokus stehen?

Herbsttage

Es gibt wohl kaum schönere Tage als Herbsttage. Doch so schön sie auch sind, so flüchtig sind sie. Kaum hat man sie ergriffen oder kaum haben sie einen ergriffen, da sind sie auch schon wieder hinfortgeglitten. Eigentlich sollte man diesen flüchtigen Momenten huldigen. Sollte ein oder besser mehrere Tage lang sich nur mit dem Herbst beschäftigen. Aber nein. Der Mensch hat ja soviel wichtige Dinge zu erledigen.

Montag, 10. September 2007

Dean



PS: Es gibt einen neuen persönlichen Eintrag (Contribute > Beiträge).

Samstag, 8. September 2007

Multipel

Manchmal, fühle ich mich, als ob ich fünf Gehirne bräuchte, nein besser fünf Körper. Soviel ist es, das mich drängt, das von mir erkundet, erlebt und gelesen werde möchte. Und wann soll ich dann noch selber schreiben - geschweige denn Zeitung lesen? Und Klavier üben erst. Wahnsinn. Und dann ist das Wochenende schon wieder vorbei und man hat nur ein Zehntel von dem geschafft, was man schaffen wollte. Und eigentlich wollte man sich auch einfach nur mal ausruhen. Was ein böses Spiel.


"Wir sind alle von Anfang an verflucht, und auch Du musst erst furchtbar verletzt werden, bevor Du ernsthaft schreiben kannst." - Hemingway an Fitzgerald

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