Warum nicht arbeiten? Was soll man sonst machen? Man hängt ja eh nur rum und verdamelt Zeit. Und wenn die Arbeit nicht zu stressig ist - was sie leider fast immer ist, Betonung liegt auf "zu", es fehlt die Muße, die Zeit, sich einmal wirklich einem Thema widmen zu können, anstatt wie ein Teppichhändler ständig Waren anzupreisen, die man eigentlich gar nicht kennt - also, wenn die Arbeit nicht zu stressig ist, ist ja auch alles toll. Kann und möchte nicht klagen. Bin froh mit allem. Aber ich sprach über Arbeit und Freizeit. Also dann hat man einmal frei, und man könnte sich fragen: Ach, wozu die Freizeit? Ich weiß doch mit mir gar nichts anzufangen. Denke ich bisweilen sogar selber. Denke ich. Bis es dann soweit ist, und die Zeit da ist.
Mein Gott, was für ein Stress, diese Freizeit. Ich komme um. Ich platze. Es zerreißt mich von allen Seiten. Trinke nur Kaffee, nur vor dem Rechner, Kekse und Kaffee, völlig verspannt, jage irrsinnig durch das Netz. Nicht dem Netz wegen. NEIN! Dem Leben wegen, das ich dort finde. Dem Wissen, der reinen Inspiration. Oh weh, ich könnte zehn Leben haben, voller Zeit für mich ganz alleine und es wäre zu eng bemessen.
Alleine heute. Ebend. Soviel neues endtdeckt. Einen neuen Philosophen, den wir lesen wollen in
Freiburg. Ein Gott dieser Mann.
Simmel. Und das Buch erst:
Die Großstädte und das Geistesleben. Wenn ich jetzt noch in Worte fassen soll, was mich daran fasziniert, kollabiere ich. Dann müsste ich mir nochmal alles durchlesen, natürlich wieder in dieser hektischen, überhitzten Geschwindigkeit, weil ich immer alles gleich und sofort wissen will, eigentlich schon immer gewusst haben will, weil ich merke, wieviel es da draußen noch gibt, das ich wissen muss, das mir noch fehlt, oh, wie konnte ich nur solange die Augen vor der welt verschließen? Soviel, soviel, soviel. Und alles schöner als das Vorherige. Manchmal fühle ich mich wie ein gewaltiger Teilchenbeschleuniger, ein Katalysator meiner selbst und meines Wissenshungers.
Und ständig kommt mir dieser Film in den Sinn. Into the wild! Schaut ihn euch an. Der größte Film des Jahres. Sean Penn hat ihn gedreht. Was für ein großer, stiller, andächtiger Mensch dieser Penn sein muss. Wie sensibel er gearbeitet hat. Schaut ihn euch an.
Zuerst den Trailer.
Alleine dieses Zitat ist den Film wert:
I read somewhere how important it is in life not necessarily to be strong but to feel strong - to measure yourself at least once.
Das ganze Leben ist
Entelechie.
In der Philosophie versteht man unter Entelechie (entelecheia) die Eigenschaft von etwas, sein Ziel (Telos) in sich selbst zu haben.
Media vita in morte sumus. Alles
Vanitas. Voller Wahnsinn Leben.