Wer ein guter Journalist werden oder bleiben will, sollte mehr Geld für Presse-Lektüre ausgeben als für Bier.
Alle Leser bewunders die Texte guter Schriftsteller und Journalisten. Was sie aber in der Regel nicht sehen, ist die Qual, die hinter der Arbeit steht. Und müssten die dem Schreiprozess beiwohnen, würden sie sicher auf so manches Werk verzichten.

Auch wenn ich mich mittlerweile mehr mit anspruchsvollerer Literatur beschäftige, habe ich immer noch ein Faible für "Das Schwarze Auge" - sowohl für das Rollenspiel als auch für die Romane. Leider glänzen sie oft nicht mit literarischer und handwerklicher Qualität.
Nun habe ich mir trotzdem mal wieder zwei Werke zugelegt. Das eine ist Teil eins einer fünfteiligen Serie, eine Novelle von Anton Weste:
"Land ohne Gesetz". Habe bisher nur die ersten Seiten gelesen, aber die Sprache ist gut. Die Atmosphäre düster und realistisch. Sehr zu empfeheln. Nur zwei Sätze als Beispiel: "Von den Neuen übersteht nur jeder dritte das erste Gefecht lebendig und ohne Verlust von Arm oder Bein. Die meisten werden direkt vom Rekrutendasein zur Armee der Krüppel und Bettler detachiert."
Bei dem anderen Werk handelt es sich um das Roman-Debut von Hennig Mützlitz und Christian Kopp:
"Das Zepter des Horas". Die Story hörte sich ganz vielversprechend an. Doch leider ist das Buch ein Desaster. Ich habe mir die Arbeit gemacht, es zu rezensieren und obendrein die ersten eineinhalb Seiten des Buches auseinander zu nehmen, um aufzuzeigen, warum es schlecht ist. Aus solchen Beispielen lässt sich bisweilen mehr lernen als aus guten Romanen.
[weiterlesen ...]
Im Journalismus gibt es keinen Artikel ohne Aufhänger, die Existenzberechtigung eines Textes. Es muss einen Anlass geben, einen Grund, warum der Leser etwas erfahren soll. Dieser Grund muss genügend Gewicht besitzen.
Zweitens benötigt man genügend Material, ich sage dazu kritische Masse. Das beeinhaltet auch, dass man das Thema genügend durchdrungen hat, dass man die Essenz verstanden, abstrahiert hat. Man hat ein Thema, ein Anliegen, eine Nachricht, eine Botschaft, dann sucht man sich Informationen, Begebenheiten, Eindrücke, die zu der Botschaft passen, die man erzählen möchte. Die wichtigsten nimmt man zur Hand und presst sie so lange aus, bis man eine hochkonzentrierte Essenz hat, dick und zähflüssig. Dann nimmt man einen Pinsel und malt damit sein Bild. Aber Vorsicht: Jede Farbe, jeder Ton, jeder Geschmack hat seine Zeit. Manches beißt sich. Hierfür benötigt man Intuition und Erfahrung. Welche Farbe zuerst? Welcher Verlauf kann folgen? Man sollte alles in sich sacken lassen, sich Zeit nehmen, Kaffee trinken, Bier, bügeln, was auch immer (der wichtigste Teil im Schreibprozess). Irgendwann hat man das Bild vor Augen. Die Anordnung, oder man weiß zumindest den Anfang und hangelt sich von Abschnitt zu Abschnitt - nie das Ganze aus den Augen verlierend.
So verstehe ich Journalismus. So muss auch literarisches Schreiben verstanden werden. Aber man (auch ich) glaubt immer, für das literarische Schreiben bräuchte man das alles nicht. Man glaubt, es käme nur auf die Form an, auf das Schönschreibenkönnen. Man möchte literarisch schreiben, aber weiß nicht was oder worüber. Manchmal hat man kleine Ideen. Kleine Szenen, aber sie treiben kontextlos im Raum. Man kann sich um all das nicht scheren und einfach irgend etwas zurechtkonstruieren. Einfach so. Hauptsache Schreiben! Aber darauf kann die Menschheit verzichten.
Vor hundert Jahren oder so konnte man einfach zum nächsten großen Seehafen gehen und anheuern.
Melville und Conrad haben gewissermaßen so den Grundstein für ihre Karriere gelegt. Erst die Erfahrung, dann das Schreiben. Heute kann man für 10 Euro durch Europa jetten. Ferne exotische Länder reizen nicht mehr als die Sehenswürdigkeit vor der Haustür. Überall warten schon junge Backpacker und Backpackerinnen. Die Welt ist entzaubert. Es reicht nur noch für wahnsinnig schöne Landschaftserlebnisse, die man mit seiner Digicam knipst und ins Internet stellt. Die Welt der Abenteurer-Literaten ist vorbei. Aber über was soll man schreiben, wenn man eine reale Anregung braucht, aber das eigene Leben nichts hergibt und in der Welt nichts mehr zu entdecken ist. Oder gibt es noch etwas, über das noch nicht gebloggt wurde?
Manche sagen, ich hätte Talent. Doch warum sind dann dort nur Zweifel? Sehr viel unbestimmte Gewissheit. Und viele eindeutige Zweifel. Und was ist mit dem verdammten Thema? Vielleicht muss ich wirklich erst, zu Fuß die Welt umreisen. Aber würde dann nicht doch bloß ein malerischer langer Blogeintrag bei rauskommen? Wo ist der Stoff, der durchs Blut sickert und in den Eingeweiden kratzt?
Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle, es sind Erfahrungen.
Rainer Maria Rilke
Mit Dank an Barbara
Ergänzung: Eigentlich sind es nicht nur Erfahrungen. Es sind die Gefühle der Erfahrungen.
Ich würde gerne mal wieder etwas schreiben. Eine kleine Story. Aber ich bin niemand, der sich so etwas aus den Fingern saugt. Ich habe keine Lust, Stories zu plotten, zu erfinden, zu konstruieren. Warum sollte ich mir irgend etwas Absurdes ausdenken? Nein, ich möchte etwas schreiben, dass mein Blut durchwandert hat, ich brauche die Essenz einer Erfahrung.
Mit knapp zwei Stunden Verspätung ging es bei schönstem Frühlingswetter vom Flughafen Paderborn/Lippstadt los. Nach einem kurzen aber schönen Flug empfing mich “die Insel” mit geschlossener Wolkendecke, aber immerhin war es trocken.
Mit Quatar Airways ging unsere Reise mit einen Stop von 4 Stunden in Doha nach Kuala Lumpur (KL). Der Service an Bord war gut aber Doha Airport bietet nicht viel. In KL angekommen ging es mit dem Taxi zu unserer Unterkunft. Zuerst waren wir von den grünen Palmen links und rechts der Autobahn überrascht bis uns der Fahrer erklärte, dass das Oilpalmen seinen aus denen u.a. auch in Europa Biosprit hergestellt werden.
Ein Jahr lang haben wir geplant. Endlich war es soweit. Am 7. Dezember 2007 ging es dann los Richtung San Francisco, weiter mit dem Mietwagen nach Los Angeles. Von dort aus auf die Fiji-Inseln und nach 2 Tagen weiter nach Neusseland. Den Abschluss der Reise machte Hongkong.
Im September 1996 unternehme ich mit meinem Schwiegervater [...] eine Reise nach Lana bei Meran in Südtirol, Italien. Das Piemont-Gebiet, unser eigentliches Ziel, ist uns vom italienischen Tourismusverband für das Frühjahr ans Herz gelegt worden, da die Weinbauern im Herbst mehr Zeit mit der Ernte verbringen.
Eingebettet in schier endlos erscheinenden Regenwald sitzt du auf der Terrasse der Doli Lodge beim Sundowner und überlegst, an welche Stelle in der Liste der landschaftlichen Paradiese du diesen Ort einordnen sollt.
Nach einem langen Flug von Zürich über Atlanta landen wir abends in Cancun. In Atlanta musste ich mal wieder zum Second Screening der netten amerikanischen Einreisebehörde, zum Glück ging alles gut und ich durfte weiter nach Cancún fliegen :o)
Habe gerade die
GEO-Reisecommunity entdeckt. Wer sich fragt, warum es Reisejournalisten oder Reiseschriftsteller wirklich braucht, lese sich einfach die Auszüge aus den Berichten von Menschen, die nicht dieser Profession nachgehen, noch zwei oder dreimal durch.
Der englische Begriff des Schriftstellers ist - meines Erachtens - viel näher an der Wahrheit und am Leben dran als der deutsche. Man ist Writer. Einfach jemand, der schreibt. Das ist alles. In Deutschland ist man gleich ein Schriftsteller. Das hört sich an, als würde oder müsste man dicke Bücher schreiben. Aber ist jemand, der dicke Bücher, ja vielleicht sogar Bestseller schreibt, mehr Schriftsteller oder mehr Writer als jemand, der nur Skizzenhaftes, kurze Eindrücke, Gedanken und Shortstories schreibt? Ist die Masse wichtig? Und wenn ja, wieviel?
Siegfried Lenz zum Beispiel sagt, es sei die Art der Wahrnehmung, die einen Schriftsteller ausmache. Vielleicht ist selbst der Begriff Writer noch zu stark und begrenzend.