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„Wir sind die Besten“

Um die Zukunft der defizitären Frankfurter Rundschau ist unter den Gesellschaftern DuMont Schauberg und DDVG eine Kontroverse ausgebrochen. Der neue Chefredakteur Arnd Festerling über den Weg aus der Krise.

Von Jan Söfjer


Arnd Festerling, 51, kam 1990 als Sportredakteur zur FR und leitete seitdem fast jedes Ressort im Haus. Foto: FR

Herr Festerling, obwohl der Mantel der Frankfurter Rundschau (FR) seit knapp einem Jahr in Berlin produziert wird, schreibt die FR immer noch rote Zahlen. Sie suchen nun die Rettung im Lokalen und Regionalen. Kann die FR gegen die dortige Konkurrenz bestehen?

Auf dem Frankfurter Markt sind wir die Nummer eins. Wir haben dort bei den Abonnementzeitungen den größten Marktanteil. Vom Seitenumfang her liegen wir gleichauf mit der Frankfurter Neuen Presse (FNP). Seit Januar produzieren wir 24 Seiten pro Woche mehr – ohne an anderer Stelle zu sparen. Und inhaltlich sind wir die Besten.

Das klingt nach Mehrarbeit für die Redaktion. Obendrein wollen Sie die Qualität im Lokalen stärken. Wie?

Vergangenen August haben wir die 50-köpfige Redaktion in Frankfurt neu organisiert, so dass Autoren mehr Zeit zum Recherchieren und Schreiben haben. Zwei ehemalige Kollegen geben intern Fortbildungen. Die Leser bekamen im Januar eine lokale Leute-Seite und eine lokale Wirtschaftsseite. Zudem haben mit unseren Steuerfahnder- und Odenwaldschule- Recherchen gezeigt, dass wir die erste Adresse für Informationen über Skandale sind.

Wirbt der Verlag mit der Qualitätsoffensive, um neue Leser zu gewinnen?

Ja, im Radio und auf Veranstaltungen.

Reichen die Anzeigenkunden, um die FR zu stabilisieren?

Nicht allein. Der Werbemarkt läuft gut, reicht aber für die FR nicht aus. Wir setzen auf innovative Projekte wie unsere rosafarbene Mittagsausgabe während der Fußball-EM oder die neue Redaktionsbeilage RAL 6010, die als Online-Portal und zweiwöchig gedruckt sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt – in Kooperation mit Öko-Test.

Bereits Wolfgang Storz (FR-Chefredakteur 2002-2006) sah die Zukunft im Lokalen. Führen Sie seine Tradition fort?

So weit würde ich nicht gehen. Aber Storz, unter dem ich Politikchef war, hat richtig erkannt: Das Lokale und Regionale sind das Standbein fast jeder Tageszeitung.

Sie sind seit über 20 Jahren bei der FR. Wie wollen Sie den linksliberalen Geist der FR sichern?

Auf zwei Ebenen. Zum einen in Berlin, wo viele Rundschauler die FR mitproduzieren. Zum anderen sind wir auch im Lokalen politischer, linksliberal schärfer und pointierter geworden.

Gibt es einen Plan, wann die FR wieder schwarze Zahlen schreiben soll?

Natürlich, aber dazu werde ich nichts sagen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Frankfurter Rundschau?

Über kurz oder lang wird die Zukunft im Digitalen liegen. Das leben wir heute schon. Die Online-Redakteure meines Chefredakteurskollegen Rouven Schellenberger haben mittlerweile auch ein eigenes Autorenteam.

Die Zukunft liegt also im Digital-Lokalen. Neulich twitterten FR-Onliner von der Verabschiedung der Frankfurter Bürgermeisterin Petra Roth.

Ja, auch über Blockupy Frankfurt haben wir in Livetickern mit riesigem Erfolg online berichtet.

Was bedeutet es für Sie eigentlich, nun Chefredakteur der FR zu sein?

Es ist eine Verpflichtung, in dieser Reihe großer Journalisten zu stehen, obendrein in Zeiten des Umbruchs für die gesamte Branche wie diesen.

Erschienen in leicht gekürzter Form im Kontakter 29/2012

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Danke
Vielen Dank für diese Sätze: "Es sollte eine...
Johanna (Gast) - 2013-12-05 10:34
Gut analysiert. Nur bei...
Gut analysiert. Nur bei der politischen Ausrichtung...
7an - 2013-10-10 15:08
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Nur eine kurze Anmerkung. Journalisten denken von ihrem...
Otto Hildebrandt (Gast) - 2013-10-10 14:08

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