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Mittwoch, 7. Oktober 2009

Hoffnungsträger des Journalismus?

Das Medium Magazin kürt jedes Jahr 30 Nachwuchs-Talente. Oder wie die Redaktion schreibt: "Neue Hoffnungsträger für den Journalismus". Aber braucht der Journalismus überhaupt neue Hoffnungsträger? Es klingt ein bisschen wie: Die aktuellen Journalisten bringen's nicht mehr. Es erinnert an Hoffnugsträger im Fußball, an den Aufstieg und Absturz von Sebastian Deisler (PS: grandioses Interview dazu in der Zeit). Die Medien erschaffen solche Stars erst. Das Talent und Können bringen sie natürlich mit, aber zum Ruhm helfen die Medien. Aber müssen nun wirklich die Medien auch noch Medienschaffende hypen? Es reicht doch, wenn sich einige Medienschaffende selbst hypen.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Fall Westerwelle: Politiker müssen nicht perfekt englisch sprechen

Westerwelle wird belächelt, weil sein englisch nicht perfekt ist. Die SZ verweist heute in einer Meldung auf zwei YouTube-Videos. So hat auf einer Pressekonferenz ein Journalist der BBC Westerwelle eine Frage auf englisch gestellt und bat auch um eine Antwort auf englisch. Westerwelle ging, wie ich finde zurecht, nicht darauf ein. "Wir sind in Deutschland hier", sagte er. Wieso spricht ein Berlin-Korrespondent der BBC, der er vermutlich war, kein deutsch?

Ein anderer Clip zeigt wieder eine Pressekonferenz, auf der er eine Frage auf englisch beantwortet. Er schafft es, muss aber lange nach Worten suchen.

Aber mal ehrlich: Warum muss ein Politiker in Deutschland fragen auf englisch beantworten, ja überhaupt verstehen? Wer bitte schön versteht deutsch in England oder den Staaten? Sicher, englisch ist Weltsprache, aber von einem Politiker erwarte ich, dass er kompetent in politischen Dingen ist, nicht, dass er mehrere Sprachen fließend spricht. Und ist es nicht auch verdammt schön, dass in diesen Zeiten, in denen panische Bildungsbüger-Eltern ihre Kinder schon mit ein, zwei Jahren englisch, russisch und chinesisch beibringen, selbst der Außenminister kein Englisch-Genie ist? Man kann es noch in die höchsten Staatsämter schaffen, auch, wenn man sich nicht dem globalen Bildungsdiktat unterworfen hat, manche würden sagen, obwohl man Schwächen hat. Ich hoffe, dass das noch lange so bleibt.

Mittwoch, 30. September 2009

Abschied von der SPD

Die Seite 3-Reportage der Süddeutschen Zeitung zeigt heute, wie bei der SPD die letzten guten Leute, die die Partei noch hat, fallen gelassen werden (siehe: Wie man einen Mann versenkt).

Wenn einem als heutiger junger Mensch soziale Gerechtigkeit wichtig ist, einem die Grünen und die Linkspartei aber zu extrem und zu wenig massen- und realitätstauglich sind, um sie sich theoretisch als alleinregierende Partei vorzustellen, dann hat man ein Problem.

Schon Schröder hat den Abstieg der SPD besiegelt, als er statt Sozialdemokratie Hatz IV unters Volk brachte. Die SPD hat sich selber abgeschossen. Und irgendwie muss man ihr dafür dankbar sein. Man stelle sich nur vor, sie hätte noch einmal vier Jahre in einer großen Koaltion herumgedümpelt. Oder man stelle sich vor, es hätte bei der Bundestagswahl eine rot-rot-grüne Mehrheit gegeben. Eigentlich hätte ich das gut gefunden. Aber Steinmeier schloss ja ein Bündnis mit den Linken aus. Vermutlich hätte es ein ewiges und ermüdendes Ringen und am Ende ein Debakel wie in Hessen gegeben. Nein Danke! Wenn die SPD glaubt, in einer Demokratie könne sich eine Partei vor unliebsamen Koalitionen drücken, obendrein wenn es sich um eine Koalition mit ähnlicher politischer Richtung handelt, dann hat diese Partei nichts in der Regierung verloren.

Wenn ich ehrlich bin, dann bin ich froh, dass Deutschland eine schwarz-gelbe Regierung bekommen hat. Diese Regierung wird nicht so sehr meine Interessen vertreten, wie ich es mir wünsche, aber sie ist zumindest erfahren, regierungskompetent, nicht zerstritten und handlungsfähig.

Ich habe trotz allem - vielleicht aus Verzweiflung, vielleicht aus absurder Hoffnung heraus - bei dieser Wahl zum ersten mal mit politischem Bewusststein und aus politischer Überzeugung die Sozialdemokraten gewählt (früher habe ich mich nur vom Bauchgefühl und meinem Umfeld leiten lassen). Vielleicht war es für lange Zeit das letzte Mal.

Dienstag, 29. September 2009

Print muss sich nicht abhängen lassen

Eigentlich hätte sich an der dieswöchigen Spiegel-Ausgabe mal wieder gezeigt, warum Print für hochaktuelle Anlässe nicht wirklich geeignet ist.

Der Spiegel erscheint üblicherweise sonntags. Da hätten die Leser aber eine ganze Woche auf die Auswertung der Bundestagswahl warten müssen. Das Hamburger Magazin fand eine elegante Lösung.

Der Spiegel wurde einen Tag vorgezogen und erschien bereits am Samstag und seit Montag liegt ein Sonderheft zur Wahl an den Kiosken. Aktualitätsprobleme der gedruckten Presse sind also nicht zwingend eine Medienfrage, sondern vielmehr eine Flexibilitätsfrage.

Freitag, 25. September 2009

Wie gerecht ist Deutschland?

Niedriglohn, Gesundheitssystem, Entlassungen und Generationen-Gerechtigkeit: Wie gerecht ist Deutschland? Von der Zugspitze bis nach Sylt sind die ZDF-Reporter unterwegs.

Die beste und bewegendste TV-Reportage, die ich bisher gesehen habe. [Ansehen ...]

Famoses Boris Becker-Portrait

Jochen Martin-Gutsch hat für den "Spiegel" ein fantastisches Portrait über Boris Becker geschrieben. Ein journalistisches Glanzstück durch und durch.

Junger, alter Mann
Fragt man Becker heute nach seinem Beruf, dann sagt er Geschäftsmann. Vor allem aber ist er ein 41 Jahre altes Denkmal. Er lebt vom Ruhm und Geld vergangener Tage, und manchmal spürt man, dass ihm das bewusst ist. Dann kriecht die Furcht hervor, dass der Höhepunkt bereits vorbei sein könnte. Ein junger, alter Mann. Ein Frührentner. Ein Luxus-Arbeitsloser. [online lesen ...]

Montag, 14. September 2009

Afghanischer Journalist begnadigt

Manchmal erreicht man mit Petitionen wirklich etwas - sogar in Afghanistan.

Der Journalistik-Student Sayed Perwiz Kambachsch hatte einen Artikel über die Rolle der Frau im Koran aus dem Internet heruntergeladen und verbreitet und war dafür zuerst zum Tode, dann aber zu 20 Jahren Haft verurteilt worden (siehe älterer Blogeintrag). Der Vorwurf: Blasphemie und Verleumdung des Islams.

Vor ein paar Tagen ist der afghanistanische Präsident Hamid Karsai nun der Petition gefolgt und hat Kambachsch begnadigt.

Mittwoch, 9. September 2009

Kommunikationsstrategien

Amüsant, wenn ein Konzernpressesprecher, dem man ein paar mehr oder weniger kritische Fragen gestellt hat, am Ende des Gespräches bittet, den Chefredakteur des eigenen Blattes zu grüßen.

Dienstag, 8. September 2009

Überraschende Themenwahl der SZ

Mitten in der Debatte um den von der Bundeswehr befohlenen Luftangriff in Afghanistan, bei dem Dutzende Taliban und wohl auch viele Zivilisten starben, hat die Süddeutsche Zeitung am Montag mit einer ungewöhnlichen Reportage überrascht.

Am ehesten war mit einer Reportage vom Ort des Geschehens zu rechnen. Aber es geht ja immer noch Afghanistan und da fährt man als Reporter nicht mal spontan am Wochenende hin.

Zu erwarten war also ein Stück über die Akteure der politischen Debatte. Doch statt dem Medienreflex zu folgen hat die Seite-3-Redaktion unter Alexander Gorkow (vorher Chef von SZ-Wochenende) überlegt, worum es wirklich geht: um die deutschen Soldaten. Und wer kann besser über ihre Erfahrungswelt berichten als die Kriegsheimkehrer?

Inmitten des Trubels, Verurteilen des Luftangriffes und Forderungen eines baldigen oder gar sofortigen Rückzugs der Bundeswehr aus Afghanistan ließ die SZ die Soldaten zu Wort kommen, die bereits einen Einsatz hinter sich haben.

Sie sagten, sie wünschten sich mehr Anerkennung für ihre dortige Arbeit. Oder: "Wir sind durchweg auf Leute gestoßen, die gesagt haben: 'Wir sind froh, dass ihr da seid'". Die Soldaten erzählten vom täglichen Kampf der Menschen um ihr Brot und von Müttern, die mit kranken Kindern in der Kälte auf Medikamente warteten.

Doch die Aufbauhilfe, so die SZ, trete in der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr in den Hintergrund. Die meisten Deutschen seien für den Abzug. Ein General a. D. sagte in der Reportage: "Der Großteil der Bevölkerung ist nicht daran interessiert, was in Afghanistan läuft."


PS: Die Reportage ist leider nicht online, weil die SZ die Seite 3 generell nicht online stellt. So sehr man das Bedauern kann, so sehr ist es auch ein Grund das Blatt ab und an zu kaufen.

Das Essen mit einem Armen teilen

Es ist so gut wie unmöglich, sich einen Tag in Berlin zu bewegen, ohne einen Menschen zu treffen, der um etwas Geld bittet. Junge Menschen, die in den Bahnen mit einer monotonen Stimme die Störung entschuldigen, erzählen, dass sie ganz frisch obdachlos geworden sind und um etwas Geld bitten. Manche verkaufen die Zeitung Straßenfeger, andere sagen nichts uns musizieren einfach. Musiker gibt es alle 50 Meter in Berlin. Manchmal auch alle fünf. Es ist Routine in der Hauptstadt.

Neulich war ich dennoch ein wenig verdutzt, als ein am Straßenrand sitzender Mann, dem ich auf eine Bitte hin, zuvor 20 Cent gegeben hatte, meine leere Pfandflasche nicht haben wollte. Vielleicht war ich deshalb so überrascht, als mich heute Abend ein älterer Mann auf einer Bank sitzend ansprach und schlicht um etwas zu essen bat.

Ich kam gerade vom Inder und hatte ein Gericht dabei. Spontan gab ich dem Mann meinen Vorspeisesnack - diese knusprigen, scharfen Dinger, deren Namen ich nicht weiß. Sie zerbröselten unter seinen Händen, doch er bedankte sich sehr.

Ich dachte mir, als ich weiterging, dass das keine besondere Spende von mir war. Auch zu Hause beschäftige es mich weiter.

Ich beschloss, dem Mann sofort etwas zu bringen. Aber was? Ein belegtes Brot? Aber wie konnte ich ihm nur ein Brot bringen, wenn ich selber ein Hühnercurry zu essen hatte? Ich entschied mich, mein Essen zu teilen. Die Hälfte nahm ich aus der Box und legte noch eine Scheibe Brot hinein. Dazu nahm ich ein Bier mit.

Der Mann saß noch an seinem Platz. Ich gab ihm alles. Mehr Rührung und Freude habe ich, soweit ich mich erinnern kann, nie gesehen.

Freitag, 28. August 2009

Verschmelzung von FR und Berliner Zeitung: eine Frage der Qualität

Als im Januar 2009 der Alt-Verleger Alfred Neven DuMont der britischen Heuschrecke David Montgomery seine deutschen Zeitungen abkaufte, war die Erleichterung groß. Vor allem bei der Berliner Zeitung, die unter Montgomery und seinem Mann fürs Grobe, dem damaligen Chefredakteur und Geschäftsführer Josef Depenbrock, wegen hoher Rendite-Ansprüche ausgepresst wurde. Montgomery kaufte damals in ganz Europa Zeitungen. Sein Plan: durch Synergien der einzelnen Blätter ein riesiges verlflochtenes Medienunernehmen zu schaffen. Alle Zeitungen sollten von allen profitieren. Vorteil: weniger Kosten. Nachteil: Die journalistische Vielfalt und die Eigenständigkeit der einzelnen Zeitungen nimmt ab.

Als Montgomerys Plan nicht aufging und er im Zuge der Weltwirtschaftskrise in Geldnot kam, schlug DuMont zu und kaufte ihm seine deutschen Titel ab. Alle jubelten. Die Süddeutsche Zeitung titelte: "Der Ritter vom Print".

Diesen Ruf hat sich DuMont nun verspielt. Vor wenigen Tagen gab der Konzern M. DuMont Schauberg, zu dem unter anderem der Kölner Stadt-Anzeiger, die Frankfurter Rundschau, die Berliner Zeitung, die Netzeitung und die Hamburger Morgenpost gehören, bekannt, dass die Berliner Zeitung künftig keine eigenständige Wirtschaftsredaktion mehr haben wird. Alle Texte, bis auf die lokalen, sollen von der Frankfurter Rundschau geschrieben werden. Der Ressortleiter Wirtschaft der Berliner Zeitung und seine Kollegen, von denen mit Sicherheit bald einige gehen werden müssen, sollen dann vor allem die fremden Texte in das eigene Blatt einpassen.

Neben dem Wirtschaftsressort, wird auch das Wissenschaftsressort künftig von Frankfurt aus geleitet. Die Rundschau verliert im Gegenzug ihre Medienredaktion. Geplant ist zudem ein Redaktions- und Reporterpool in Berlin, der die überregionalen Politik-Artikel für alle Zeitungen der DuMont-Gruppe produzieren soll. Weitere Ressortzusammenlegung, darunter Feuilleton und Panorama, stehen zur Debatte.

Das Entsetzen bei den betroffenen Zeitungen ist groß. Die Redaktionsversammlung der Berliner Zeitung schrieb einen offenen Protestbrief an die Konzernspitze. Konstantin Neven DuMont, Vorstandschef des Verlages, sagte jedoch gegenüber der Süddeutschen Zeitung, er könne die Aufregung nicht so recht nachvollziehen. Das alles sei erst der "Beginn einer Debatte".

Bei der Diskussionsrunde media coffee in Düsseldorf sagte DuMont vorgestern zudem: "Ich kann nicht verstehen, dass man sich dagegen wehrt, dass die Spitzenschreiber anderer Blätter auch im eigenen Blatt erscheinen." Für ihn bedeuten die Redaktions-Zusammenlegungen offenbar lediglich eine Verbesserug der journalistischen Qualität.

Sonntag, 23. August 2009

Von der Leyen und die Pressefreiheit

Familienministerin Ursula von der Leyen hat eine Kita besucht. Die Presse war eingeladen. Nur Spiegel-TV war nicht erwünscht.



via netzpolitik.org


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