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Freitag, 22. Juni 2007

Mündliche Prüfung

Bücher für die mündliche Abschlussprüfung im Studiengang Online-Journalismus

Heißa, es kann wieder gelerrnt werden. Habe mir heute erstmal fünf vor zwölf fünf Minuten vor Schließung der Bibliothek Bücher geholt. Und zwar alle, die ich vielleicht irgendwie gebrauchen könnte. Habe mir ja meine zwei Themen, die ich Dienstag beim Kolloquium für die mündliche Abschluss-Prüfung einreichen muss, noch nicht genau überlegt. Wahrscheinlich nehme ich jeweils einen Aspekt von (investigativer) Recherche und einen von der Auslandsreportage. Ich freue mich wirklich gerade, dass ich einen Grund habe, solch spannende Themen zu lernen.

Das Buch Reise-Journalismus finde ich momentan am Interessantesten. Wobei ich hier mal nachdrücklich betonen möchte, dass dieses Metier kein Pussy-Journalismus ist, bei man mal ein bisschen in den Süden fliegt und ein paar Hotels testet.

GEO-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede erklärt in einem Interview in besagtem Buch zur Thematik:

Die Specials [von GEO, 7an] haben den Anspruch, als Reisemagazine mit einem journalistischen Impetus an ein Land, eine Region, eine Stadt heranzugehen. Auf den vorderen zwei Dritteln Geschichten für Menschen zu präsentieren, die sich gerne einen Reim auf Zusammenhänge machen möchten. Die also nicht einen Swimmingpool buchen, sondern das Land dahinter. Die wissen wollen, wie es am Ende des Strandes weitergeht. Die sich mit einem kosmopolitischen Hirn in eine fremde Kultur begeben und dann nicht nur die Sonne auf ihren Bauch scheinen lassen wollen. Das macht sicherlich kein anderes Reisemagazin, in einem Special über Russland eine Reportage über [ein] Gulag zu bringen, in einem Special über Südafrika eine Reportage aus den Vortort-Zügen von Seweto, in einem New-York-Heft eine Reportage aus einer Crack-Höhle.
Gaede sagt zwar, dass das "keine Reisereportagen im klassischen Sinne - zum 'Nachreisen' - [sind], aber Informationen für Menschen, die unter Reisen etwas mehr verstehen als auf dem Schoß des Reiseleiters zu sitzen". Und weiter erkärt er:

Es gibt wortgewaltige Menschen zuhauf, es gibt eloquente Menschen zuhaus, es gibt Essayisten und Kommentarschreiber zuhauf. Es gibt abr wenige Journalisten, die sich sozialen Erfahrungen wirklich aussetzen, die Reportagen wirklich als maximale Distanz zum Hotelbar-Journalismus und als maximale Distanz zum Telefon-Journalismus verstehen. Bei GEO verlangen wir, dass Leute sich Situationen aussetzen, sie durchleben, sie mitmachen.

PS: Das neue GEO-Heft hat ein super Cover (Zeitzeuge Fotograf) und enthält einen langen Text über die "Berufung: Reporter". Noch habe ich ihn nicht gelesen, aber ich bin gespannt.

Brothers Grimm

Habe mir vorhin "Brothers Grimm" aus der Videothek ausgeliehen und angesehen. Ein recht hübscher Film, nur die Rezensionen bei Amazon fand ich doch größtenteils recht undifferenziert. Hier ist meine eigene.


Romantischer Firlefanz

"Brothers Grimm" ist ein Blendwerk, aber ein nett anzusehendes.


Was für ein Schmelztiegel dieser Film doch ist. Kaum ein Märchen, in dem nicht für "Brothers Grimm" gewildert wurde. Doch zuallererst muss man sagen, dass Matt Damon und Heath Ledger ihre Rollen amüsant und unterhaltsam spielen. Ledger bewies vor allem in "Ritter aus Leidenschaft" sein Talent für fantastisch-historische Komödien, Damon hingegen ist primär durch die Bourne-Serie bekannt. Und beide bekamen sie ihre Rollen. Damon spielt den aufgeklärten Wilhelm, der Dank ausgeklügelter Pläne ihr Einkommen als vermeintlicher Geisterjäger sichert, während Ledger alias Jacob, sich eher dem Mysteriösen und dem Literarischen widmet, ein Träumer.

In ihrer Dualität spiegeln die Brüder auch die Handlung des Films wieder. Zuerst beginnt sie nüchtern. Die Beiden geben sich als Geisterjäger aus und nutzen gezielt Sagen, um die Bevölkerung verschiedener Ortschaften - mit Hilfe diverser technischer Spielereien - in Angst und Schrecken zu versetzen. Die Geister, die sie verjagen, erschaffen sie selbst. Ein erträglicher und ruhmreicher Job. Doch eines Tages werden sie gezwungen, das Geheimnis eines Waldes zu klären, in dem etliche Kinder verschwanden. Doch die beiden Ganoven merken schnell, dass nicht alle Geister und verwunschenen Mächte nur aus Seilzügen und Zaubertricks bestehen.

Man muss nicht drum herum reden: Für den Film hat man sich schamlos an allem bedient, um ein massentaugliches Spektakel zu basteln. Und zu großen Teilen ist das auch gelungen. Kurzweilig ist dieser Film alle mal. Die Darsteller sind sympathisch – wenn sie auch nicht die Charakterdarstellung revolutionieren – und die Geschichte unterhaltsam bis gruselig. Besondere Tiefe oder gar historische Korrektheit darf man natürlich nicht erwarten.

Das beginnt schon mit den Hauptfiguren. Die Gebrüder Grimm waren Sprachwissenschaftler in Zeiten der Romantik - keine Scharlatane. Ihr Anliegen war es, Volkssagen und Märchen möglichst unverfälscht aufzuzeichnen und zu Sammeln. Das Räubern in und das Umformen von Märchen war nicht ihre Sache. Aber doch wurde dieses praktiziert. Von Clemens Brentano mit seiner Geschichten-Sammlung "Rheinmärchen" zum Beispiel. Und auch von Schiller ist bekannt, dass er es mit dem Historischen nicht immer so genau nahm. Will man nun also den Film wegen seiner Vermischung von Quellen verurteilen?

Und auf gewisse Art und Weise ist "Brothers Grimm" sogar ein schönes Abbild der Romantik. Da ist die Technik, das Neue, es gibt die Magie und eine Sehnsucht nach dem Mystischen (bei Jacob) und zuletzt nerven ständig die Franzosen. Natürlich fehlt auch nicht die bezaubernde Frau, hier: die burschikose Angelika (Lena Headey). Der Film ist eine bisweilen etwas skurrile Angelegenheit, wird aber nie fade. Er wirbelt herum, manchmal etwas ziellos, aber immer mit Pathos und Spektakel. Gewissermaßen ist "Brothers Grimm" ein großes Blendwerk, aber ein nett anzusehendes.


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Vielen Dank für diese Sätze: "Es sollte eine...
Johanna (Gast) - 2013-12-05 10:34
Gut analysiert. Nur bei...
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7an - 2013-10-10 15:08
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Nur eine kurze Anmerkung. Journalisten denken von ihrem...
Otto Hildebrandt (Gast) - 2013-10-10 14:08

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