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Unterwegs

Montag, 12. Mai 2008

Alexanderplatz: verdurstet

Da sind diese zwei Iranerinnen. Dünne Hintern und Fliegerbrillen. Sie würden sich gut in einem Porno machen. Das teuerste Zimmer in der Stadt, ein paar Früchte, Gang Bang reverse.

Willkommen in Berlin. Alexanderplatz. Beton, Stein, alles grau. Utopia reverse. Die Sonne brennt den Putz von den Platten. Ein Mittelklasse-Mädel zwinkert. "Eine Umarmung?" Nein danke. Was bringt mir eine Umarmung? Blutiges Fleisch und ich darf nicht abbeißen. Und die Sonne brennt weiter. Dann taucht später doch noch ein Mädchen auf. Knabenfigur im Kleidchen, herzzerreißend süß. Ein Schild: "Free Hug". Ich stolpere über meine Spontanität und da ist sie auch schon weg. Ja verdammt, ich brauche diese Umarmung, auch, wenn ich dann den Platz nicht mehr lebend verlasse. Ich warte, taktiere, freie Umarmung. Nein! Man kann so ein schönes Mädchen nicht einfach so umarmen. Es wirkt ganz schnell gezwungen. Einfach so umarmen. Es soll zufällig aussehen. Unbedeutend. Aber dann kommt ihr Freund sie umarmen sich sehr lange und gehen dann Händchen haltend über den Platz. Mir bleibt die Sonne.

Leipzig: Der Tod am Denkmal

Das erste was ich am Völkerschlachtdenkmal sehe, ist ein weißes Tuch. Tätowierte Unterarme, ein paar Füße. Steinboden. Zwei unglückliche Polizisten. Ja, einfach so umgefallen. Herzversagen. Meine Mitfahrgelegenheit erzählt später, im Radio sagte man, die Frau des Mannes sei am selben Tag tot in der Wohnung gefunden worden.

Die nordischen Totenwachen schweigen. Sie kommen direkt aus Walhalla, Riesen mit verschränkten Armen, ein Kranz, an den Wänden große Götter aus Stein. Kinder saugen an nackten Brüsten. Odinsche Grimmigkeit. Aber warum? Im Krieg kämpfen doch nur Kinder mit langen Gliedern. Und ihr junges Blut füllt die Gräben.

Sonntag, 11. Mai 2008

Goethes Garten

Da sitze ich in Goethes Garten und überall diese Schmetterlinge. Sie waren schon im Haus. Nichtsahnend und sorglos schreite ich durch die privaten Gemächer des toten Dichterfürsten und atme die Luft vergangener Tage, da wirbelt eine Armada kleiner Falter durch die Flure. Eine italienische Mädchenklasse. Nein eine tschechische. Rote Falter, schwarze Falter, sie flattern vor mir und hinter mir und überhaupt überall. Sie streifen fast meine Arme, fast meinen Hals, fast meinen Mund. Es riecht nicht mehr nach Staub, es riecht nach milchiger Haut und karmesinrotem Haar. Das Sonnenlicht bricht durch die Büsche, schmale Hüften wippen von links nach rechts - ich bin nur noch ein leidendes Bündel, viel zu weit weg von den Frühlingsgeschöpfen. Doch man kommt nicht hinein. Sie fliegen so eng beisammen. Ich zerfließe auf meiner weißen Gartenbank und dann ist der Spuck endlich vorbei. Warum, alter Mann, lässt du mich in deinem Garten leiden?

Dienstag, 6. Mai 2008

Weimar - ein Horror in Pastell

Bin seit gestern auf meinem zweiwöchigen Deutschland-Trip und soeben in der WG von Rob (links auf dem Bild) erwacht - meinem Couchsurf-Gastgeber.

Weimar hat mich zuerst einmal irritiert. Die ganze verdammte Stadt ist pastellfarben. Kein Haus, das nicht farbig ist. Dazu viel Kopfsteinpflaster, altehrwürdige große Bauten, viel Raum, viel Himmel. Aber es ist alles einen Tick zu niedlich, einen Tick zu aufgeräumt, einen Tick zu ruhig - und vor allem zu bunt.

Weimar ist die erste Stadt, in der ich mich nach Berlin gesehnt habe, und das "böse und barbarische" Berlin ist angeblich der "einzige Ort in Deutschland, wo man sich manchmal nach Sibirien sehnt". Wäre ich gemein und würde ich übertreiben, würde ich sagen, ich verstehe sogar, warum die Jugend in solchen restaurierten ostdeutschen Städten radikaler als anderswo ist: Man muss einfach ein Gegengewicht zu dieser cremefarbenen Bürgerlichkeit bilden. Nun gut, bisher habe ich nur ein paar Alternative gesehen.

Werde mir nachher die Anna-Amalia-Bibliothek und das Goethe- sowie das Schiller-Haus ansehen. Ich glaube, es gibt in dieser Stadt, keinen Stein, über den man nicht ein Geschichtsbuch schreiben könnte.

Nachtrag: Nein, in Weimar kann es aushalten. Dorfidylle. So lieblich wie in einem Sommerfilm. Und dann dieser Park. Ein süßes Labyrinth ewigen Grüns. Man möchte dort verloren gehen. Eine Stadt, die man in 15 Minuten durchschreiten kann. Karamelleis mit Sahne und Thüringer Rostbratwurst. Jeden Tag neue Schulklassen in dem viereinhalb-Straßen-Zentrum. Diese Stadt ist surreal wie ein Film in Technicolor.

Samstag, 23. Februar 2008

Die Konservierung der Freiheit


Erstaunlich, was man aus einem schlecht aufgelösten Handy-Bild alles machen kann.

Montag, 26. November 2007

Die Flügel wachsen

Es ist Punkt Mitternacht. Mit dem letzten Rutschen des Zeigers senkrecht in den vom Vollmond erhabenen Himmel hinein, soll dieser Eintrag beginnen. Nur noch ein Schluck aus dem alten Becher, gefüllt mit heißem Earl Grey mit Milch, Zucker, Honig und Scotch.

Nun bin ich also wieder zu Hause, wieder an der Stunde angelangt, in welcher einen bereits die Fühler des kommenden Morgens ertastet haben. Die Arbeit, der Alltag.

Ganz ehrlich: Ich habe mich gelangweilt, als ich Freitag Abend wieder nach Hause kam. Ich hatte soviel erlebt, so viele wundervolle Menschen kennen gelernt, mein Herz und meinen Geist so weit geöffnet und so zur Ruhe kommen lassen, dass ich den Geruch des Heimeligen, das auch für die Routine steht, nicht riechen mochte.

Ich war auch unfähig, über das Erlebte zu schreiben. Nur die Bilder meiner letzten Trips habe ich hochgeladen - ausgenommen Berlin. Vielleicht war es ähnlich wie bei dem jungen Juristen, den ich vor ein paar Wochen auf einer Mitfahrgelegenheit kennen gelernt habe. Er berichtete ausführlich von seiner Reise durch Indien und der tiefen Ruhe, die er dort erfahren hatte. Ich möchte mich nicht mit ihm vergleichen; ich war nur eine Woche unterwegs, doch auch er erzählte, dass als er wieder Heim kam, er nicht über die Erfahrungen sprechen konnte, die er gemacht hatte. Es klang noch alles zu stark nach, er war immer noch drinnen in diesem Gefühl, das man wohl nur als wahrer Reisender erfahren kann.

Nun, auch meine Erlebnisse sind zu umfassend, als dass ich sie erzählen könnte. Ich war in England, genauer in Coventry, und es war ein wirklich schöner Einblick in dieses Land und seine Menschen. Ich habe mich dort wohl gefühlt. Wirklich spannend wurde es aber eigentlich erst in Köln, nachdem ich wieder gelandet war.

Ich lernte einen Pianisten, Songwriter und Poeten kennen, weil ich ihn in einer Bar am Flügel sitzen sah. Ich habe zum ersten Mal gecouchsurft und großartige Gastfreundschaft erlebt. Ich habe viele Reisende getroffen, die es in die fernsten Länder zog. Und ich habe weitere Künstler und Musiker kennen gelernt. Teils durch einen Zufall, teils durch Mut, jemand Fremden anzusprechen.

Man kann sagen, ich wurde inspiriert. In allem. So wird auch meine kommende Kurzgeschichte davon profitieren, mit der ich einen neuen Maßstab für mich selbst zu setzen gedenke. Ebenfalls inspiriert wurde ich zu einem neuen Gedicht, welches ich bisher nur auf talentarena.de veröffentlicht habe (siehe Medien oder Galerie), einem frisch gegründeten Internet-Startup, welches in professioneller und durchdachter Art versucht, Künstlern aller Art ein Forum zu bieten. Bisher habe ich so etwas vergeblich gesucht.

Ich möchte zum Abschluss noch auf die Songs von Sten Fisher aufmerksam machen. Ich erwähnte ihn oben bereits. Er macht tolle Songwriter-Musik (Siehe Media > Online-Player unten).

Carpe Anima!


Nachtrag 1:30 Uhr: Weil ich die Audiodatei meines neuen Gedichtes (noch) nicht bei der Talentarena hochladen kann, präsentiere ich euch die spontan eingesprochene Version der "Nacht" hier. Warum kommen mir solche Ideen eigentlich immer, wenn ich am nächsten Morgen früh raus muss?









Nachtrag 1:50 Uhr: Oh nein, jetzt bin ich in Rezitier-Stimmung. Doch meine Stimme ist gerade so schön nächtlich warm, da macht es wirklich Spaß, Gedichte einzulesen. Ich war so frei, Rilkes Gedicht "Einsamkeit" einzusprechen. Hört es euch mal an. Ich finde es gelungen.







Dienstag, 20. November 2007

Being British

To be here in England is just wonderful. I think it's a very nice place to live. And I surprised myself because I have had almost no problems speaking with and understanding the English.

Yeah, right now am I here in the south of Coventry in the campus of the Warwick University. It is a very big campus - maybe even a small village!

The only disadvantage is that you can't get to the city of Coventry quickly enough. And I think it would be a lot better if there was such an opportunity. Otherwise you might find yourself trapped in the 'university bubble'. But hey, this is my first time in Britain, it is great and I am sure that I will check out other universities here - even if this is only possible via the internet. We'll see.

But I can imagine studying here too. There are so many nice people - and of course so many beautiful women! And so many cultures - especially exotic ones. It is a calm, peaceful place where you really can stretch your mind and become more intellectual! Tomorrow is the open day. I am curious.

Sonntag, 23. September 2007

Wiener Freunde

So war ich nun also in Wien, bin immer noch hier und habe noch ein paar Stunden, die ich in der Donaumetropole verweilen werde. Wien war anders als ich dachte: lauter, pulsierender, unsteter - ein urbaner Sprawl, rastlos, fremd, aber bevölkert von den herzlichsten Menschen, die ich seit langem traf.

Grund meiner Reise war, die Mitglieder der Gruppe "Wiener Freunde von Cafés und Literatur" zu treffen. Und so haben wir unzählige Stunden in den Wiener Cafés verbracht, darunter Hawelka, Kafka, Jelinek und Westend.

Seit diesem Wochenende gibt es nun auch für diese Gruppe, deren Mitglieder unter anderem über das studiVZ zusammengefunden haben, ein eigenes Online-Journal: cafe.twoday.net

Sonntag, 9. September 2007

Darmstadt und die kreative Klasse

Vorhin bin ich los, um noch ein paar Arbeiten im Café zu erledigen. Ich finde, dort lässt es sich am besten arbeiten. Man ist einfach nicht so abgelenkt wie zu Hause. Wie dem auch sei musste ich leider feststellen, dass das Café, in welches in gehen wollte, umgebaut wurde und mir nicht mehr gefiel. Ziemlich schnell wurde mir bewusst, dass Darmstadt kein einziges Café mit besonderem Flair hat (bezogen auf literarisch, schöngeistig geprägte Menschen wie mich). Okay, hinterher fiel mir noch das Café Chaos ein. Aber die Offenbarung ist das auch nicht. Eigentlich bietet Darmstadt der kreativen Klasse nicht sehr viel. Kein einziges wirklich gutes Café, ein äußerst mittelmäßiges Theater (die kleinen No-Name-Bühnen mal außen vor) und auch ansonsten pulsiert hier recht wenig. Lediglich ein Bierchen trinken kann man abends halbwegs passabel, aber natürlich immer in den gleichen zwei, drei Läden.

Mittwoch, 5. September 2007

Gute Nacht Nietzsche

Knapp vier Tage war ich zu Hause bei meinen Eltern gewesen. Und mal wieder merkte ich, dass es keinen schöneren Ort auf der Welt geben kann, als das Dorf meiner Kindheit. Nietzsche würde es die antiquarische Historie nennen, welche einem Wurzeln und ein Zugehörigkeitsgefühl und somit Glück und Zufriedenheit gibt. Doch trotzallem, würde ich wohl nicht mehr in diesem Ort längere Zeit leben wollen. Dafür gibt es dann doch noch zu viel spannendes Leben außerhalb. Aber es ist einfach eine schöne Heimat; ein schöner Ort, um nach Hause zu kommen - quasi die heile Welt eines Auenlandes.

Vier Tage war ich dort und die Zeit reichte nicht. Vier Wochen hätte ich benötigt, um einmal richtig auszuspannen. Vier Wochen, wie ich sie nach dem Diplom erst einmal zum Erholen eingeplant hatte. Doch die Last des eigenen Geldverdienens hatte mich dann doch zu schnell eingeholt. Vier Wochen, das wäre in jeglicher erdenklichen Hinsicht schön und sehr nötig gewesen. Vier Wochen wären gut gewesen. Aber leider sind sie mittlerweile vollends unrealistisch geworden, denn wie soll ich es mir leisten, ein volles Monatsgehalt Schulden zu machen? Die Kosten laufen ja weiter. Und dann verschweige ich lieber auch, dass ich gerne nach vier Wochen der Entspannung ein viertel Jahr auf Reisen gehen würde.

Well. Vier Tage war ich bei meinen Eltern. Die Hinfahrt war schon super, weil mich ein Punker-Pärchen in seinem Bulli mitgenommen hat - Mitfahrgelegenheit, nicht trampen - diesesmal. War sehr lustig. Doch noch besser war meine heutige Mitfahrgelegenheit: Ein junger Typ, 29, in einem alten Mercedes Transit?, in dem er auch wohnt. Ja richtig, der gute lebt in dem Ding. Bett, Küche, alles drin. Geiler Typ. Ist Krankenpfleger, hatte vor einem halben Jahr seinen Job gekündigt und ist er mal mit seiner Freundin durch die Ukraine und so gereist und schwärmt nun sehr von der Gastfreundschaft der Menschen dort. Auf jeden Fall war Lemmy, wie er hieß, ein cooler Typ, ein Mensch vor dem man einfach nur viel Respekt haben kann oder gar muss, weil er so selbstbestimmt sein Leben in die Hand nimmt und sich nicht von den Konventionen und Lebensentwürfen dominieren lässt, wie sie einem die Gesellschaft vorbetet.

Was bietet einem auch schon das handelsübliche Angestelltenleben? Zumeist, wenn man keine großen Hobbys außerhalb hat. Was? Arbeit und ab und zu mal mit den immer gleichen Bekannten bei einem Bier über immer die gleichen belanglosen Themen zu reden? Nun, dem Thema werde ich mich nicht jetzt widmen. Jetzt bin ich einach nur hundsmüde und werde pennen gehen. Werde mich in das Bett legen, welches mir so freundlich angeboten wurde - hier in Freiburg, der Stadt, in welcher in zum ersten Mal bin, um die drei geisteswissenschaftlichen Studenten zu treffen, die ich auch der Documenta getroffen habe, um heute mit ihnen ein erstes Lesezirkeltreffen abzuhalten. Den ganzen Abend haben wir bei Wein über Nietzsches "Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben" gesprochen. Es war sehr interessant. Aber vielleicht auch dazu später mehr. Gut' Nacht.


"Wir sind alle von Anfang an verflucht, und auch Du musst erst furchtbar verletzt werden, bevor Du ernsthaft schreiben kannst." - Hemingway an Fitzgerald

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