Wenn Siegried Lenz auf sich aufmerksam macht, dann tut er das mit einem Buch. Das ist für Schriftsteller ja nicht mehr selbstverständlich. Doch ein Mann, der diesem Land mehr als eine Deutschstunde gegeben hat, braucht den Lärm der Literaturbetriebe nicht. Auch dafür wird er geliebt.
Tolle Seite-3-Reportage in der SZ am Samstag.
Thalia versklavt die Buchverlage. Oder wie die SZ schreibt: "Welche Literatur in den Ladenregalen steht und beworben wird, das liegt immer seltener in der Hand der Verlage. Die Buchwelt klagt zwar stets über das Internet. Doch inzwischen ist klar, dass es zur Zerstörung einer ganzen Branche keiner neuen Medien bedarf: Große Ketten wie Thalia besorgen das auf ihre Weise."
Das Medium Magazin kürt jedes Jahr 30 Nachwuchs-Talente. Oder wie die Redaktion schreibt: "Neue Hoffnungsträger für den Journalismus". Aber braucht der Journalismus überhaupt neue Hoffnungsträger? Es klingt ein bisschen wie: Die aktuellen Journalisten bringen's nicht mehr. Es erinnert an Hoffnugsträger im Fußball, an den Aufstieg und Absturz von Sebastian Deisler (PS: grandioses Interview dazu in der Zeit). Die Medien erschaffen solche Stars erst. Das Talent und Können bringen sie natürlich mit, aber zum Ruhm helfen die Medien. Aber müssen nun wirklich die Medien auch noch Medienschaffende hypen? Es reicht doch, wenn sich einige Medienschaffende selbst hypen.
Niedriglohn, Gesundheitssystem, Entlassungen und Generationen-Gerechtigkeit: Wie gerecht ist Deutschland? Von der Zugspitze bis nach Sylt sind die ZDF-Reporter unterwegs.
Die beste und bewegendste TV-Reportage, die ich bisher gesehen habe. [Ansehen ...]
Jochen Martin-Gutsch hat für den "Spiegel" ein fantastisches Portrait über Boris Becker geschrieben. Ein journalistisches Glanzstück durch und durch.
Junger, alter Mann
Fragt man Becker heute nach seinem Beruf, dann sagt er Geschäftsmann. Vor allem aber ist er ein 41 Jahre altes Denkmal. Er lebt vom Ruhm und Geld vergangener Tage, und manchmal spürt man, dass ihm das bewusst ist. Dann kriecht die Furcht hervor, dass der Höhepunkt bereits vorbei sein könnte. Ein junger, alter Mann. Ein Frührentner. Ein Luxus-Arbeitsloser. [online lesen ...]
Mitten in der Debatte um den von der Bundeswehr befohlenen Luftangriff in Afghanistan, bei dem Dutzende Taliban und wohl auch viele Zivilisten starben, hat die Süddeutsche Zeitung am Montag mit einer ungewöhnlichen Reportage überrascht.
Am ehesten war mit einer Reportage vom Ort des Geschehens zu rechnen. Aber es geht ja immer noch Afghanistan und da fährt man als Reporter nicht mal spontan am Wochenende hin.
Zu erwarten war also ein Stück über die Akteure der politischen Debatte. Doch statt dem Medienreflex zu folgen hat die Seite-3-Redaktion unter Alexander Gorkow (vorher Chef von SZ-Wochenende) überlegt, worum es wirklich geht: um die deutschen Soldaten. Und wer kann besser über ihre Erfahrungswelt berichten als die Kriegsheimkehrer?
Inmitten des Trubels, Verurteilen des Luftangriffes und Forderungen eines baldigen oder gar sofortigen Rückzugs der Bundeswehr aus Afghanistan ließ die SZ die Soldaten zu Wort kommen, die bereits einen Einsatz hinter sich haben.
Sie sagten, sie wünschten sich mehr Anerkennung für ihre dortige Arbeit. Oder: "Wir sind durchweg auf Leute gestoßen, die gesagt haben: 'Wir sind froh, dass ihr da seid'". Die Soldaten erzählten vom täglichen Kampf der Menschen um ihr Brot und von Müttern, die mit kranken Kindern in der Kälte auf Medikamente warteten.
Doch die Aufbauhilfe, so die SZ, trete in der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr in den Hintergrund. Die meisten Deutschen seien für den Abzug. Ein General a. D. sagte in der Reportage: "Der Großteil der Bevölkerung ist nicht daran interessiert, was in Afghanistan läuft."
PS: Die Reportage ist leider nicht online, weil die SZ die Seite 3 generell nicht online stellt. So sehr man das Bedauern kann, so sehr ist es auch ein Grund das Blatt ab und an zu kaufen.
RWE hat sich einen Image-Film basteln lassen, der das Energieunternehmen als Grünen Riesen darstellt. Im Netz ist dieser Clip nun mit Untertiteln aufgetaucht, der zeigt, wie grün RWE wirklich ist. Ob alle Zahlen stimmen, kann ich aber nicht sagen.
Interview der Woche im Deutschlandfunk (Skript). Zur Antwort steht FDP-Chef Westerwelle. Der Interviewer springt von einem Thema zum nächsten, lässt Westerwelle schön ausreden und alles gemütlich erklären. Der Interviewer hakt nicht nach, bohrt nicht, konfrontiert nicht, spult nur seinen Fragenkatalog ab. Es gibt keine Debatte, kein Streitgespräch, keine Spannung.
"Es mangelt an der Zivilcourage, sich zu einem militärischen Engagement (im deutschen Sinne, 7an) zu bekennen, das man durchaus begründen kann und begründen muss." Diesen sehr wichtigen Satz schrieb Michael Hanfeld in seiner Rezension zu "Willkommen zu Hause", einem ARD-Spielfilm über einen deutschen Soldaten, der im Afghanistan-Einsatz einen Kameraden und Freund verloren hat und es nicht schafft, zurück in sein altes Leben zu finden.
„Ich will deinen verdammten Krieg nicht in meinem Haus, ich will meinen Frieden“, bringt es die Mutter des Mannes auf den Punkt. Der Film setzt den Zuschauer einer deutschen Reihenhaus-Bürgerlichkeit aus, die man schon als Nicht-Soldat nur schwer ertragen. Es ist dieser unbedingte Wille, den Heile-Welt-Motor um jeden Preis am laufen zu halten, der so sehr verstört. Es ist das sich Nichteinlassen mit der Thematik. "Wie war denn das Essen in Afghanistan?" fragt die Freundin des Soldaten. Mit den Problemen, unter denen Kriegsheimkehrer (und im Übrigen Mitarbeiter humanitärer Organisationen ebenso) leiden können, hat sie sich nicht beschäftigt. Ebenso wenig wie seine Eltern.
Und der Soldat, hervorragend gespielt von Ken Duken, weiß selber nicht so Recht um seine Probleme. Er weiß nur, dass er brechen muss, sobald er gegrilltes Fleisch riecht, dass er ausflippt, wenn er klirrendes Glas hört - um nur ein paar Reaktionen zu nennen.
Der Film ist zwar fiktiv, basiert aber auf realen Erlebnissen etlicher deutscher Soldaten und könnte dokumentarisch-nacherzählter nicht sein. Mehr noch als der Baader-Meinhof-Komplex, der den RAF-Terror früherer Jahrzehnte behandelt, ist "Willkommen zu Hause" ein Pflichtfilm für jeden Bundesbürger. Und darüber hinaus auch für jeden, der auch nur irgend einen Bezug zu Afghanistan, dem Terrorismus oder der muslimischen Welt hat. Gewissermaßen ist das Ansehen dieses Films ein Mindestbeitrag an Zivilcourage.
Bei Youtube kann man sich den Film in voller Länge ansehen.
Die Drehbuchautoren von dem ZDF-Dreiteiler "Die Rebellin", namentlich Christian Jeltsch und Monika Peetz gehören wirklich verprügelt. Soviele vollkommen gekünstelte Drama-Spitzen habe ich mein Leben lang noch nicht gesehen.
Die Filme sind eigentlich wirklich gut. Aber spätestens im dritten Teil bekommt man alle fünf Minuten einen Schreikrampf, weil mit der Brechstange ein Drama herbeigebogen wird. Da können auch schon mal die Darsteller so handeln, wie es nicht zum Charakter der Figuren passt. Von völlig absurden Zufällen ganz abgesehen.