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Das Essen mit einem Armen teilen

Es ist so gut wie unmöglich, sich einen Tag in Berlin zu bewegen, ohne einen Menschen zu treffen, der um etwas Geld bittet. Junge Menschen, die in den Bahnen mit einer monotonen Stimme die Störung entschuldigen, erzählen, dass sie ganz frisch obdachlos geworden sind und um etwas Geld bitten. Manche verkaufen die Zeitung Straßenfeger, andere sagen nichts uns musizieren einfach. Musiker gibt es alle 50 Meter in Berlin. Manchmal auch alle fünf. Es ist Routine in der Hauptstadt.

Neulich war ich dennoch ein wenig verdutzt, als ein am Straßenrand sitzender Mann, dem ich auf eine Bitte hin, zuvor 20 Cent gegeben hatte, meine leere Pfandflasche nicht haben wollte. Vielleicht war ich deshalb so überrascht, als mich heute Abend ein älterer Mann auf einer Bank sitzend ansprach und schlicht um etwas zu essen bat.

Ich kam gerade vom Inder und hatte ein Gericht dabei. Spontan gab ich dem Mann meinen Vorspeisesnack - diese knusprigen, scharfen Dinger, deren Namen ich nicht weiß. Sie zerbröselten unter seinen Händen, doch er bedankte sich sehr.

Ich dachte mir, als ich weiterging, dass das keine besondere Spende von mir war. Auch zu Hause beschäftige es mich weiter.

Ich beschloss, dem Mann sofort etwas zu bringen. Aber was? Ein belegtes Brot? Aber wie konnte ich ihm nur ein Brot bringen, wenn ich selber ein Hühnercurry zu essen hatte? Ich entschied mich, mein Essen zu teilen. Die Hälfte nahm ich aus der Box und legte noch eine Scheibe Brot hinein. Dazu nahm ich ein Bier mit.

Der Mann saß noch an seinem Platz. Ich gab ihm alles. Mehr Rührung und Freude habe ich, soweit ich mich erinnern kann, nie gesehen.
mrpink - 2009-09-08 11:09

Respekt

ich ziehe den Hut!

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