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Die Flügel wachsen

Es ist Punkt Mitternacht. Mit dem letzten Rutschen des Zeigers senkrecht in den vom Vollmond erhabenen Himmel hinein, soll dieser Eintrag beginnen. Nur noch ein Schluck aus dem alten Becher, gefüllt mit heißem Earl Grey mit Milch, Zucker, Honig und Scotch.

Nun bin ich also wieder zu Hause, wieder an der Stunde angelangt, in welcher einen bereits die Fühler des kommenden Morgens ertastet haben. Die Arbeit, der Alltag.

Ganz ehrlich: Ich habe mich gelangweilt, als ich Freitag Abend wieder nach Hause kam. Ich hatte soviel erlebt, so viele wundervolle Menschen kennen gelernt, mein Herz und meinen Geist so weit geöffnet und so zur Ruhe kommen lassen, dass ich den Geruch des Heimeligen, das auch für die Routine steht, nicht riechen mochte.

Ich war auch unfähig, über das Erlebte zu schreiben. Nur die Bilder meiner letzten Trips habe ich hochgeladen - ausgenommen Berlin. Vielleicht war es ähnlich wie bei dem jungen Juristen, den ich vor ein paar Wochen auf einer Mitfahrgelegenheit kennen gelernt habe. Er berichtete ausführlich von seiner Reise durch Indien und der tiefen Ruhe, die er dort erfahren hatte. Ich möchte mich nicht mit ihm vergleichen; ich war nur eine Woche unterwegs, doch auch er erzählte, dass als er wieder Heim kam, er nicht über die Erfahrungen sprechen konnte, die er gemacht hatte. Es klang noch alles zu stark nach, er war immer noch drinnen in diesem Gefühl, das man wohl nur als wahrer Reisender erfahren kann.

Nun, auch meine Erlebnisse sind zu umfassend, als dass ich sie erzählen könnte. Ich war in England, genauer in Coventry, und es war ein wirklich schöner Einblick in dieses Land und seine Menschen. Ich habe mich dort wohl gefühlt. Wirklich spannend wurde es aber eigentlich erst in Köln, nachdem ich wieder gelandet war.

Ich lernte einen Pianisten, Songwriter und Poeten kennen, weil ich ihn in einer Bar am Flügel sitzen sah. Ich habe zum ersten Mal gecouchsurft und großartige Gastfreundschaft erlebt. Ich habe viele Reisende getroffen, die es in die fernsten Länder zog. Und ich habe weitere Künstler und Musiker kennen gelernt. Teils durch einen Zufall, teils durch Mut, jemand Fremden anzusprechen.

Man kann sagen, ich wurde inspiriert. In allem. So wird auch meine kommende Kurzgeschichte davon profitieren, mit der ich einen neuen Maßstab für mich selbst zu setzen gedenke. Ebenfalls inspiriert wurde ich zu einem neuen Gedicht, welches ich bisher nur auf talentarena.de veröffentlicht habe (siehe Medien oder Galerie), einem frisch gegründeten Internet-Startup, welches in professioneller und durchdachter Art versucht, Künstlern aller Art ein Forum zu bieten. Bisher habe ich so etwas vergeblich gesucht.

Ich möchte zum Abschluss noch auf die Songs von Sten Fisher aufmerksam machen. Ich erwähnte ihn oben bereits. Er macht tolle Songwriter-Musik (Siehe Media > Online-Player unten).

Carpe Anima!


Nachtrag 1:30 Uhr: Weil ich die Audiodatei meines neuen Gedichtes (noch) nicht bei der Talentarena hochladen kann, präsentiere ich euch die spontan eingesprochene Version der "Nacht" hier. Warum kommen mir solche Ideen eigentlich immer, wenn ich am nächsten Morgen früh raus muss?









Nachtrag 1:50 Uhr: Oh nein, jetzt bin ich in Rezitier-Stimmung. Doch meine Stimme ist gerade so schön nächtlich warm, da macht es wirklich Spaß, Gedichte einzulesen. Ich war so frei, Rilkes Gedicht "Einsamkeit" einzusprechen. Hört es euch mal an. Ich finde es gelungen.







tande dani - 2007-11-26 15:53

*zzz* Jospeh von Eichendorff ist heute 150 Jahre tot und du hast dazu nix auf deinem Blog! Dabei gehört Eichendorff mit etwa 5.000 Vertonungen zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern ... ;o) Rilke is bald nur 81 Jahre tot ...
7an - 2007-11-26 16:28

Auch wenn Eichendorff ein cooler Typ war, mal ehrlich: Wen interessiert es, ob irgendwer 150 Jahre, 151 Jahre oder sonst wie lange tot ist? Ich halte von diesem Datums-Diktat überhaupt nichts. Es reicht, wenn man sich dem als Journalist unterwerfen muss. Aber in dieser Hinsicht: Danke für den Hinweis.
Tarass - 2007-11-26 20:44

Hey - die "Nacht" ist wirklich ein schönes Gedicht - und schön eingsprochen!

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"Wir sind alle von Anfang an verflucht, und auch Du musst erst furchtbar verletzt werden, bevor Du ernsthaft schreiben kannst." - Hemingway an Fitzgerald

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