header_wein

Verklag mich doch, Bahn AG!

Die Bahn hat mir eine Rechnung geschickt. "Bitte überweisen sie uns 212 Euro! für die neue Bahncard". Na super. Die Bahncard funktioniert ja über ein sich selbst verlängerndes Abo. Wenn die Bahn kundenfreundlich wäre, würde sie einem obendrein anbieten, das Bahncard-Abo zu kündigen. Wenn die Bahn kundenfreundlich wäre, würde sie auch jedem Studenten die studentische Ermäßigung zum halben Preis anbieten und es nicht auf 26 Jahre begrenzen. Leider habe ich meine Bahncard vor einem knapp einem Jahr an meinem 26. Geburtstag gekauft.

Dieses System der Altersbegrenzung ist überhaupt beliebt. Ab 25 muss man sich als Student selber versichern (56 Euro im Monat), mit 30 gibt es nicht einmal mehr diesen ermäßigten Satz. Dann muss man ein paar Hundert Euro zahlen. Kindergeld gibt es auch nur bis Mitte 20.

Die Gesellschaft möchte eben nicht, dass man ab oder über ein gewisses Alter hinaus studiert. Die Gesellschaft möchte generell nicht, dass jemand ausführlich und lange studiert. Er könnte ja zu schlau werden und die Gesellschaft kritisieren, anstatt ein kleines dummes, schweigendes Rädchen im Getriebe des Systems zu werden.

Aber wir waren bei der Bahncard. Keine Ahnung, wie ich das bezahlen soll. Keine Ahnung, ob ich überhaupt eine Bahncard zu dem Preis haben möchte. Im nächsten halben Jahr werde ich das Geld sicher nicht aufbringen können. Ich werde aber vielleicht meinen Dispo das ein oder andere Mal um diesen Betrag überziehen müssen. Wie schändlich von mir, als Student nicht genug Geld zu verdienen. Tja, dann muss mich wohl die Bahn verklagen. Gut, dass mich juristische Schritte gegen mich nicht sonderlich interessieren. Vielleicht sollte ich noch Jura studieren. Dann werde ich Anwalt und verklage jeden, der mich nervt.

Nachtrag vom 20.02.: Habe beim Bahn-Service angerufen. Sie haben ohne Aufsehen meine Kündigung - die ja eigenlich früher hätte erfolgen müssen - akzeptiert. Das sei ihnen angerechnet. Eigentlich brauche ich zwar die Bahncard, aber 212 Euro kann ich unmöglich die nächsten Wochen auftreiben. Den halben Studentenpreis hätte ich vielleicht noch irgendwie zahlen können. Es ist wirklich nicht schön von der Bahn, die Studententarife bis 26 zu begrenzen.
Raine - 2007-02-17 22:00

212€...+__+
Bei den Preisen müsste man ja erwarten, dass die Bahn wenigstens nen guten Service hat.
Kannst du da nicht doch irgendwie wieder rauskommen?
dus - 2007-02-17 22:03

hm

mein mitleid hält sich in grenzen, was zb die versicherung angeht.
ich zahl ein paar hundert euro im monat. dafür reiss ich mir jeden tag den arsch in der arbeit auf. man kann ja als student auch nebenbei was jobben... bahncard könnte ich mir auch keine leisten.
ich bin vielleicht auch sehr studentenkritisch, schon möglich. das liegt warscheinlich daran, dass ich nicht genug geld verdiene um sagen zu können, ich hab mehr möglichkeiten als ein student... hehe
:) dafür bin ich unabhängig. das lieb ich
Raine - 2007-02-17 22:18

"Student sein" ist doch im Prinzip ein Job. Vorlesungen, Praktika und nachlernen danach...das alles ist ein Fulltime-Job.
Daher ja auch die Vergünstigungen, die notwenig sind, weil man als Student nicht noch nebenbei viel verdienen kann und darf (jedenfalls dann, wenn man die Hälfte nicht auch noch an Steuern loswerden will).
Trotzdem arbeiten die meisten noch nebenbei, weil es ansonsten gar nicht mehr geht.

Viele Leute, die nicht studiert haben oder kein Kind haben, welches studiert, wissen manchmal gar nicht, was es bedeutet Student zu sein und wie schwer es einem heutzutage gemacht wird. Dabei wird dauernd geredet, dass das Land hochqualifizierte Leute braucht und trotzdem wird es einem fast unmöglich gemacht, außer die Eltern können nachhelfen. >,<
7an - 2007-02-17 22:37

lieber dus,

selbst, wenn man soviel arbeitet, wie irgend möglich, kann man sich heutzutage nicht unter garantie ein studium leisten. selbst diejenigen die bafög bekommen, müssen später bis zu mehrere zehntausend euro zurückzahlen. mit den studiengebühren wird es noch schwerer. dafür werden viele studenten hochverzinste kredite aufnehmen müssen. anderseits bietet ein studium auch unabhängigkeit, geistige unabhängigkeit.

wenn du hart arbeitest, um dein unabhängiges leben zu finanzieren, habe ich davor respekt. aber, wenn du nicht verstehen solltest und möchtest, dass man menschen, die voll im beruf stehen nicht mit studenten vergleichen kann, dann, lieber dus, fahr zur hölle.
nachtschwester - 2007-03-12 23:46

Fahr zur Hölle????
Hier hab ich aber auch ein Verständnisproblem. Wie lange planen Sie denn, weiter Vergünstigungen in Anspruch nehmen, um möglichst lange zu studieren? Haben Sie mal dran gedacht, dass für Studentenermäßigungen am Ende der Nahrungskette berufstätige Nichtstudenten aufkommen, oder auch berufstätige Studenten?

Ich studiere berufsbegleitend an einer privaten Hochschule und zahle dafür hohe Studiengebühren. Ich schnalle den Gürtel gern ein paar Jahre enger, denn ich sehe Bildung als Investition an. Überlegen Sie sich einfach, wieviel Sie ohne Ihr Studium als ungelernte Hilfskraft im Jahr verdienen, und wieviel mit ihrem angestrebten Abschluss. Ich bin sicher, das Gejammer über Ausgaben für eine Bahncard, die man sich immer irgendwie verdienen kann, wenn man will, relativiert sich dann schnell.
7an - 2007-03-13 01:57

worum gehts hier eigentlich? um neid? und was heißt hier enger schnallen. als student gibts nix enger zu schnallen. die meisten kommen halt gerade so über die runden oder liegen gar unter dem rechtstaatlichen existenzminimum. und jeder ist froh, wenn er keine gebühren bezahlen muss, die die meisten nur durch kredite -sprich schulden - bewältigen können. natürlich hat man als akademiker bessere chancen auf dem arbeitsmarkt. aber scheiß, auf den arbeitsmarkt und top-gehälter. ein studium dient nicht dazu, um lohnsklaven heran zu bilden, sondern um den geist zu öffnen und um intellekt zu bilden. und manche menschen möchten auch gar keine karriere machen, sondern einfach etwas arbeiten, was ihnen spaß macht. ich auch. in einem halben jahr werde ich selbstständig sein und habe mit glück und viel arbeit vielleicht netto genauso viel geld wie jetzt als student, der einen teil seines unterhaltes bezahlt bekommt. ich könnte schlicht keine kredite nach dem studium abbezahlen. wovon?

aber kommen wir zum ausgangspunkt zurück? warum gibt es keine einheitlichen ermäßigungen für studenten? studenten haben nun mal kaum geld. und darum geht es. nicht, was später mal ist. warum ist das kindergeld vom alter her begrenzt? warum muss man sich mit 25 selber krankenversichern? warum gibt es die scheiß bahncard nur bis 26 ermäßigt? warum gibt es keine pauschale gez-befreiung mehr für studenten? wo ist der grund?

und was heißt hier, die erwerbstätigen zahlen für studenten? klar, der staat finanziert die unis? aber was wäre denn, wenn nicht? bildung ist in einem dienstleistungsland wie deutschland das wichtigste gut. wir brauchen nicht primär arbeiter und niedriglohnjobs (die werden eh ins ausland ausgelagert). wir brauchen hochqualifizierte arbeitskräfte, damit wir als staat in der globalisierung nicht untergehen. und deutschland investiert noch viel zu wenig in die bildung. statt dessen werden mal eben ein paar tausend lehrer (bayern) oder professoren (berlin) entlassen. aber trotz allem, sollen die deutschen schön kinder bekommen, damit die demographische kurve nicht allzu hart zuschlägt. aber wozu führt das denn, wenn in der bildung gespart wird und ein studium immer mehr geld kosten wird? es führt zu einer neuen sozialen unterschicht! wir bilden sie selbst heran. schön, oder?

studenten und akademiker sind der entscheidende zukunftsfaktor. ein staat oder wer auch immer es ihnen schwer macht, schneidet sich ins eigene fleisch.

Trackback URL:
http://jan.twoday.net/stories/3332552/modTrackback

Suche

 


Empfohlene Artikel

Geschossen

www.flickr.com

7ans Radio

Geschätzt


Buchmesse
Das Schreiben
Diplomtagebuch
Fundsachen
Gedanken
Gedicht-Vertonungen
Gesellschaftskritik
Irgendwie poetisch
Journalismus-Studium
Journalistisches
Literaturkritik
Medienkritik
Meinung
Nachtgedanken
Panorama
Persönliches
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren