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Samstag, 8. September 2007

Literatur hoch dosiert

Ich habe ständig das Gefühl, unglaublich viel Literaturwissen nachholen zu müssen. Oder anders: Ich will einfach immens viel Wissen und zwar sofort. Das artet dann oft in stundenlangen Sessions aus, in denen ich mir haufenweise Wikipedia-Biografien durchlese und zumeist auch noch die Hauptwerke von Künstlern und Literaten ausfindig mache sowie worum es in ihnen geht und wie gut sie umgesetzt sein sollen. Heute hatte ich wieder so eine Phase.

Unter anderem habe ich mir die Wiki-Biografien durchgelesen von:

Friedrich Nietzsche: (siehe Wikipedia) Leider ein zu lebzeiten verkannter Mensch, der nicht so nihilistisch ist, wie wohl viele glauben. Gerade sein Werk "Von Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben" geht es ja primär darum, dass die Vergangenheit nie die Gegenwart hemmen darf. Es ist ein Buch zum Bejahen des Lebens, "jene dunkle, treibende, unersättlich sich selbst begehrende Macht", wie Nietzsche schrieb.

E. T. A. Hoffmann: (W) ein Pianist, Dramaturg, Literat, Karikaturist, gerechter Richter und sehr freigeistiger Mensch, der einen Hang zu schwarzromantischen Geschichten hatte, in denen es beispielsweise um Geheimbünde geht, denen Menschen verfallen. Außerdem parodierte er gerne die spießige Obrigkeit oder verliebte sich hoffnungslos in unerreichbare Frauen.

Walter Benjamin: (W) ein deutscher Philosoph, Gesellschaftstheoretiker und Übersetzer von unter anderem Werken Baudelaires. Vorwiegend befasste er sich mit der Ästhetik und der Kunstsoziologie. Leider musste er als Jude vor den Nazis fliehen und nahm sich 1940 in Frankreich an der Grenze nach Spanien nach einem gescheiterten Fluchtversuch mit einer Überdosis Morphium das Leben.

Fjodor Dostojewski: (W) jemand, der sich ganz der Kunst, sprich der Literatur verschrieben hatte, bisweilen bitterlich verarmt war und vor seinen Gläubigern nach Deutschland flüchten musste. Ein Meister der Analyse von Persönlichkeitstypen und der russischen Seele.

Eher oder auch die Werke selbst haben mich interessiert von:

Nikolai Gogol: (W) Vorbild Dostojewskis. Hat viel über Vereinsamung und über träumerische Menschen geschrieben, die kein Glück in ihrem Alltag finden, sich völlig in ihrer Fantasie verlieren und oft letztlich dem Wahn anheim fallen.

Fjodor Dostojewski:(W) hat viele man muss wohl beinahe sagen psychologische Bücher geschrieben - jedenfalls was die Motive seiner Hauptfiguren betrifft. Genannt seien "Der Idiot", ein Buch über eine Art "Christus", der aber in seiner Menschenliebe völlig scheitert, und genannt sei auch "Der Spieler", ein fast autobiografisches Buch über Dostojewskis Spielsucht und die Genuss, alles für den Moment zu opfern.

Charles Baudelaire: (W) der französische Meister des Wahnsinns, der Dichter des Fin de Siècle. Stichworte: Weltschmerz, Überdrüssigkeit, Dekadenz, Rausch. Ich habe überlegt mir sein Hauptwerk "Fleur du mal / Die Blumen des Bösen" zu kaufen, aber die Übersetzungen sollen alle schlecht sein und im O-Ton verstehe ich gar nichts. Habe mich daher entschieden, Prosastücke von ihm zu kaufen (siehe unten) und mir von einer deutschen Übersetzung die ersten zwei Seiten aus dem Netz auszudrucken (auf Deutsch), um mir zunächst ein Bild davon zu machen.

Gekauft habe ich:

Sommer 1816. Lord Byron und die Shelleys am Genfer See - Hans-Ulrich Mielsch: (siehe Amazon) Ich bin vernarrt in die englischen Romantiker, Shelley, Byron und Keats. Besonders interessant muss die Zeit gewesen sein, als sich die Shelleys und Byron 1816 an besagtem See getroffen haben. Eine Zeit voller Gespräche über das Leben und die Literatur. Unter anderem wurde auch dort der Grundstein für Mary Shelleys "Frankenstein" gelegt. Man hatte nämlich untereinander einen Horror-Geschichten-Wettbewerb gestartet.

Übrigens muss ich an dieser Stelle einen hervorragenden Artikel aus dem New Yorker über Percy Shelley bzw. eine Kritik über eine Biografie über den Dichter empfehlen (den New Yorker lohnt es sich übrigens auch als Heft zu kaufen - auch wenn er 10,50 Euro kostet. Die Site sieht aber auch sehr ästethisch aus, was man auch erwarten kann, da das Heft schließlich als das amerikanische Intellektuellenblatt gilt). Von Shelley habe ich mir übrigens auch noch ein paar Gedichte und ein paar Briefe an seine Frau Mary Shelley runtergeladen und ausgedruckt.

Letzte Sommer. Mit Shelley und Byron an den Küsten des Mittelmeers - Edward Trelawny: (A) Trelawny war Abenteurer und ein Weggefährte der britischen Dichter. Gemeinsam schreibt er über die Erlebnisse zwischen Italien und Griechenland.

Die Tänzerin Fanfarlo und Der Spleen von Paris. Prosadichtungen - Charles Baudelaire: (A) Ich weiß noch nicht genau, was ich damit anfangen können werde, erwarte aber diesen Hauch von Anrüchigkeit und Décadence. Es schien eines der wenigen Werke von Baudelaire zu sein, die nicht in strenger Form gedichtet wurden und sich somit auch in einer Übersetzung nicht viel verlieren.

Weiße Nächte. Eine Liebesgeschichte - Fjodor Dostojewskij: (A) ein Buch über Liebe, die nur über Gespräche gelebt wird. Ein 27-jähriger Mann trifft eine 17-Jährige, sie erzählen sich über Sehnsüchte und ihre Einsamkeit, doch am Ende bleibt der Mann allein. Dostojewskij soll unglaublich die nur 100 Seiten Geschichte äußerst einfühlsam und bewegend geschrieben haben.

Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit - Walter Benjamin: (A) Benjamin schreibt darüber, dass durch die Möglichkeit, Kunstwerke vervielfältigen zu können, dem Werk die Seele geraubt wird. Das Buch ist das nächste Werk, welches wir in dem Freiburger Lesezirkel besprechen werden.

Das Drama mit dem Geld und den Leidenschaften

Meine literarischen, kreativen und sonstigen dem Leben zugewandten Interessen sind so exorbitant, gewaltig und drängend, dass ich mich eigentlich nicht in der Lage sehe, Zeit für das Geldverdienen aufzubringen.

Multipel

Manchmal, fühle ich mich, als ob ich fünf Gehirne bräuchte, nein besser fünf Körper. Soviel ist es, das mich drängt, das von mir erkundet, erlebt und gelesen werde möchte. Und wann soll ich dann noch selber schreiben - geschweige denn Zeitung lesen? Und Klavier üben erst. Wahnsinn. Und dann ist das Wochenende schon wieder vorbei und man hat nur ein Zehntel von dem geschafft, was man schaffen wollte. Und eigentlich wollte man sich auch einfach nur mal ausruhen. Was ein böses Spiel.

Charakterstark ohne Geld

Im Laufe der Arbeit am Roman überträgt Dostojewski dann immer mehr negative Eigenschaften vom Idioten auf die Sündenbockfigur Rogoschin, gleichzeitig baut er aber auch deutliche Signale für ihr enges Zusammengehören in seinen Text ein. Beide sind gleich alt, beide sind ohne Geld (bei Dostojewski immer ein Zeichen von Charakterstärke) [7an: lol, ich mag Dostojewski], beide lieben dieselbe Frau.

- Aus einer Kritik der Neuen Züricher Zeitung zu Dostojewskis Roman"Der Idiot". Quelle: Amazon


"Wir sind alle von Anfang an verflucht, und auch Du musst erst furchtbar verletzt werden, bevor Du ernsthaft schreiben kannst." - Hemingway an Fitzgerald

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