Ein Bier getrunken und schon ist man dran. Jedenfalls wenn man noch Fahranfänger in der Probezeit ist.
Das Bundeskabinett hat ein Gesetz beschlossen, wonach ab dem nächsten Jahr (wenn das Gesetz durch kommt) für Führerscheinneulinge die Null-Promille-Grenze gilt, wenn sie ein Fahrzeug lenken wollen. Wird man auch nur einmal erwischt, muss man zur Nachschulung, die mehrere hundert Euro kostet und die Probezeit verlängert sich von zwei auf vier Jahre. Das ist eine tolle Sache.
Mich haben sie damals auch dran bekommen. Aber nicht wegen Alkohol, sondern weil ich mit meinem Motorrad aus Versehen im Überholverbot überholt habe - oder besser: vorbei gerollt bin. Das Gesetz zur Probezeitverlängerung war damals brandneu. Ich war quasi einer der ersten, die es ausprobieren durften.
Machen wir uns mal nichts vor. Die bestehenden Alkoholgrenzen sind real gesteckt. Viel mehr als zwei Bier darf man sich als Mann nicht erlauben, wenn man noch fahren will. Aber oft reicht einem das auch schon. Mir zumindest reicht das, wenn ich noch fahren will. Und ich bin jahrelang selber in Disotheken oder zu Partys gefahren und musste mit meinem Auto wieder Heim. Ein, zwei Bier waren genug. Es wäre aber sehr schade gewesen, darauf zu verzichten.
Manche mögen das schon für zuviel halten. Jedem das seine. Ich bin noch nie betrunken im Straßenverkehr gefahren und nachdem ich einmal betrunken ein Auto umparken wollte und eine Beule reingefahre habe, weiß ich, wie krass die Wahrnehmung bei starker Alkoholisierung beeinträchtigt ist.
Davon abgesehen wurde ich auch schon ein paar Mal von der Polizei angehalten und habe zugegeben, wenn ich davor ein Bier getrunken hatte - pusten musste ich da nie. Pusten bzw. zur Alkoholmessung in der Atemluft musste ich nur einmal. Aber auch nur, weil ich einen Drift quer über eine Kreuzung hingelegt hatte. Im Laufe des Tages hatte ich da zwar ein paar Bier getrunken, aber die gemessenen 0,1 Promille hatten da keine Aus- und Nachwirkungen.
Warum schreibe ich das hier? Weil ich das Gesetz diskriminierend finde. Null Promille. Mein Gott. Dann darf man nicht mal ein Glas Wein trinken, wenn man zum Essen eingeladen wurde. Oder neulich in der Uni: Da haben die Profs ein Schluck Sekt spendiert, weil wir alle scheinfrei waren. Nach dem neuen Gesetz wäre das aber für Fahranfänger schon zuviel. Es ist absolut lächerlich. Ich sehe schon die ganzen jungen Leute, die eifrig vom Staat gefickt werden. Und wer sagt etwas dagegen? Niemand. Denn ein paar Fahranfänger haben keine Stimme und kein Sprachrohr.
Nachtrag: Laut dem
ZEIT-Artikel wird bei künftigen Kontrollen "davon ausgegangen, dass Alkohol im Blut ab einem Wert von 0,2 Promille wirksam wird". Der Schluck Sekt wäre somit ohne Risiko. Dennoch ist die Grenze messerscharf. Da könnte es einem schon zum Verhängnis werden, wenn man nach durchzechter Nacht fährt, auch wenn man lange geschlafen hat.