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Samstag, 17. Februar 2007

Der Mensch ist kein Humankapital

Von jeher gab es besondere Bildungseinrichtungen, um Eliten heran zu bilden. Auch heute sind Firmen besonders an hochqualifizierten Kräften interessiert. Die Schulen und Universitäten sind stolz, wenn ihre Absolventen Karriere machen und den Ruf ihrer Ausbildungsanstalten mehren. Doch was ist, wenn die Absolventen zwar die geistige Bildung mögen, aber kein Interesse haben, sich vereinnahmen zu lassen? Was ist, wenn sie kein Humankapital sein wollen? Wenn sie nur Ruhe und Zeit für ihre Gedanken haben möchten?

Verklag mich doch, Bahn AG!

Die Bahn hat mir eine Rechnung geschickt. "Bitte überweisen sie uns 212 Euro! für die neue Bahncard". Na super. Die Bahncard funktioniert ja über ein sich selbst verlängerndes Abo. Wenn die Bahn kundenfreundlich wäre, würde sie einem obendrein anbieten, das Bahncard-Abo zu kündigen. Wenn die Bahn kundenfreundlich wäre, würde sie auch jedem Studenten die studentische Ermäßigung zum halben Preis anbieten und es nicht auf 26 Jahre begrenzen. Leider habe ich meine Bahncard vor einem knapp einem Jahr an meinem 26. Geburtstag gekauft.

Dieses System der Altersbegrenzung ist überhaupt beliebt. Ab 25 muss man sich als Student selber versichern (56 Euro im Monat), mit 30 gibt es nicht einmal mehr diesen ermäßigten Satz. Dann muss man ein paar Hundert Euro zahlen. Kindergeld gibt es auch nur bis Mitte 20.

Die Gesellschaft möchte eben nicht, dass man ab oder über ein gewisses Alter hinaus studiert. Die Gesellschaft möchte generell nicht, dass jemand ausführlich und lange studiert. Er könnte ja zu schlau werden und die Gesellschaft kritisieren, anstatt ein kleines dummes, schweigendes Rädchen im Getriebe des Systems zu werden.

Aber wir waren bei der Bahncard. Keine Ahnung, wie ich das bezahlen soll. Keine Ahnung, ob ich überhaupt eine Bahncard zu dem Preis haben möchte. Im nächsten halben Jahr werde ich das Geld sicher nicht aufbringen können. Ich werde aber vielleicht meinen Dispo das ein oder andere Mal um diesen Betrag überziehen müssen. Wie schändlich von mir, als Student nicht genug Geld zu verdienen. Tja, dann muss mich wohl die Bahn verklagen. Gut, dass mich juristische Schritte gegen mich nicht sonderlich interessieren. Vielleicht sollte ich noch Jura studieren. Dann werde ich Anwalt und verklage jeden, der mich nervt.

Nachtrag vom 20.02.: Habe beim Bahn-Service angerufen. Sie haben ohne Aufsehen meine Kündigung - die ja eigenlich früher hätte erfolgen müssen - akzeptiert. Das sei ihnen angerechnet. Eigentlich brauche ich zwar die Bahncard, aber 212 Euro kann ich unmöglich die nächsten Wochen auftreiben. Den halben Studentenpreis hätte ich vielleicht noch irgendwie zahlen können. Es ist wirklich nicht schön von der Bahn, die Studententarife bis 26 zu begrenzen.

Ein Bier und du bist dran

Ein Bier getrunken und schon ist man dran. Jedenfalls wenn man noch Fahranfänger in der Probezeit ist. Das Bundeskabinett hat ein Gesetz beschlossen, wonach ab dem nächsten Jahr (wenn das Gesetz durch kommt) für Führerscheinneulinge die Null-Promille-Grenze gilt, wenn sie ein Fahrzeug lenken wollen. Wird man auch nur einmal erwischt, muss man zur Nachschulung, die mehrere hundert Euro kostet und die Probezeit verlängert sich von zwei auf vier Jahre. Das ist eine tolle Sache.

Mich haben sie damals auch dran bekommen. Aber nicht wegen Alkohol, sondern weil ich mit meinem Motorrad aus Versehen im Überholverbot überholt habe - oder besser: vorbei gerollt bin. Das Gesetz zur Probezeitverlängerung war damals brandneu. Ich war quasi einer der ersten, die es ausprobieren durften.

Machen wir uns mal nichts vor. Die bestehenden Alkoholgrenzen sind real gesteckt. Viel mehr als zwei Bier darf man sich als Mann nicht erlauben, wenn man noch fahren will. Aber oft reicht einem das auch schon. Mir zumindest reicht das, wenn ich noch fahren will. Und ich bin jahrelang selber in Disotheken oder zu Partys gefahren und musste mit meinem Auto wieder Heim. Ein, zwei Bier waren genug. Es wäre aber sehr schade gewesen, darauf zu verzichten.

Manche mögen das schon für zuviel halten. Jedem das seine. Ich bin noch nie betrunken im Straßenverkehr gefahren und nachdem ich einmal betrunken ein Auto umparken wollte und eine Beule reingefahre habe, weiß ich, wie krass die Wahrnehmung bei starker Alkoholisierung beeinträchtigt ist.

Davon abgesehen wurde ich auch schon ein paar Mal von der Polizei angehalten und habe zugegeben, wenn ich davor ein Bier getrunken hatte - pusten musste ich da nie. Pusten bzw. zur Alkoholmessung in der Atemluft musste ich nur einmal. Aber auch nur, weil ich einen Drift quer über eine Kreuzung hingelegt hatte. Im Laufe des Tages hatte ich da zwar ein paar Bier getrunken, aber die gemessenen 0,1 Promille hatten da keine Aus- und Nachwirkungen.

Warum schreibe ich das hier? Weil ich das Gesetz diskriminierend finde. Null Promille. Mein Gott. Dann darf man nicht mal ein Glas Wein trinken, wenn man zum Essen eingeladen wurde. Oder neulich in der Uni: Da haben die Profs ein Schluck Sekt spendiert, weil wir alle scheinfrei waren. Nach dem neuen Gesetz wäre das aber für Fahranfänger schon zuviel. Es ist absolut lächerlich. Ich sehe schon die ganzen jungen Leute, die eifrig vom Staat gefickt werden. Und wer sagt etwas dagegen? Niemand. Denn ein paar Fahranfänger haben keine Stimme und kein Sprachrohr.

Nachtrag: Laut dem ZEIT-Artikel wird bei künftigen Kontrollen "davon ausgegangen, dass Alkohol im Blut ab einem Wert von 0,2 Promille wirksam wird". Der Schluck Sekt wäre somit ohne Risiko. Dennoch ist die Grenze messerscharf. Da könnte es einem schon zum Verhängnis werden, wenn man nach durchzechter Nacht fährt, auch wenn man lange geschlafen hat.

Verfassungsklage in Hessen

Eine Eltern-Initiative in Darmstadt kämpft gegen Studiengebühren. Vergangenen Mittwoch habe ich sie besucht. [mehr in meinem Artikel im Darmstädter Echo ...]


"Wir sind alle von Anfang an verflucht, und auch Du musst erst furchtbar verletzt werden, bevor Du ernsthaft schreiben kannst." - Hemingway an Fitzgerald

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